Warum internationaler Austausch Sinn macht

Jugendliche im Freien

Internationale Erfahrungen helfen jungen Menschen, sich selbst auszuprobieren, eine neue Sprache zu sprechen und eine andere Kultur besser zu verstehen. Nicht nur längerfristige Aufenthalte prägen die Persönlichkeit, auch Begegnungen bei Schulpartnerschaften, Praktika im Ausland im Rahmen der beruflichen Bildung oder andere Austauschformate beeinflussen die Entwicklung junger Menschen positiv.

Internationale Erfahrungen, wie sie bei Austauschbegegnungen und Auslandsaufenthalten gemacht werden, prägen in besonderer Weise und wirken auf mindestens drei Ebenen:

  • Bildung: Austausch fördert die persönliche Entwicklung und Fähigkeiten junger Menschen
  • Mobilität: Austausch befähigt junge Menschen, sich in einer globalisierten Welt zu orientieren
  • Frieden: Austausch stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das friedliche Miteinander

Schule ist weiterhin der zentrale Ort, junge Menschen mit Bildungsangeboten zu erreichen. Dem schulischen Austausch kommt daher eine Schlüsselrolle bei der internationalen Bildung zu.

Bildung: Entwicklung der Persönlichkeit

Die ersten und unmittelbar spürbaren Wirkungen internationaler Erfahrungen bei jungen Menschen bestehen in der Entwicklung ihrer persönlichen Fähigkeiten. Kontakte zu und gemeinsames Lernen mit Gleichaltrigen anderer Länder und Kulturen helfen Schülerinnen und Schülern beim Abbau von Vorurteilen. Sie vermitteln Selbstsicherheit und erweitern soziale und sprachliche Kompetenzen. Internationales Lernen fördern also entscheidend die individuellen Fähigkeiten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Mobilität: Orientierung in einer globalisierten Welt

Lernerfahrungen durch grenzüberschreitende Mobilität schaffen die Grundlage, damit sich junge Menschen in Europa und in der Welt bewegen können. Sie öffnen berufliche und persönliche Perspektiven. Mobilität ist damit Teil der gesellschaftlichen Teilhabe und ein Grundrecht für alle jungen Menschen. Nicht zuletzt gründen sich die politische Stabilität und der wirtschaftliche Erfolg Deutsch­lands in einer zunehmend globalisierten Welt auf eine Jugend, der inter­kulturelle Kommunikation und das Verständnis anderer Lebensweisen vertraut ist.

Studie zu Wirkungen internationaler Jugendarbeit

 

„Internationale Jugendbegegnungen bieten Erfahrungs-, Lern- und Handlungsmöglichkeiten, die das fördern, was als zentrale Schlüsselqualifikation für Fach- und Führungskräfte in modernen Gesellschaften angesehen wird, nämlich interkulturelle Handlungskompetenz“, so Prof. Andreas Thomas.

In einer Studie „Wirkungen internationaler Jugendarbeit im Kontext beruflicher Bildungswege“ untersuchten er uns sein Team bei Jugendlichen die Wirkungen

  • auf ihre Mobilität in Bezug auf eine häufigere Teilnahme an internationalen Begegnungsprogrammen,
  • in Bezug auf das Interesse zum Leben, Lernen, Arbeiten im Ausland,
  • auf das Interesse an beruflichen Angeboten im Ausland und an Auslandseinsätzen sowie an Bildungsangeboten mit einer internationalen Thematik,
  • auf Studienentscheidungen, Berufsentscheidungen und die Motivation zur Fort- und Weiterbildung, auf die allgemeine Persönlichkeitsentwicklung.

Die Ergebnisse lassen sich in vielem auch auf den schulischen Austausch übertragen, denn Schule und ihr Umfeld prägt junge Menschen weiterhin wie kein zweiter Lernort:

  • Die Auslandserfahrung hat auch für Befragte mit beruflichem Bildungsschwerpunkt eine sehr hohe persönliche Bedeutung im Lebensverlauf;
  • Offenheit gegenüber anderskulturellen Menschen wird durch den Auslandsaufenthalt aus Sicht der Befragten unabhängig von deren Bildungsschwerpunkt eindeutig gefördert;
  • Die Auswirkungen auf Mobilität sind aus Sicht der Befragten geringer als auf die anderen Haltungen/Kompetenzen;
  • Die Auswirkungen hinsichtlich internationaler Mobilität und virtueller Mobilität sind für Befragte aus berufsorientierten Schulen geringer als für Gymnasiast(inn)en;
  • Die Auswirkungen auf die berufliche Entwicklung (z.B. Vertrauen in berufliche Leistungsfähigkeit, Motivation zur beruflichen Weiterentwicklung ...) werden positiv beurteilt und sind für Befragte aus berufsorientierten Schulen größer als für Gymnasiasten;
  • Die wahrgenommen Auswirkungen auf Kompetenzen/Haltungen und persönliche Bedeutsamkeit sind umso stärker, je länger die Maßnahmendauer ist. Das heißt aber nicht, dass Kurzzeitmaßnahmen wirkungslos sind!

Quelle: IJAB, Forschungsstudie zur Wirkung IJA

    Gesellschaft: Austausch stärkt den Zusammenhalt

    Austauschformate bieten Schülerinnen und Schülern Räume, eigene Ideen etwa zur Zukunft Europas zu entwickeln und in die gesellschaftliche Debatte einzubringen. Oft wächst aus prägenden Auslands­aufenthalten während des Bildungsweges auch ein Engagement zugunsten der Allgemeinheit.

    Aktuell erleben Deutschland, Europa und die Welt tiefgreifende Veränderungen. Die deutsche Gesellschaft verändert sich und ist aufgefordert, sich stärker international zu öffnen und eine enorme Integrationsleistung zu vollbringen. Jugendliche, Schülerinnen und Schüler, Lehr- und Fachkräfte, die internationale Erfahrungen in einem besonderen pädagogischen Rahmen machen, werden dadurch oftmals offener, toleranter und denken und handeln diversitätsbewusster.

    Die Auswirkungen dieses Wandels sind besonders für die nächsten Generationen von großer Bedeutung. Um Schüle­rinnen und Schüler langfristig auf den Umgang mit Heraus­forde­rungen in einer globalisierten Welt vorzubereiten, sollten ihnen internationale Erfahrungen ermöglicht werden – sei es bei kurzfristigen schulischen Austauschprojekten, Begegnungen im Rahmen von Schul­partner­schaften, der Aufnahme ausländischer Jugendlicher in Deutschland oder bei längeren Schulaufenthalten im Ausland.

    Chancen für mehr Austausch

    Doch die Chancen, an einem internationalen Austausch teilzunehmen, sind weiterhin ungleich verteilt. Wie lässt sich erreichen, dass internationaler Austausch für junge Menschen zum selbstverständlichen Teil der schulischen Bildung wird?

    Besonders Schulen müssen deshalb in die Lage versetzt werden, internationalen Austausch anzubieten. Damit möglichst jede Schülerin und jeder Schüler die Chance erhält, einmal an einem internationalen Austausch teilzunehmen, ist aber auch die gelingende Zusammenarbeit von Schulen mit ihren Partnern im In- und Ausland erforderlich. Nicht zuletzt sollten Lehrkräfte und andere Organisatoren von Austauschen eine deutlichere Anerkennung für ihr Engagement erfahren.

    "Austausch macht Schule" fordert deshalb

    • Internationaler Austausch darf keine Eliteveranstaltung bleiben, sondern muss sich neuen Zielgruppen öffnen:
      Haupt-, Berufs- und Realschülerinnen und -schüler, Kinder und Jugendliche mit besonderem Förderbedarf sind im internationalen Austausch bisher deutlich unterrepräsentiert.
    • Der Weg in die Zukunft braucht Bündnisse von Partnern in allen Bereichen der schulischen und außerschulischen Bildung:
      „Austausch macht Schule“ ist die Plattform für die Vernetzung der Akteure, die verstetigt und ausgebaut werden soll.
    • Junge Menschen selbst sollen Austauschprogramme aktiv gestalten und als Botschafterinnen und Botschafter für internationale Programme wirken. Gleichzeitig soll die Internationalisierung in der Aus- und Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern verankert werden.
    • Dafür sind eine bessere finanzielle Unterstützung und qualitative Rahmenbedingungen unabdingbar.

    Eine erfolgreiche Zukunft des internationalen Austauschs kann nur gelingen mit Engagement, Überzeugung und Professionalität!