Kooperation Internationale Jugendarbeit und Schule

Internationale Bildung als gemeinsame Aufgabe von Jugendarbeit und Schule

Zunehmend gelten internationale Erfahrung und interkulturelle Kompetenz als Voraussetzungen für das auf Vielfalt und globale Vernetzung basierende Zusammenleben. Pädagogisch begleitete Auslandsaufenthalte und Austauschprogramme eröffnen Jugendlichen vielfältige Chancen, sich in dieser veränderten gesellschaftlichen Situation zurechtzufinden. Die Ermöglichung grenzüberschreitender Lernerfahrung für alle jungen Menschen kann aber nicht allein nur Aufgabe eines Bildungssegmentes sein.

Kooperationen von internationaler Jugendarbeit und Schule eröffnen neue Möglichkeiten, mehr jungen Menschen unabhängig von kultureller und sozialer Herkunft, Behinderung und Bildungsgrad Lernerfahrungen durch grenzüberschreitende Mobilität zu ermöglichen.

Der konkrete Nutzen für die Jugendlichen:

  • Sie erwerben Schlüsselkompetenzen, vor allem interkulturelle, internationale und Sozialkompetenz,
  • sie bekommen Kontakt zur internationalen Jugendarbeit und erhalten Möglichkeiten zu Mobilität und grenzüberschreitendem Austausch,
  • sie lernen dadurch, die eigene Freizeit sinnvoll und interessant zu gestalten,
  • sie erhalten Impulse aus der Praxis für das eigenen Leben,
  • bei Bewerbungen auf Arbeitsstellen erhöht sich die Chance auf Einstellung.

Für die Internationale Jugendarbeit besteht der Gewinn der Kooperation in:

  • der Chance, im Lebensbereich der Jugendlichen bekannt zu werden,
  • der Chance auf eine stärkere Anerkennung des non-formalen Lernens, indem sie deutlich ihren Bildungsanspruch formulieren und belegen kann,
  • der Möglichkeit, mehr Teilnehmende und Multiplikator(inn)en für Methoden und Aktivitäten der Internationalen Jugendarbeit zu erreichen,
  • der Möglichkeit, neue Zielgruppen anzusprechen, die bisher nicht erreicht wurden,
  • der Möglichkeit, neue Mitglieder in Verbänden und Vereinen zu gewinnen,
  • einem Beitrag zur Kompetenzerweiterung bei haupt- und ehrenamtlich Aktiven in der Internationalen Jugendarbeit, zum Beispiel durch neue Lernorte, die Zusammenarbeit mit Vertreter(inne)n der formalen Bildung und durch die Anpassung bewährter Methoden der non-formalen Bildungsarbeit.

Die Vorteile einer Kooperation aus der Sicht von Schule sind:

  • Lehrkräfte können vom Methoden- und Inhaltsspektrum der Jugendarbeit profitieren,
  • sie erhalten neue Impulse und Ideen und bereichern damit den Unterricht,
  • sie können bei außerschulischen Aktivitäten Unterstützung erfahren und vor allem im Bereich des grenzüberschreitenden Austauschs professionelle Angebote wahrnehmen, die allein vom Lehrkörper nicht geleistet werden können.
  • Das Schulprofil kann positiv durch neue Mobilitätsangebote entwickelt werden und damit die Attraktivität des Bildungsangebots der Schule erhöhen.

Darüber hinaus liegt der Mehrwert der Zusammenarbeit darin, dass:

  • neue Lernformate und anregende Bildungsangebote entwickelt werden, die auf den individuellen Bedarf, die Zielgruppen und das Curriculum zugeschnitten sind
  • und sich dadurch bei allen Akteuren die Bereitschaft erhöht, Bildung neu zu denken und Mobilität und grenzüberschreitenden Austausch als gemeinsamen Bildungsauftrag zu verstehen.

Methodik, Formate und Wirkung Internationaler Jugendarbeit 

Gesetzliche Verankerung 

Internationale Jugendarbeit ist im Sozialgesetzbuch (SGB) VIII, §11, gesetzlich verankert und laut Kinder- und Jugendplan des Bundes integraler Bestandteil der Kinder- und Jugendhilfe. Sie bietet Lernräume zur Begegnung und zum Austausch von jungen Menschen und Fachkräften aus verschiedenen Ländern. Gegenseitiges Verständnis, Toleranz und Offenheit sollen durch internationale Jugendarbeit ebenso gefördert werden wie interkulturelles Lernen, Verantwortungsübernahme, bürgerschaftliches Engagement und Fremdsprachenkompetenz. 

Methodik 

Internationale Jugendarbeit beinhaltet nichtformales und informelles Lernen außerhalb allgemeiner und beruflicher Bildung. Sie zielt auf eine gelingende Entwicklung der Persönlichkeit und Teilhabe an der Gesellschaft. Dabei geht es um Freiwilligkeit und Selbstbestimmung in intendierten pädagogischen Bezügen. In diesem Kontext ergeben sich ebenso Möglichkeiten nicht intendierten, informellen Lernens. Der hohe Grad an Freiwilligkeit und Selbstbestimmung in einem qualitätsvoll angelegten pädagogischen Rahmen ermöglicht eine besondere Intensität der Lernerfahrungen. Die Lernfelder orientieren sich an den Interessen junger Menschen, an ihrer Neugier und ihrem Erlebnisdrang. Sie sind partizipativ angelegt und fördern das gesellschaftliche Engagement junger Menschen. 

Formate

Die Internationale Jugendarbeit bietet hier für unterschiedliche Formate in einer breiten Vielfalt, die durch die verschiedenen Arbeitsfelder der Kinder- und Jugendhilfe und die Pluralität der Träger zum Tragen kommen. Die Vielfalt der Austauschformen als Kurz- und Langzeitformate, Gruppen- und Individualprogramme, bi- und multilaterale Begegnungen, internationale Workcamps, freiwillige Dienste im Ausland, Au-Pair und internationale Jugendinitiativen soll Jugendlichen in ihren jeweiligen Entwicklungsphasen angemessene Angebote eröffnen. 
(Weitere Informationen zu den verschiedenen Formaten Internationaler Jugendarbeit bietet die Online-Broschüre „Qualität in Formaten der Internationalen Jugendarbeit“)

Wirkungen und wissenschaftliche Studien

Unterschiedlichste wissenschaftliche Studienwie auch die nachhaltigen Erfahrungen aus der Praxis belegen inzwischen die Wirksamkeit grenzüberschreitender Lernerfahrungen. Junge Menschen erlernen neue Fähigkeiten, die ihre Persönlichkeitsentwicklung fördern, sie in ihrer Berufsfindung unterstützen und zu gesellschaftlichem Engagement ermutigen. Und sie gewinnen Wertschätzung für kulturelle Vielfalt, grenzüberschreitende Solidarität und Toleranz, die ihre Kompetenzen zur Teilhabe an einer immer heterogeneren Gesellschaft erweitern. Dieses Lernpotenzial wird besonders auch für junge Menschen mit Migrationshintergrund und sozial benachteiligte Jugendliche nachgewiesen und trägt damit eindeutig zu mehr Chancengerechtigkeit bei.Eine Studie des Deutschen Jugendinstitutsstellt darüber hinaus fest, dass bereits Kinder ab acht Jahren vom grenzüberschreitenden Austausch profitieren und interkulturelle Kompetenzen erwerben können. Internationale Jugendarbeit verfügt somit neben Austausch und Verständigung über wichtige Potenziale für Jugendliche, Fachkräfte und Institutionen, den gesellschaftlichen Entwicklungen einer globalisierten Lebenswelt erfolgreich zu begegnen und ist wegweisend für eine zukunftsorientierte Kinder- und Jugendhilfe.


1 IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. und Forscher-Praktiker-Dialog Internationale Jugendarbeit (Hrsg.): Internationale Jugendarbeit wirkt. Forschungsergebnisse im Überblick, 2. Aufl., Bonn/Köln 2013. ISBN: 978-3-924053-56-7
2 Thimmel, Andreas / Chehata, Yasmine /Riß, Katrin (2011): Interkulturelle Öffnung der Internationalen Jugendarbeit. Gesamtbericht der wissenschaftlichen Begleitung zum Modellprojekt JiVE „Jugendarbeit international Vielfalt erleben“
3 Rink, Barbara (2010): Internationale Begegnungen – ein interkulturelles Lernfeld für Kinder? Ergebnisse einer explorativen Studie. In: Fachstelle für internationale Jugendarbeit (IJAB) (Hrsg.): Forum Jugendarbeit International – Internationale Jugendarbeit und Chancengleichheit. Bonn, S. 152-165

Gelingensbedingungen für die Kooperation von Internationaler Jugendarbeit und Schule

Das von IJAB durchgeführte Modellprojekt „Interkulturelles Lernfeld Schule (IKUS) 2009-2012“ hat mit konkreten Beispielen und wirkungsvollen Ansätzen in Kooperation von Internationaler Jugendarbeit und Schule gezeigt, wie es gelingen kann, neue Zielgruppen junger Menschen im schulischen Kontext zu erreichen und gleichzeitig innovative Ansätze der Schulentwicklung zu erproben.Folgende Gelingensbedingungen konnten identifiziert werden: 

Interkulturelle Kompetenzvermittlung muss als Querschnittsaufgabe einer ganzheitlichen Bildung verstanden werden

  • Das Thema grenzüberschreitende Lernmobilität und Interkulturelles Lernen muss als Querschnittsaufgabe aller Bildungsbereiche verstanden und in bestehenden Maßnahmen, Strategien und Programme implementiert werden. 
  • Darüber hinaus muss auch das spezifische Wissen über Methodik, Struktur und Inhalte non-formaler Bildung in die Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern integriert und Möglichkeiten der Kooperation zwischen Lehrerfortbildungsinstituten mit Landesjugendämtern oder Trägern der Jugendarbeit zur Qualifikation genutzt werden.
  • Gleichfalls müssen Träger der Jugendarbeit auf Kooperationen mit Schulen vorbereitet und geschult werden.

Erhalt der Eigenständigkeit Internationaler Jugendarbeit

In der Kooperation von non-formaler und schulischer Bildung ist es wichtig, dass die Eigenständigkeit von internationaler Jugendarbeit in ihren spezifischen Strukturen erhalten bleibt. Nur so können  Prinzipien wie Freiwilligkeit, Partizipation und Ressourcenorientiertheit gewahrt bleiben, die eine Basis darstellen, soziale und interkulturelle Kompetenz zu stärken. 

  • Nicht-formales Lernen darf nicht im formalen Curriculum „verordnet“ werden.
  • Internationale Jugendarbeit muss als eigenständiger Bildungsbereich erhalten bleiben und darf sich nicht Formalisierungstendenzen anpassen.
  • Schulentwicklung darf nicht Aufgabe der Jugendarbeit sein, sondern muss aus dem formalen Bildungskontext umgesetzt werden. Kooperationen mit non-formaler Bildung auf Augenhöhe können dabei unterstützend wirken.

Einbettung in lokale Bildungslandschaften

  • Existierende lokale und landesweite Stellen sowie Regionale Bildungsbüros zur Förderung der Kooperation von Jugendarbeit und Schule müssen verstärkt auch die Internationale Jugendarbeit in den Blick nehmen und Kooperationen vermitteln und unterstützen.
  • Die internationale Arbeit und regionale Vernetzung mit Trägern der Jugendarbeit muss verstärkt in Schulprogrammen verankert werden.

Verbesserung der politischen Rahmenbedingungen

  • Die politischen Rahmenbedingungen müssen verbessert werden, damit Kooperationen zwischen Internationaler Jugendarbeit und Schule im Sinne von klaren bildungspolitischen Zielsetzungen und eindeutigen Zuständigkeiten der Ressorts initiiert werden können.
  • Die Zuständigkeiten der Ministerien müssen geklärt und Förderhindernisse abgebaut werden.
  • Vielfach existieren bereits Kooperationen von Schule und Jugendarbeit im Bereich Sport oder kultureller Bildung. Diese können exemplarisch für die Schaffung neuer Fördermöglichkeiten auch im Bereich Internationaler Jugendarbeit und Schule gelten.
  • Die Kooperation von Internationaler Jugendarbeit und Schule im Rahmen der Förderung grenzüberschreitender Lernmobilität muss als gemeinsames Thema von Kultusministerkonferenz (KMK) und Jugend- und Familienministerkonferenz (JFMK) diskutiert werden.
  • Förderrichtlinien einzelner Bundesländer erschweren die Kooperation von Schulen und Institutionen der non-formalen Bildung. Hier müssen verstärkt einheitliche Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Verbesserter Zugang zu finanziellen Ressourcen

  • Zur Förderung von Kooperationen zwischen Internationaler Jugendarbeit und Schule müssen Fördermittel bereitgestellt werden, die sowohl der prozesshaften Begleitung zum Aufbau und zur Weiterentwicklung von Kooperationen dienen, als auch konkrete Projekte ohne bürokratische Hürden ermöglichen.
  • Die Leistungen der außerschulischen Bildung sind angemessen zu finanzieren und müssen in den Richtlinien der Kinder- und Jugendpläne Berücksichtigung finden.
  • Eine strukturelle Anerkennung von Lehrkräften für Kooperationen mit Internationaler Jugendarbeit muss in Form entsprechender Finanzierung und Stundenentlastung erfolgen.
  • Um nachhaltige Partnerschaften von Schulen und Internationaler Jugendarbeit zu implementieren, müssen über Projektförderung hinaus dauerhafte Finanzierungsmöglichkeiten geschaffen werden.

 

4  IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. (Hrsg.): Interkulturelles Lernfeld Schule: Handlungsempfehlungen und Perspektiven einer erfolgreichen Kooperation von internationaler Jugendarbeit und Schule, Bonn 2012.