Internationaler Jugend- und Schüleraustausch in den Koalitionsverträgen von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz

Untertitel
Demokratiebildung, Europa und Mobilität sind die Schwerpunkte.
Deutschlandkarte mit den hervorgehobenen Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz

Mit den neuen Koalitionsverträgen nach den Landtagswahlen haben Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz bildungspolitische Weichen für die kommenden Jahre gestellt. Ein Blick auf die Aussagen zum internationalen Jugend- und Schüleraustausch zeigt unterschiedliche Schwerpunkte.

Baden-Württemberg: Internationaler Austausch als Beitrag zur Demokratiebildung in Schule und Jugendbildung

Im Koalitionsvertrag für Baden-Württemberg wird der internationale Austausch ausdrücklich als Bestandteil der schulischen und außerschulischen Jugendbildung benannt und zugleich als wichtiger Beitrag zur Demokratiebildung verstanden. Im Kapitel „Bildung, Jugend und Sport“ heißt es: 

„Wir stärken die Jugendbildung in den Jugendbildungsstätten sowie die Förderung der internationalen Austausche für Schülerinnen und Schüler und von Jugendbegegnungen als wichtige Maßnahmen der schulischen und außerschulischen Jugendbildung.“ (S. 50)

Damit werden schulischer Austausch und internationale Jugendbegegnungen gemeinsam in den Blick genommen. Dies eröffnet zugleich Anknüpfungspunkte für eine engere Zusammenarbeit von Schule und internationaler Jugendarbeit.

Auch der deutsch-israelische Austausch wird ausdrücklich hervorgehoben:

„Dem Austausch mit Israel – gesellschaftlich, wirtschaftlich, wissenschaftlich und kulturell – kommt herausragende Bedeutung zu. Wir fördern daher deutsch-israelische Begegnungen, insbesondere Jugend- und Schulaustausche.“ (S. 160)

Nicht aufgegriffen werden dagegen die Förderung von Erasmus+ in Schule und Jugend, internationale Schulpartnerschaften sowie eine strukturelle Zusammenarbeit von Schulen und Trägern der internationalen Jugendarbeit.

Rheinland-Pfalz: Europa durch Mobilität junger Menschen erfahrbar machen

Die Vereinbarung der schwarz-roten Koalition in Rheinland-Pfalz setzt einen stärkeren Schwerpunkt auf Europa und verbindet die Förderung der Mobilität junger Menschen eng mit europapolitischen Zielen. So heißt es etwa:

„Uns ist die Mobilität junger Menschen innerhalb Europas ein großes Anliegen. Wir werden den Austausch von Schülerinnen und Schülern, Auszubildenden und Studentinnen und Studenten weiter ausbauen und Austauschprogramme wie Erasmus+ insbesondere für berufliche Schulen und Auszubildende vorantreiben und zugänglicher machen.“ (Z. 3.419ff.)

Schülerinnen und Schüler, Auszubildende und Studierende werden hier gemeinsam in den Blick genommen. Erasmus+ wird ausdrücklich als wichtiges Instrument europäischer Bildungszusammenarbeit benannt – besonders auch für berufliche Schulen und Auszubildende.

Weitere Anknüpfungspunkte bietet der geplante Ausbau des Netzwerks der Europaschulen und die Weiterentwicklung des 4er-Netzwerks der Regionalpartnerschaften mit Burgund-Franche-Comté (FR), Oppeln (PL) und Mittelböhmen (CZ) unter anderem im Bereich Bildung. Damit verbindet Rheinland-Pfalz internationale Bildungszusammenarbeit sehr eng mit seinen europäischen Regionalpartnerschaften.

Gute Grundlagen – weiterer Handlungsbedarf

Beide Koalitionsverträge zeigen: Internationale Lernerfahrungen werden in den neuen Vereinbarungen ausdrücklich aufgegriffen und mit unterschiedlichen bildungs- und europapolitischen Schwerpunkten verbunden.

Zugleich bleiben wichtige Fragen offen – etwa zur strukturellen Verankerung und Förderung internationaler Schulpartnerschaften, zur Zusammenarbeit von Schulen und Trägern der internationalen Jugendarbeit oder zur Chancengleichheit im Zugang zu Formaten des internationalen Austauschs.

„Austausch macht Schule“ wird die bildungspolitischen Entwicklungen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz weiter begleiten. Ziel ist es, gute Ansätze sichtbar zu machen und den internationalen Jugend- und Schüleraustausch als selbstverständlichen Bestandteil der Bildungslandschaft zu stärken.