Aktualisierte „Empfehlungen zur Erinnerungskultur“ stärken auch den internationalen Schulaustausch

Die Bildungsministerkonferenz (BMK) hat mit Beschluss vom 11. Juni 2026 ihre Empfehlungen zur Erinnerungskultur als Gegenstand historisch-politischer Bildung in der Schule grundlegend überarbeitet. Die aktualisierte Empfehlung stärkt die Erinnerungskultur als fächerübergreifende Aufgabe und eröffnet zugleich neue Perspektiven für internationale Schulpartnerschaften, Schüleraustausch und andere Formen der internationalen Bildungszusammenarbeit.

Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Herausforderungen wie wachsendem Antisemitismus, Desinformation und gesellschaftlicher Polarisierung soll historisch-politische Bildung junge Menschen dazu befähigen, historische Entwicklungen kritisch einzuordnen und Verantwortung für Demokratie und Menschenrechte zu übernehmen. Internationale Begegnungen und grenzüberschreitende Kooperationen können hierzu einen wichtigen Beitrag leisten, indem sie unterschiedliche Perspektiven auf Geschichte, Erinnerung und gesellschaftliches Zusammenleben eröffnen.

„Nur wer die Vergangenheit versteht, kann die Zukunft besser gestalten“, betonte die Präsidentin der Bildungsministerkonferenz, Anna Stolz. „Deshalb ist Erinnerungskultur so wichtig. Es geht darum, junge Menschen stark zu machen, damit sie Zusammenhänge verstehen, Verantwortung übernehmen und unsere Demokratie schützen können. Gerade in Zeiten von Desinformation und digitaler Manipulation brauchen junge Menschen Orientierung und die Fähigkeit Fakten von Fälschungen zu unterscheiden. Erinnerungskultur ist deshalb nicht nur ein Blick zurück. Sie ist eine Investition in die Zukunft unserer Demokratie.“

Erinnerungskultur auch in internationalen Perspektiven

Die Empfehlung versteht Erinnerungskultur als Aufgabe der gesamten Schule. Sie soll nicht auf den Geschichtsunterricht beschränkt bleiben, sondern fächerübergreifend verankert werden. 

Die KMK empfiehlt mehrere Maßnahmen, um Erinnerungskultur dauerhaft in Schulen zu verankern. Dazu gehören:

  • projektorientiertes Lernen, 
  • die Zusammenarbeit mit Gedenkstätten und außerschulischen Lernorten sowie 
  • eine stärkere Verankerung in der Lehrkräftebildung. 

Dabei eröffnen sich auch vielfältige Möglichkeiten, internationale Perspektiven einzubeziehen und Erinnerungskultur im Austausch mit Partnern aus anderen Ländern zu gestalten.

Anknüpfungspunkte für internationalen Austausch

Die Empfehlung bietet zahlreiche konkrete Anknüpfungspunkte für internationale Schulpartnerschaften, Schüleraustausch und Begegnungsprojekte. Für Schulen ergeben sich insbesondere folgende Handlungsmöglichkeiten:

  • Schulen, Schülerinnen und Schülern werden ausdrücklich zur Teilnahme an europäischen Programmen und weltweiten Austauschprojekten ermutigt. 
  • Ebenso empfiehlt die Bildungsministerkonferenz den Aufbau und die Pflege internationaler Schulpartnerschaften und Projekte, auch unter Nutzung digitaler Formate.
  • Lehrkräfte sollen zudem Fortbildungen im Rahmen europäischer Programme und weltweiter Austauschprojekte wahrnehmen.

Darüber hinaus benennt die Empfehlung zentrale Themenfelder, die sich besonders gut im internationalen Austausch bearbeiten lassen:

  • die Beschäftigung mit einem vereinten Europa, universellen Menschenrechten und der Vision des Weltfriedens, 
  • die Berücksichtigung europäischer und globaler Perspektiven 
  • die Analyse historischer Verflechtungen zwischen Deutschland und anderen Ländern, 
  • Besuche von Gedenkstätten und Erinnerungsorten – ausdrücklich auch außerhalb Deutschlands.

Internationale Schulpartnerschaften als Lernorte der Erinnerungskultur

Internationale Schulpartnerschaften bieten hierfür ideale Voraussetzungen. Gemeinsame Projekte, Begegnungen an historischen Orten oder der Austausch unterschiedlicher Erinnerungskulturen ermöglichen es jungen Menschen, Geschichte aus verschiedenen Perspektiven kennenzulernen und miteinander über Verantwortung, Demokratie und Frieden ins Gespräch zu kommen.

Die aktualisierte Empfehlung macht damit deutlich: Erinnerungskultur eröffnet vielfältige Möglichkeiten für internationalen Austausch – und internationale Begegnungen können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, historisch-politische Bildung lebendig und perspektivenreich zu gestalten.

Was ist neu gegenüber der KMK-Empfehlung von 2014?

Im Vergleich zur Fassung von 2014 entwickelt die Bildungsministerkonferenz ihre Empfehlungen konsequent weiter. Dazu gehört auch die ausdrückliche Ermutigung zur Teilnahme an internationalen Schulpartnerschaften, europäischen Programmen und weltweiten Austauschprojekten. 

Neu akzentuiert werden insbesondere der reflektierte Umgang mit Desinformation, sozialen Medien und Künstlicher Intelligenz, die Einordnung aktueller Kriege und gesellschaftlicher Konflikte sowie die stärkere Verknüpfung von Erinnerungskultur und Demokratiebildung. Zugleich wird die aktive Beteiligung von Schülerinnen und Schülern stärker betont. 

Warum die Empfehlung für Schulen wichtig ist

Die aktualisierte Empfehlung verdeutlicht, dass internationale Schulpartnerschaften und Schüleraustausch wichtige Beiträge zur historisch-politischen Bildung leisten können. Schulen erhalten damit eine aktuelle Orientierung, wie Erinnerungskultur, Demokratiebildung und internationale Zusammenarbeit miteinander verbunden werden können.