Wahlprogramme in Sachsen-Anhalt: Stifterverband analysiert Lehrkräfte und Kooperationen

Untertitel
Schulisch-außerschulische Zusammenarbeit wird vor allem bei Berufsorientierung und Ganztag berücksichtigt
Jugendliche Schülerinnen und Schüler arbeiten gemeinsam an einer Bildungsaktivität

Anlässlich der Landtagswahl 2026 in Sachsen-Anhalt hat der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft die bildungspolitischen Aussagen der Programme von sechs Parteien untersucht. Im Mittelpunkt der Ende August 2026 veröffentlichten Analyse stehen zwei Herausforderungen: die Gewinnung und Qualifizierung von Lehrkräften sowie die Schulische und außerschulische Potenzialförderung (Förderung von Schülerinnen und Schülern durch systematische schulisch-außerschulische Kooperationen).

Nach Einschätzung des Stifterverbandes erkennen die Parteien zentrale Herausforderungen des Bildungssystems und greifen unterschiedliche Ansätze zu Lehrkräftegewinnung, Lehrkräftebildung und einer stärkeren Öffnung von Schule auf. Zugleich sieht die Analyse bei beiden Themen erhebliche strategische und strukturelle Fragen als ungeklärt an. Für schulisch-außerschulische Kooperationen vermisst sie insbesondere ein übergreifendes Konzept für deren systematischen Ausbau.

Kooperation wird vor allem bei Berufsorientierung und Ganztag gesehen

Schulisch-außerschulische Kooperationen finden sich nach der Analyse grundsätzlich in den Wahlprogrammen. Sie werden jedoch überwiegend im Zusammenhang mit Berufsorientierung und Ganztag behandelt. Vereinzelt geht es außerdem um außerschulische Lernorte, praxisnahe Bildungsangebote oder eine stärkere Vernetzung von Schulen mit ihrem gesellschaftlichen Umfeld. 

Deutlich weniger berücksichtigt werden nach Einschätzung des Stifterverbandes weitere Potenziale außerschulischer Bildungsangebote. Dazu zählen die Förderung von Basiskompetenzen und MINT-Kompetenzen ebenso wie Demokratiebildung sowie sozial-emotionale und weitere überfachliche Kompetenzen. Diese Möglichkeiten finden sich in den untersuchten Wahlprogrammen nur punktuell wieder. 

Als übergreifendes Defizit benennt der Stifterverband fehlende strategische und strukturelle Rahmenbedingungen. Sachsen-Anhalt verfüge zwar bereits über verschiedene Förderinstrumente und Unterstützungsstrukturen. 

„Allerdings fehlt bislang eine übergreifende Strategie mit klaren Zielen, Qualitätsstandards und Zuständigkeiten. […] Um die Potenziale außerschulischer Bildungsangebote stärker zu nutzen, braucht es daher eine systematischere Verankerung von Kooperationen in Schulentwicklung, Ganztag und Bildungsplanung.“ –(Stifterverband: Wahlprogrammanalyse Sachsen-Anhalt 2026) 

Internationale Begegnungen erweitern diese Perspektive

Internationalen Jugend- oder Schulaustausch untersucht die Wahlprogrammanalyse nicht ausdrücklich. Aus Sicht von „Austausch macht Schule“ lässt sich die Analyse jedoch um ein wichtiges Feld schulisch-außerschulischer Zusammenarbeit ergänzen.

Internationale Jugendarbeit und Schulen verbinden bei Aktivitäten im internationalen Austausch schulische und außerschulische Bildung und eröffnen jungen Menschen Erfahrungsräume für demokratisches Lernen, gesellschaftliche Teilhabe, Verständigung sowie soziale und interkulturelle Kompetenzen.

Gerade Schulen sind ein zentraler Zugangsort. Der Stifterverband betont zugleich: Schule bildet „den herausgehobenen Bildungsort, der als einziger alle Kinder und Jugendlichen erreicht“ und biietet damit die Möglichkeit, individuelle Förderung unabhängig von familiären Voraussetzungen zugänglich zu machen. Damit internationale Begegnungen tatsächlich jungen Menschen aller Schulformen und unterschiedlicher sozialer Voraussetzungen offenstehen, dürfen entsprechende Kooperationen jedoch nicht allein vom Engagement einzelner Schulen oder Fachkräfte abhängen. Auch der Stifterverband sieht die Notwendigkeit einer stärkeren institutionellen Verankerung schulisch-außerschulischer Zusammenarbeit. 

Verlässliche Rahmenbedingungen für Kooperationen

Für eine strukturelle Verankerung internationaler wie anderer schulisch-außerschulischer Kooperationen sind aus Sicht von „Austausch macht Schule“ verlässliche Rahmenbedingungen erforderlich. Dazu gehören Zeit und Freiräume im Schulalltag, Beratung und Qualifizierung, eine verlässliche Finanzierung, regionale Vernetzung sowie klare Zuständigkeiten in Ministerien und Schulverwaltung.

So können Kooperationen dauerhaft Teil von Schulentwicklung werden – und ihre Potenziale für internationale Bildung, Demokratiebildung, gesellschaftliche Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit breiter wirksam werden.