Gastfamilienstudie 2025. Einblicke und Impulse für eine vielfältige Austauschpraxis
Eine neue Studie von Experiment e. V. untersucht Motive, Hürden und Rahmenbedingungen für Gastfamilien im Schüleraustausch in Deutschland.
Was motiviert Menschen, Gastfamilie zu werden?
Wer nimmt einen jungen Menschen aus dem Ausland bei sich auf – und was hält andere davon ab? Diesen Fragen geht die neue Gastfamilienstudie von Experiment e. V. nach. Gemeinsam mit Dr. Markus Gamper von der Universität zu Köln wurden dafür bundesweit 1.132 aktive und potenzielle Gastfamilien befragt.
Die Studie liefert eine breite Datengrundlage zu einem zentralen Baustein des internationalen Schüleraustauschs. Sie untersucht nicht nur die Erfahrungen bereits aktiver Gastfamilien, sondern stellt ihnen auch die Erwartungen und Sorgen von Menschen gegenüber, die sich eine Aufnahme grundsätzlich vorstellen können.
Dabei zeigt sich: Die Bereitschaft, Gastfamilie zu werden, ist grundsätzlich groß. Besonders wichtig sind den Befragten Begegnung, Perspektivwechsel, Toleranz und gegenseitiges Verständnis. Viele Herausforderungen, die potenzielle Gastfamilien erwarten, werden von aktiven Gastfamilien im Alltag zugleich als weniger belastend erlebt als zuvor angenommen.
Die Rahmenbedingungen entscheiden mit
Ob aus grundsätzlichem Interesse tatsächlich die Aufnahme eines Gastkindes wird, hängt stark von den jeweiligen Lebensbedingungen ab. Eine wichtige Rolle spielen ausreichender Wohnraum und ein verfügbares Zimmer, die finanzielle Situation sowie Kinder im eigenen Haushalt.
Zugleich macht die Studie Unterschiede bei der Beteiligung sichtbar. Familien mit Migrationsgeschichte, Haushalte mit geringerem Einkommen sowie Familien, deren Kinder keine gymnasiale Schule besuchen, sind unter den bisherigen Gastfamilien deutlich unterrepräsentiert.
Der Bildungsabschluss der Eltern oder eigene Auslandserfahrungen haben der Untersuchung zufolge dagegen keinen nachweisbaren Einfluss darauf, ob Menschen Gastfamilie werden.
Damit liefert die Gastfamilienstudie auch wichtige Hinweise für die Frage, wie gesellschaftliche Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit im internationalen Schüleraustausch gestärkt werden können.
Wie lassen sich neue Gastfamilien gewinnen?
Aus den Ergebnissen leitet die Studie konkrete Empfehlungen für Austauschorganisationen und andere Akteur:innen im internationalen Jugendaustausch ab. Dazu gehören insbesondere:
- verständliche und realistische Informationen über den Alltag als Gastfamilie,
- persönliche Beratung und Erfahrungsberichte bereits aktiver Gastfamilien,
- eine verlässliche Begleitung bei Fragen und Schwierigkeiten,
- Unterstützung bei administrativen Aufgaben,
- transparente finanzielle Zuschüsse zur Abfederung zusätzlicher Kosten,
- flexiblere Lösungen, wenn nur begrenzter Wohnraum vorhanden ist,
- eine gezieltere Ansprache bislang wenig erreichter gesellschaftlicher Gruppen und unterschiedlicher Schulformen,
- mehr öffentliche Anerkennung für das Engagement von Gastfamilien.
Eine zentrale Erkenntnis der Studie lautet: Häufig fehlt es weniger an Offenheit gegenüber internationalem Austausch als an passenden Rahmenbedingungen und an der Sicherheit, bei Fragen oder Problemen Unterstützung zu erhalten.
Für Organisationen bedeutet das auch, unterschiedliche Lebensrealitäten von Gastfamilien stärker sichtbar zu machen und traditionelle Vorstellungen davon zu erweitern, wer eine Gastfamilie sein kann.
Warum ist die Studie für die Praxis interessant?
Die Gastfamilienstudie bietet wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse für alle, die Gastfamilien gewinnen und begleiten oder internationale Austauschprogramme weiterentwickeln.
Besonders relevant ist sie für Austauschorganisationen, Schulen, Fachkräfte im internationalen Jugendaustausch sowie für Bildungspolitik und Verwaltung. Die Ergebnisse zeigen Ansatzpunkte dafür, wie der Zugang zum Schüleraustausch verbreitert und bisher unterrepräsentierte Gruppen besser erreicht werden können.
Damit verbindet die Publikation empirische Erkenntnisse mit konkreten Impulsen für eine vielfältigere und zugänglichere Austauschpraxis.