Kooperationen für Schulpartnerschaften

Wie gelingt die Zusammenarbeit mit externen Partnern?
Kooperationsmöglichkeiten- und Projekte

Der Eine-Welt-Laden im Stadtteil, der Gartenverein in der Gemeinde, eine engagierte Kommunalbehörde, lokale Unternehmen oder die bildungspolitisch engagierte NGO in der Nachbarstadt – das sind nur ein paar Beispiele für externe Partner, die Schulpartnerschaften unterstützen und stärken können.

Sogenannte schulexterne Kooperationen haben viele Gesichter und sind so individuell wie jede Schulpartnerschaft. Besonders häufig begleiten Nicht-Regierungsorganisationen (NROs) Schulen in internationalen Austauschen. Aber auch kommunale Partnerschaften oder übergreifende Netzwerke sind typische schulexterne Partner auf dem Weg zur internationalisierten Schule.

Im folgenden Kapitel wird verdeutlicht, welche Vorteile eine schulexterne Kooperation[1] für eine Schulpartnerschaft haben kann, welche Schritte beim Aufbau wichtig sind, wie und wo man einen geeigneten Partner findet und was wichtige Erfolgsfaktoren für eine gelungene langfristige Zusammenarbeit sind.

1. Vorteile und Notwendigkeit einer Kooperation

Die Arbeit auf vielen Schultern verteilen

Im Schulalltag sind für Lehrkräfte, die sich für eine internationale Schulpartnerschaft an ihrer Schule engagieren, oft nicht genug Ressourcen eingeplant. Deshalb funktionieren Schulpartnerschaften häufig nicht ohne großes ehrenamtliches Engagement. Auch wenn der Aufbau einer externen Kooperation anfänglich mehr Zeit- und Arbeitsaufwand bedeutet, können so langfristig Aufgaben und Verantwortung auf vielen Schultern verteilt werden.

Qualität durch Expertise steigern

Oftmals haben schulexterne Partner Expertise auf einem bestimmten Gebiet, die die Partnerschaftsarbeit bereichern und deren Qualität steigern kann. Dabei kann die thematische Expertise von Akteuren der außerschulischen Bildungsarbeit die Perspektive der Teilnehmenden auf die Partnerschaft um einen globalen oder historischen Kontext erweitern. Für (noch) unerfahrene Lehrkräfte, Schüler*innen und deren Eltern kann die regionale Expertise über das jeweilige Partnerland von großem Vorteil sein. Durch die Einbindung in die Partnerschaft können beispielsweise NRO-Vertreter*innen durch eigene Erfahrungen Sicherheit vermitteln und im Konfliktfall unterstützen. Außerdem sind Mitarbeitende externer Kooperationspartner häufig geschult in Projektplanung, Öffentlichkeitsarbeit und der Beantragung und Abrechnung von Fördergeldern.

Motivation und nachhaltige Verankerung fördern

Schulpartnerschaften im Aufbau sind oft abhängig von der Motivation und den Kapazitäten Einzelner oder einer kleinen Gruppe von Lehrkräften. Doch diese können schnell durch veränderte familiäre Umstände, gesundheitliche Aspekte und weitere Faktoren ungewollt beeinträchtigt werden. Durch eine breite Aufstellung der Partnerschaft im eigenen Kollegium und der Beteiligung externer Kräfte wird die Schulpartnerschaft unabhängiger und nachhaltiger verankert.

Für viele NRO-Vertretende ist das Engagement für die Schulpartnerschaft ein persönliches Anliegen. Deren Begeisterung für das jeweilige Partnerland basiert häufig auf persönlichen Bindungen. Diese Hingabe übertragen die Kooperationspartner auf alle Beteiligten und machen die Lebensrealität, gesellschaftliche Besonderheiten und Gemeinsamkeiten greifbarer. Insbesondere in Zeiten, in denen keine Begegnungsreisen durchgeführt werden können, helfen externe Kooperationen, das Interesse an der Partnerschaft aktiv zu halten. Beispiele sind Veranstaltungen zu Themen im Partnerland oder Gespräche mit Referierenden mit biografischen Bezügen zum Partnerland.

Netzwerk- und Lobbyarbeit

Die Einbindung externer Partner ermöglicht den Schulen Zugang zu weiteren hilfreichen Netzwerken, die die internationale Schulpartnerschaft über die Schule hinaus sichtbarer machen und dadurch helfen, weitere potenzielle Unterstützende zu gewinnen.

Globales Lernen im Schulalltag stärken

Globales Lernen spielt im Schulalltag häufig noch keine zentrale Rolle. Unterrichtsstruktur und Curriculum lassen mitunter zu wenig Raum für zusätzliche Ideen und Methoden. Die langfristige Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern, beispielsweise Akteuren der (entwicklungs-) politischen Bildungsarbeit, kann Globales Lernen in der Schule stärker verankern. Der schulexterne Blick kann zudem eine Reflektion der Schulpartnerschaft ermöglichen.

Internationale Zusammenarbeit im Schulumfeld stärken

Schulpartnerschaften können der Ausgangspunkt für internationale Zusammenarbeit im lokalen Umfeld sein. Indem weitere zivilgesellschaftliche Akteure eingebunden werden, weiten sich die positiven Effekte des internationalen Austauschs an den Schulen auf weitere Personengruppen aus. Die Kooperationen auf verschiedenen Ebenen, beispielsweise Schulpartnerschaft, Kommunalpartnerschaft und NGO mit Pendant im Partnerland, können ineinander verzahnt Synergien erzeugen. So können bestimmte Fähigkeiten mit eingebracht oder auch das Netzwerke der Kooperationspartner genutzt werden, von dem alle Beteiligten Kenntnisse erlangen und voneinander profitieren.[2]

Aus der Schule in die Welt

Neben der Multiplikation der positiven Effekte einer internationalen Erfahrung im schulischen Kontext, bieten externe Kooperationspartner, wie beispielsweise NROs oder Unternehmen, Möglichkeiten für beteiligte Schüler*innen, ihr Engagement auch nach Ende ihrer Schulzeit weiterzuführen.

Die Partnerschule im Ausland unterstützen

Oft wird unterschätzt, dass eine Zusammenarbeit auch für die Partnerschule im Ausland mit vielen Hürden einhergeht. Außerschulische Partner können die Partnerschulen vor Ort unterstützen und dortige Schüler*innen und Lehrkräfte entlasten. Dabei spielen praktische Belange, wie beispielsweise die Beschaffung von Visa oder die Organisation von Übernachtungen während eines Austausches eine Rolle.  

Außerdem ermöglicht die Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern im Ausland, die Partnerschule bei der Bearbeitung von gemeinsamen Themen und dem Erwerb von Kompetenzen zu stärken. Damit kann die partnerschaftliche Zusammenarbeit insbesondere mit Schulen im Globalen Süden gestärkt werden.[3]

2. Vorbereitung innerhalb der Schule – der Blick nach innen

Die Vorteile einer externen Kooperation sind vielfältig und können eine Schulpartnerschaft auf verschiedene Weise stärken. Bevor sich Verantwortliche von Schulpartnerschaften auf die Suche nach Unterstützung von außen begeben, muss der Blick nach innen gerichtet werden, um eine klare Vision der Schulpartnerschaft zu entwickeln. Eine intensive Auseinandersetzung zu Zielen, Dimension und Prinzipien der Schulpartnerschaft mit allen relevanten schulinternen Stakeholdern zahlt sich aus. Eine solche gewissenhafte Vorbereitung erspart viel Frust und Konflikte bei der konkreten Ausgestaltung von Kooperationen und stärkt den Teamgeist der Beteiligten.

Zentrale Frage beim Blick nach innen sollte sein: Welchen Mehrwert bringt eine Kooperation konkret für die Internationalisierung unserer Schule? Anhaltspunkte und Inspiration hierfür können sein:

  • Leitlinien und Profilierung der Schule
  • Anschlussfähigkeit zum Unterricht
  • Vernetzung mit dem Umfeld der Schule
  • Umsetzung der Ziele für Nachhaltige Entwicklung

Eine eigene Vision und Leitplanken zu erschaffen, hilft die richtigen Partner auszuwählen.

3. Im Kooperations-Kontinuum verorten – der Status Quo der Schule

Um logische nächste Schritte bei der Suche nach Kooperationspartnern für die Schulpartnerschaft zu beschließen, sollte als Erstes klar sein: Wo steht die Schule aktuell?

Um diese Frage für die eigene Schulpartnerschaft zu klären, hilft eine Einordnung in das Kooperationskontinuum. Das folgende Stufenmodell verdeutlicht unterschiedliche Grade von Internationalisierung einer Schule mit Fokus auf externe Kooperationen. Aufbauend auf diesem Stufenmodell kann eine Planung für die mittel- oder langfristige Entwicklung der Schulpartnerschaft entstehen, damit auch bei kurzen „Durststrecken“ die Vision einer internationalisierten Schule nicht aus den Augen gerät.

Internationalisierung der Schule durch Kooperationen

  • Schule ohne bestehende Kooperation im Kontext der Internationalisierung: 
    Die Schule bindet keine externe Unterstützung in ihr Internationalisierungsvorhaben ein.
  • Schule mit einzelnen, eher unverbindlichen Kooperationen: 
    Für einzelne Aktionen wurden externe Partner eingebunden, z.B. Gestaltung eines Projekttages, technische Unterstützung, Visa-Beratung, Hilfe bei Spendenaktionen, Anfrage des Fördervereins zur finanziellen Unterstützung. Die Kooperation basiert auf Motivation und Kontakt einzelner in der Schulpartnerschaft.
  • Schule mit verankerten Kooperationsformen: 
    Kooperationen sind schriftlich festgeschrieben. Es gibt eine Vereinbarung zwischen der Schule und dem Partner über die Rahmenbedingungen, Umfang und Verantwortlichkeiten der Kooperation. Ein Austausch findet regulär statt unabhängig von einzelnen Personen (Verantwortung ist übertragbar). Die Kooperation wird transparent nach außen kommuniziert, Interessierte können sich einbringen.
  • Internationalisierte Schule: 
    Schulpartnerschaft ist fächerübergreifend verankert. Die Partnerschaftsarbeit ist in die UN-SDGs eingebettet und das Engagement für die Agenda 2030 geht über Unterricht hinaus. Der ganzheitliche Ansatz der Schulpartnerschaft bindet aktiv das Schulumfeld auf verschiedenen Ebenen in die Schulpartnerschaft ein und erzeugt somit Synergien zwischen den verschiedenen Kooperationen. Beispiel: UNESCO Projektschule (Eine-Welt-Schule)

4. Der genaue Blick ins Umfeld der Schule – die Umfeldanalyse

Sind Vision und Status Quo der aktuell bestehenden Schulpartnerschaft klar, können Verantwortliche mit der konkreten Suche nach geeigneten Kooperationen beginnen. Auch hierbei ist ein schrittweises Vorgehen empfehlenswert. Folgende vier Aspekte sollten analysiert werden und können sich als hilfreich bei der Suche erweisen:

1. Kann unsere Schule auf bestehende Kooperationen aufbauen?

Viele Schulen, die sich für internationale Kooperationen interessieren, haben bereits Erfahrung mit Kooperationen. Indem neue Kooperationsprojekte sinnvoll mit bestehenden Projekten verknüpft werden, kann auf Gelerntes aufgebaut werden. Bereits aktive Kolleginnen und Kollegen werden leichter gewonnen und es kann gemeinsam bessere Überzeugungsarbeit geleistet werden. Außerdem wird Konkurrenz im Engagement für die Schule vorgebeugt.

2. Befindet sich unsere Schule durch ihr Umfeld schon in Netzwerken, die bei Internationalisierung unterstützen können?

Beispiele sind hier schon bestehende kommunale Partnerschaften, von denen die Schule möglicherweise bisher noch gar nichts weiß. Aber auch NRO-Landesnetzwerke, aktive Eltern, Schulfördervereine sollten in Betracht gezogen werden. Das Schulumfeld sollte genau beleuchtet werden.
Weiterführend: Datenbanken kommunaler Partnerschaften von RGRE und SKEW

3. Partner finden: Gestaltung der Auswahl

Wenn sich aus der vorangegangenen Betrachtung noch kein Kooperationsprojekt ergeben hat oder die Verantwortlichen feststellen, dass auf Bestehendem nicht aufgebaut werden kann bzw. soll, dann gestaltet sich die Auswahl offener. Das verschafft der auswählenden Seite eine größere Freiheit entlang ihrer spezifischen Interessen und ihrer Vision Partner zu suchen. Jedoch muss dieser Auswahlprozess sehr bewusst mit einer machtkritischen Perspektive geschehen. Dabei sind folgende Fragen wichtig:

➢ Wer wählt wen aus? Wer wird ausgewählt?
➢ Wer hat Zugang zu Netzwerken? Wer kann mit wem in Kontakt treten?
➢ Wer übernimmt die Beziehungspflege mit dem Kooperationspartner?

4. Mapping von potenziellen Kooperationspartnern

Die Suche nach externen Unterstützern der Schulpartnerschaft bedarf eines weiten Blickes.
Hierfür kann die Liste Mapping potenzielle Kooperationspartner (siehe rechte Spalte) als Unterstützung dienen.

Bei der Suche nach Kooperationen sollte auch die Frage eine Rolle spielen, was die Motivation des Partners ist, die Internationalisierung der Schule zu unterstützen. Werden Gegenleistungen erwartet? Ist das vereinbar mit dem Leitbild der Schule, des Trägers, u.a.? Diese Erwartungen müssen explizit abgesprochen werden, um spätere Konflikte zu vermeiden.

5. Kooperationen langfristig verankern

Was braucht es, um eine schulexterne Kooperation langfristig aufrecht zu erhalten, damit sie als Erfolgsfaktor zu einer lebendigen und langfristigen Schulpartnerschaft beitragen kann? Die Antworten auf diese Frage sind sehr individuell und grundsätzlich auf jede Art von guter Partnerschaft auf Augenhöhe übertragbar. Auch eine schulexterne Kooperation braucht Zeit, um zu wachsen und ein Fundament von gemeinsamen Erfahrungen, um gegenseitiges Vertrauen zu aufzubauen.

Rollen und Verantwortlichkeiten klären

Die Beteiligten sollten selbstkritisch erörtern, wer sich im Team an welcher Stelle einbringt und Aufgaben (verbindlich) übernehmen kann. Dafür muss offen über Stärken und Schwächen kommuniziert werden können. Ist die Rollenverteilung klar und Verantwortlichkeiten logisch und transparent verteilt, kann der Arbeitsaufwand auf viele Schultern verteilt werden.

Auch wenn die intensive Einbindung insbesondere von NROs mit regionaler oder thematischer Expertise von Vorteil ist, sollte beachtet werden, dass sich beide Seiten gleichermaßen einbringen. Wenn eine Schulpartnerschaft vornehmlich von einer schulexternen NRO mit Leben gefüllt wird, gefährdet dies das Ziel der langfristigen Verankerung. Zieht sich die Schule zu weit raus, kann der Wegfall der NRO das Ende der Schulpartnerschaft bedeuten.

Die Kooperation zelebrieren

Gemeinsame Events und eine kombinierte Öffentlichkeitsarbeit stärken nicht nur die Strahlkraft der Partnerschaft in das Schulumfeld. Indem die Zusammenarbeit der Partner von Zeit zu Zeit in den Mittelpunkt gestellt wird, kann eine motivierende Anerkennungskultur etabliert werden. Das gilt gleichermaßen für eine ehrliche Wertschätzung innerhalb des Lehrer*innenkollegiums, sowie der Schulpartnerschaft im Ganzen.

Partnerschaftliche Zusammenarbeit

Eine schulexterne Kooperation zu formalisieren, beispielsweise durch ein Memorandum of Understanding, ist eine gute Option, gemeinsam Erwartungen und Verantwortlichkeiten abzustecken. Doch die Vereinbarungen über eine Begegnung auf Augenhöhe muss gelebt und geübt werden. Dabei sind die Etablierung einer guten Konfliktkultur, Zuverlässigkeit, Geduld und die Möglichkeit einer kritischen Evaluation essenziell.[4]

Fazit

Erfolgreiche externe Kooperationen können der Anfang einer Schulpartnerschaft sein oder erst später einbezogen werden. Sie spielen in jeder Schulform, ob Berufsschule, Abendschule oder Gymnasium eine Rolle und sind nicht abhängig von der Region der Partnerschule. Jede Schulpartnerschaft ist individuell und was einmal funktionierte, muss nicht der Goldene Weg für andere sein. Dennoch ist es hilfreich aus den Erfahrungen anderer zu lernen. Die verschiedenen Beispiele guter Praxis sollen als Inspirationen dienen und zeigen, wie die Einbindung schulexterner Kooperationen gelingen kann.
 


Fußnoten

[1] Für allgemeine Informationen zu externen Kooperationen im Kontext Schule, siehe auch:
Bludau, Marie (2020). Gemeinsam für Zukunftsfähigkeit. Formen und Bedingungen von Kooperationen zwischen Schulen und dem gesellschaftlichen Umfeld im Sinne des Whole School Approach. Engagement Global.

[2] siehe auch Best Practice Beispiele.

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Susann
Heidecke