Gelingende Zusammenarbeit von Schule und Jugendarbeit

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Vorteile für beide Systeme - damit Kinder und Jugendliche gewinnen
Beruflicher Austausch

Schule und Jugendarbeit konkurrieren heute mehr denn je um die verfügbare Zeit junger Menschen. Nichts wäre naheliegender, als dass beide zusammenarbeiten und jungen Menschen gemeinsam internationale Erfahrungen eröffnen. Schulisch-außerschulische Kooperation steigert die Angebotsvielfalt einer Schule und ist ein Schlüssel, um Schüler- und Jugendaustausch in die Breite zu tragen. Doch noch sind zahlreiche Hürden zu nehmen.

Bildung ist mehr als Schule

Wie bei anderen Aspekten von Bildung kann auch das internationale Lernen nicht allein Aufgabe nur eines Bildungssegments sein:

„Bildung ist mehr als Schule. Bildung ist der umfassende Prozess der Entwicklung und Entfaltung derjenigen Fähigkeiten, die Menschen in die Lage versetzen, zu lernen, Leistungspotenziale zu entwickeln, zu handeln, Probleme zu lösen und Beziehungen zu gestalten. Junge Menschen in diesem Sinne zu bilden, ist nicht allein Aufgabe der Schule. Gelingende Lebensführung und soziale Integration bauen ebenso auf Bildungsprozesse in Familien, Kindertageseinrichtungen, Jugendarbeit und der beruflichen Bildung auf. Auch wenn der Institution Schule ein zentraler Stellenwert zukommt, reicht Bildung jedoch weit über Schule hinaus.“1

Sowohl Schule als auch Jugendarbeit müssen dazu beitragen, Kindern und Jugendlichen in Deutschland ein chancengleiches Aufwachsen zu gewährleisten. Dazu gehört auch, ihnen Zugang zu internationalen Lernerfahrungen zu ermöglichen und interkulturelle Kompetenz zu verschaffen.

Und gleichzeitig müssen beide System zusammenarbeiten, um möglichst viele Kinder und Jugendliche zu erreichen. Denn internationale Bildung sollte nicht davon abhängen, welche Schule ein junger Mensch besucht, welchen Bildungshintergrund die Familie hat oder welche finanziellen Voraussetzungen ein Mensch mitbringt. In vielen Fällen fehlt es auch schlicht an Informationen über passende und erreichbare Angebote.

Die Zugangsstudie gewinnt u.a. die Erkenntnis, dass Angebote zum internationalen Austausch häufig deshalb nicht wahrgenommen werden, weil sie sich nicht passgenau in die biografische Situation junger Menschen einfügen, oder weil Schülerinnen und Schüler nicht von den für sie passenden Möglichkeiten wissen, Auslandserfahrungen zu sammeln.

Kooperation gelingt bereits

Wenn Schule und Jugendarbeit heute um die verfügbare Zeit junger Menschen konkurrieren, wäre nichts naheliegender, als dass beide Systeme zusammenarbeiten und junge Menschen gemeinsam ansprechen, um internationale Erfahrungen zu eröffnen.

Diese Zusammenarbeit gelingt in vielen Kommunen bereits in lokalen Projekten. Hier entwickelte sich – nicht zuletzt im Zuge der Ganztagsbetreuung – ein großes Bewusstsein für funktionierende Bildungslandschaften. Analog zu Kooperationsangeboten der kulturellen Bildung oder des Sports, die im Rahmen von Ganztagsschulvereinbarungen am Lernort Schule stattfinden, können auch grenzüberschreitende Austauschprojekte ein geeigneter Rahmen sein, mit außerschulischen Partnern zusammenzuarbeiten. Letztlich lassen sich diese Formate auch verbinden, bspw. bei einem grenzüberschreitenden Theaterprojekt.

(Hier finden Sie eine Übersicht über Literatur zur Zusammenarbeit von Schule und Jugendarbeit auch und vor allem im nicht-internationalen Umfeld.)

Unterschiede in den Bundesländern

Die Bedingungen für schulisch-außerschulische Kooperationen unterscheiden sich aber von Bundesland zu Bundesland. In den meisten Bundesländern sehen die Schul- und Jugendbildungsgesetze bzw. deren Durchführungsbestimmungen eine Kooperation von Schulen mit außerschulischen Partnern ausdrücklich vor. Mitunter liegt die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern auch in der Autonomie der Schulen und wird daher nicht gesondert erwähnt.

Dennoch gibt es entscheidende Hürden in der schulisch-außerschulischen Kooperation:

• Für die Kooperation in den Bundesländern gelten unterschiedliche rechtliche Rahmenbedingungen. Eine Beratung durch bundesweit tätige Organisationen und Fachstellen ist daher nicht ganz ausreichend. Beratung muss immer auch auf Ebene des jew. Bundeslandes erfolgen.

• Die Bundesländer haben ein Interesse an der Kooperation, stellen aber nicht immer ausreichend finanzielle Ressourcen zur Verfügung.

• Fördermöglichkeiten durch Dritte stehen entweder unzureichend zur Verfügung oder sind zu wenig bekannt.

Die bundesweit tätigen Fach- und Förderstellen für internationale Jugendarbeit unterstützen die Vorbereitung und Durchführung von Kooperationsprojekten zwischen Schule und Jugendarbeit durch besondere Förderprogramme oder Qualifizierungsmaßnahmen. Auch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend regt Akteure dazu an, indem es schulisch-außerschulische Modellprojekte fördert.

(Hier finden Sie eine Übersicht über [Förder-]Bedingungen von Schul- und Schüleraustausch sowie der Kooperation von Schule und Jugendarbeit in den einzelnen Bundesländern.)

Bundesländer müssen Kooperation anregen

Aufgrund der föderalen Zuständigkeiten für Schule und Jugendarbeit liegen die entscheidenden Stellen für eine flächendeckende Anregung von Kooperationsprojekten jedoch in den Bundesländern. Nur hier können Aktivitäten von Schule und Jugendarbeit finanziert werden. Oft liegt jedoch kein besonderer Schwerpunkt auf internationalen Projekten, oder nur auf ausgewählten Partnerregionen im Ausland.

Auch bei der Abstimmung auf Ebene der Kultus- und Jugendministerien werden nicht immer alle Möglichkeiten genutzt, eine Zusammenarbeit für Schule und Jugendarbeit so zu gestalten, dass eine Kooperation wünschenswert erscheint.

Schulen sollten dazu ermuntert werden, ihr Profil durch eine Kooperation zu erweitern. Zudem haben Jugendarbeit und Schule häufig ein unklares Bild vom jeweils anderen System oder ihnen fehlt der Zugang zu Ansprechpartnern. Vermittelnde Instanzen an den Schul- oder Jugendämtern könnten hier
unterstützen. Dabei können alle Seiten durch eine gelungene Kooperation gestärkt werden.

Gewinn für beide Seiten

Von der Unterstützung durch außerschulische Träger können Schulen profitieren:

  • Das Methoden- und Inhaltsspektrum der Jugendarbeit ergänzt und bereichert den regulären Unterricht.
  • In der Kooperation mit Trägern der internationalen Jugendarbeit können Schulen auf bestehende und qualifizierte Angebote zurückgreifen.
  • Das Schulprofil kann durch neue Mobilitätsangebote positiv entwickelt und das Bildungsangebot der Schule attraktiver werden.

Und umgekehrt gilt: Auch Internationale Jugendarbeit gewinnt bei einer Kooperation:

  • Sie kann ihre Angebote in die Breite tragen.
  • Sie kann sich inhaltlich weiterentwickeln, erhält Impulse für die pädagogische Praxis.

Letztlich gewinnen natürlich auch und vor allem Kinder und Jugendliche:

  • Neue Lernerfahrungen, durch Methoden und Lernerfahrungen, die sich auf ihre Lebenswelt beziehen.
  • Persönlichkeitsentwicklung durch die Erfahrung, etwas auszuprobieren, Grenzen zu entdecken und selbständig etwas zu entwickeln
  • Soziale Kompetenz, durch die Auseinandersetzung mit Anderen, durch Interaktion, Solidarität und Gemeinschaft

Stolpersteine beachten

Zusammenarbeit gelingt jedoch nicht reibungslos. Zu berücksichtigen sind die speziellen Rahmenbedingungen und Strukturen, unter denen die beiden sehr unterschiedlichen Systeme Schule und Jugendarbeit funktionieren. Diese Unterschiede können zu Stolpersteinen werden, die eine gelungene Kooperation möglicherweise bereits in der Entstehungsphase verhindern.

Schulisch-außerschulische Kooperationen gelingen dann, wenn alle Akteure bereit sind, grenzüberschreitenden Austausch als gemeinsamen Bildungsauftrag zu verstehen und gemeinsam zu gestalten.

Schule und außerschulische Partner ermöglichen in einem Kooperationsprojekt die Verknüpfung von formalem, non-formalem und informellem Lernen
und können in einem breiten Ansatz von Bildung durch die Verbindung von sozialem, schulischem und emotionalem Lernen die optimale Entwicklung
und Entfaltung junger Menschen fördern.2

Literatur

 

Hier finden Sie eine Übersicht über Literatur zur Zusammenarbeit von Schule und Jugendarbeit auch und vor allem im nicht-internationalen Umfeld.

Im Text direkt verwendet wurden insbesondere:
1) Bundesjugendkuratorium u.a. 2002: Bildung ist mehr als Schule. Leipziger Thesen zur aktuellen bildungspolitischen Debatte. Gemeinsame Erklärung des Bundesjugendkuratoriums, der Sachverständigenkommission für den Elften Kinder- und Jugendbericht und der Arbeitsgemeinschaft für Jugendhilfe. Berlin/Bonn/Leipzig 2002

2) vgl. Landesjugendring Baden-Württemberg (Hrsg.) (2010): Jugendarbeit trifft Schule. Arbeitshilfe zur Kooperation. Kompl. überarb. u. erg. Neuauflage, Stuttgart, S. 22ff.

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