Was ist guter Austausch?

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Verständnis und Qualität von Maßnahmen des internationalen Schüleraustauschs
Schülerinnen

Internationaler Schüleraustausch ist ein besonderes Bildungsangebot mit klar definierten Zielen. »Austausch macht Schule« versteht darunter diejenigen Aktivitäten, die Klassen bzw. Gruppen in Verantwortung der Schule durchführen, aber auch die Programme des individuellen, längerfristigen Schüleraustausches.

Austausch ist ein ganz besonderes Bildungsangebot.

Internationaler Schüleraustausch ist keine beliebige Form der Begegnung zwischen Jugendlichen aus unterschiedlichen Ländern. Der Begriff bezeichnet Maßnahmen,

  • die ein vorab festgelegtes Bildungsziel verfolgen und pädagogisch begleitet werden,
  • in deren Zentrum die unmittelbare Begegnung und Interaktion von Schülerinnen und Schülern steht, die ihren Lebensmittelpunkt in jeweils unterschiedlichen Ländern haben, und
  • entweder im Rahmen der Schule oder von Programmen der Träger des internationalen Schüleraustausches (z.B. für individuelle Auslandsaufenthalte) stattfinden.

Internationaler Schüleraustausch verfolgt bestimmte Ziele.

Schüleraustausch zielt als Bildungsmaßnahme

  1. auf Kompetenzerwerb. In erster Linie werden die interkulturelle Kompetenz gestärkt und sprachliche Fähigkeiten gefördert. Internationaler Austausch kann aber auch zur Vermittlung weiterer Bildungsinhalte beitragen.
  2. auf ein friedliches Miteinander über Ländergrenzen hinweg. Er fördert das gegenseitige Verständnis und ermöglicht den Teilnehmenden, die kulturelle Vielfalt dieser Welt kennen und schätzen zu lernen.
  3. auf die Vermittlung von Werten. Hierzu zählen insbesondere die Achtung kultureller Unterschiede und die Wahrung der Menschenrechte.
  4. auf die Motivation von Schülerinnen und Schülern zur demokratischen Mitgestaltung ihrer Zukunft in einer globalisierten Gesellschaft.

Es gibt Kriterien für guten Schüleraustausch.

1. Partnerschaftlichkeit herstellen

 

Internationale Begegnungen müssen den Interessen und Bedürfnissen aller institutionellen Austauschpartner entsprechen. Die Beteiligten stehen in einem gleichberechtigten, partnerschaftlichen Verhältnis zueinander. Die Schulen und Organisationen stimmen Ziele und Programm des Austausches, seine Finanzierung und die Auswahl der Teilnehmenden untereinander ab.

2. Offenen Zugang und angemessene Vorbereitung der Teilnehmenden sicherstellen

 

Die Anforderungen und Ziele der internationalen Begegnung passen zur Zusammensetzung der Gruppe und zur Auswahl der Teilnehmenden. Die Programmangebote sind so gestaltet, dass möglichst geringe Zugangsbeschränkungen für potentiell Teilnehmende entstehen. Schülerinnen und Schüler werden in angemessener Weise auf den Austausch vorbereitet.

3. Sicherheit gewährleisten

 

Die Sicherheit der Teilnehmenden während der Begegnung ist gewährleistet. Die Träger des Austausches haben ein Schutzkonzept zur Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt.

4. Partizipativ(es) Programm entwickeln

 

Der Schüleraustausch bietet Raum, Möglichkeiten und Anregung zur Beschäftigung mit dem Partnerland und den Partnern. Das Programm dient der Verständigung, der Erfahrung von Selbstwirksamkeit und dem gemeinsamen Lernen.

Die Schülerinnen und Schüler sind aktiv in Planung und Durchführung der Maßnahme eingebunden. Führt die Schule den Schüleraustausch durch, sind die Vorbereitung der Teilnehmenden, die Planung der Maßnahme und das Thema der Begegnung in den (Fach-)Unterricht integriert.

5. Schülerinnen und Schüler im Ausland betreuen

 

Insbesondere bei längerfristigen, individuellen Auslandsaufenthalten ist eine Betreuung der einzelnen Schülerinnen und Schüler und ihrer Gastfamilien sicherzustellen. Gastfamilien, Schülerinnen und Schüler werden überwiegend von Ehrenamtlichen betreut, die individuelle Hilfestellung bei der Eingewöhnung oder bei Problemen während des Austauschprogramms geben und bei eventuellen Problemen des Zusammenlebens vermitteln.

Besonderer Wert wird bei der Betreuung auch auf eine gute Kooperation mit den aufnehmenden Schulen gelegt. In den Programmen des individuellen Schüleraustausches finden mehrtägige Vor- und Nachbereitungsseminare für alle Teilnehmenden statt, die einer spezifischen didaktischen Konzeption folgen.

6. Sprachliche Verständigung ermöglichen und fördern

 

Die Teilnehmenden können sich im Zielland und mit ihren Austauschpartnern verständigen. Die Begleitkräfte und Organisatoren fördern die sprachliche Verständigung der Teilnehmenden z. B. durch Methoden der Sprachanimation.

7. Qualifizierte Leitung einsetzen

 

Der Austausch wird von Begleitpersonen geleitet, deren Anzahl der Gruppengröße und deren Kompetenzen den inhaltlichen Anforderungen des Schüleraustausches angemessen sind. Die Leitungspersonen sind für ihre Aufgabe qualifiziert und bilden sich bei Bedarf im Rahmen der regulären Lehrkräftefortbildung entsprechend weiter.

8. Für ausreichende Finanzierung sorgen

 

Die Schule bzw. die Organisatoren des Schüleraustausches sorgen für eine ausreichende Finanzierung der Maßnahme und setzen die finanziellen Mittel verantwortungsbewusst ein. Die Teilnahmebeiträge nehmen auf die finanziellen Möglichkeiten der Teilnehmenden Rücksicht.

Die Träger der längerfristigen individuellen Austauschprogramme bieten eine große Bandbreite von Stipendien und weiteren Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung an, um allen Schülerinnen und Schülern, abhängig von deren finanziellen Verhältnissen, einen Auslandsaufenthalt zu ermöglichen.

9. Die Begegnung evaluieren und auf nachhaltige Wirkung hinarbeiten

 

Der Schüleraustausch wird zusammen mit den Teilnehmenden nachbereitet. Eine gemeinsame Auswertung mit der Partnerschule bzw. Partnerorganisation findet statt. Dabei stehen insbesondere Lernprozesse während des Austausches und der Kompetenzgewinn der Teilnehmenden im Fokus.

Die internationale Begegnung motiviert die Teilnehmenden, sich weiter mit dem Thema des Austausches, der Partnerschule und/oder dem Partnerland zu beschäftigen.

10. Gute schulische Rahmenbedingungen für den Austausch schaffen

 

Die Schule sieht den internationalen Austausch als ihre wichtige Aufgabe an und nutzt dessen Potential und Bildungswirkung für die Schul(profil)entwicklung. Die Schulleitung ermöglicht, unterstützt und würdigt das Engagement der beteiligten Lehrkräfte. Das Kollegium ermöglicht, unterstützt und würdigt die Teilnahme der Schülerinnen und Schüler am Austausch.

 

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