Veranstaltungsbericht

Herz, Hand und Kopf – Internationale Verständigung durch Schüler- und Jugendaustausch

Online-Länderkonferenz für politische Entscheidungsträger*innen, 16.11.2020
Herz, Hand und Kopf – Internationale Verständigung durch Schüler- und Jugendaustausch

Am 16. November 2020 luden »Austausch macht Schule« und YFU zur Online-Länderkonferenz „Herz, Hand und Kopf – Internationale Verständigung durch Schüler- und Jugendaustausch“ ein. An der Veranstaltung nahmen über 40 Abgeordnete und Vertreter*innen von Ministerien aus Bund und Ländern sowie der Fach- und Förderstellen für internationalen Austausch teil.

Internationaler Austausch als Grundlage für Globale Komptenzen

Sie diskutierten den Beitrag, den der internationale Schüler- und Jugendaustausch zur interkulturellen Bildung leisten kann. Man war sich einig, dass das Erlernen interkultureller Kompetenzen für die junge Generation muss heute zu einer Selbstverständlichkeit werden muss, um die großen Herausforderungen unserer Zeit – Migrationsbewegungen, der Klimawandel, ein erstarkter Populismus, die wachsende soziale Ungleichheit und nicht zuletzt Pandemien – durch internationale Kooperation zu lösen.

Knut Möller (YFU)

„Der Zielvorstellung der Bildungsgerechtigkeit kommt dabei eine besondere Rolle zu. Jede und jeder Jugendliche soll während der Ausbildung mindestens einmal im Ausland gewesen sein - und zwar im Rahmen eines pädagogisch wertvollen Programms,“ sagte YFU-Geschäftsführer Knut Möller zur Begrüßung.

In ihrer Videobotschaft an die Konferenzteilnehmenden betonte die rheinland-pfälzische Bildungsministerin und KMK-Präsidentin Dr. Stefanie Hubig:

Dr. Stefanie Hubig (BM RLP)

„Demokratie braucht Austausch – national und international, in Europa und in unserer vernetzten Welt. [...] Austausch braucht Strukturen und Rahmenbedingungen, und zwar in allen Schularten und für alle Schüler*innen. Hier haben wir großes Potential, den europäischen Austausch und die Bildungsgerechtigkeit zu stärken.“

In weiteren Grußworten betonten Juliane Seifert, Staatssekretärin im Bundesministerium für familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) sowie Tobias Bütow, Generalsekretär des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) für die Leitungen der Fach- und Förderstellen die Bedeutung des internationalen Austauschs für ein demokratisches, friedliches und respektvolles Miteinander sowie die Notwendigkeit, den persönliche Begegnungen sobald als möglich wieder aufzunehmen.

Im Mittelpunkt der Tagung standen zunächst die Erkenntnisse einer Sonderauswertung der PISA-Studie 2018 zu Globalen Kompetenzen als Schlüsselqualifikation, die Andreas Schleicher, Leiter des Direktorats Bildung der OECD, vorstellte.

Auf dieser Basis diskutierten im zweiten Teil Abgeordnete von Landesparlamenten und des Bundestages über aktuelle Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze, um Zugangshürden zu globaler Bildung weiter abzubauen und interkulturelle Austauschprogramme stärker als Bildungsinstrument einzusetzen. Dabei wurden verschiedene parlamentarische Initiative in einzelnen Landtagen vorgestellt und zentrale Gelingensbedingungen für Schüler- und Jugendaustausch genannt.

Ergebnisse in Kürze

  • Damit alle Jugendlichen die Gelegenheit haben, während der Schulzeit oder der Berufsausbildung eine Auslandserfahrung zu machen, muss Globale Bildung explizit als Ziel staatlichen Handelns formuliert werden.
  • Für die vielfältigen Austauschformate braucht es klare Zuständigkeiten. Nur so können bestehende Strukturen auch in einer Krise bewahrt und langfristig gesichert werden.
  • Um die Rahmenbedingungen internationaler Mobilitäten zu verbessern, braucht es die Zusammenarbeit der verschiedenen Ressorts von Bund und Ländern mit allen Akteuren im Bildungswesen.
  • Globale Kompetenzen werden am besten durch persönliche Erfahrungen erworben. Es gilt daher, globale Themen in Bildungsplänen sowie der Schulentwicklung zu verankern. Kultusministerien und die Schulaufsicht sollten den Schulen das Ziel vermitteln, allen jungen Menschen einen internationalen Austausch zu ermöglichen.
  • Trägerorganisationen der außerschulischen Jugendarbeit und Austausch-Experten sind bereit, Schulen bei der Internationalisierung der Bildung durch Austausch zu unterstützen, z.B. durch die Beratung zu (schulischen wie außerschulischen) Austauschmaßnahmen oder zur Finanzierung von Mobilitäten. Eine solche Kooperation von Jugendarbeit und Schule muss durch die Kultusverwaltungen gewünscht und gefördert werden.
  • Interkulturelle Bildung und für den Austausch relevante Themen müssen feste Bestandteile der Lehrerbildung sein – im Studium, im Referendariat und bei Fortbildungen. Das hilft Lehrkräften beim Umgang mit interkulturellen bzw. internationalen Themen und motiviert sie, Austauschprogramme zu organisieren.

Die Ergebnisse der Konferenz liegen nun in einer Dokumentation vor (siehe Download). Neben Auszügen aus Beiträgen einzelner Redner und Teilnehmender wird in einer Linksammlung wichtige Quellen sowie Beispiele für politische Initiativen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen in einzelnen Bundesländern verwiesen.

Veranstalter und Förderer

Die Konferenz wurde vom Deutschen Youth For Understanding Komitee e.V. (YFU) gemeinsam mit der Initiative »Austausch macht Schule« veranstaltet, durch die Robert Bosch Stiftung gefördert und vom Pädagogischen Austauschdienst des Sekretariats der Kultusministerkonferenz unterstützt.

Sie ist Teil einer Veranstaltungsreihe, die ihren Auftakt 2019 mit einer Informationsreise für Bildungspolitiker*innen nach Nizza fand und in den kommenden Jahren mit Unterstützung der Stiftung Mercator fortgesetzt werden wird.

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