Wozu gibt es das Austauschlabor – und was macht es besonders?

Nachgefragt bei
Damian Wnęk (DPJW)
Teilnehmende beim DPJW-Austauschlabor bei einer Übung

Seit inzwischen zehn Jahren lädt das Deutsch-Polnische Jugendwerk (DPJW) zum „Austauschlabor“ ein – einem Format für Lehrkräfte sowie Praktikerinnen und Praktiker im deutsch-polnischen Jugend- und Schulaustausch. 

Am 20. April 2026 findet das Austauschlabor in Danzig statt. Es versteht sich als Ort, an dem Menschen mit einer Leidenschaft für Bildung und internationale Zusammenarbeit zusammenkommen: um neue Ideen zu entwickeln, Methoden auszuprobieren, eigene Projekte weiterzudenken und sich mit anderen auszutauschen und zu vernetzen.

Wir haben bei Damian Wnęk vom Förderreferat schulischer Austausch des DPJW in Warschau nachgefragt, was das Besondere daran ist und was die Teilnehmenden erwartet.

Was war der ursprüngliche Impuls für das Austauschlabor – und warum braucht es dafür ein eigenes Format?

Damian Wnęk: Der Impuls kam vor inzwischen zehn Jahren klar aus der Praxis. Viele, die im deutsch-polnischen Austausch aktiv sind, haben ähnliche Fragen, aber es gab keinen Raum, sich dazu auszutauschen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Genau dafür ist das Austauschlabor da.

Es geht also weniger darum, fertige Antworten zu geben oder Wissen frontal zu vermitteln. Stattdessen arbeiten die Teilnehmenden gemeinsam an konkreten Fragestellungen. Sie bringen ihre Erfahrungen und Themen aus der Praxis ein – und daraus entstehen die Inhalte.

Deshalb auch der Begriff „Labor“: Man probiert Dinge aus, entwickelt sie weiter und schaut, wie sie in der Praxis funktionieren. Wir geben den Rahmen vor, aber wie er gefüllt wird, bleibt offen – das macht das Format so nah an der Praxis.

Mit welchen konkreten Fragen kommen denn die Teilnehmenden ins Austauschlabor?

Vor allem sind es inhaltliche Fragen, direkt aus der Praxis. Etwa: „Wie kann man Jugendliche dazu motivieren, an Austauschprojekten teilzunehmen?“ Es geht auch darum, wie Begegnungen so gestaltet werden können, dass sie für Jugendliche relevant sind. Das ist ja auch unabhängig vom deutsch-polnischen Kontext ein wichtiges Thema.

Die Fragen werden im Austauschlabor gemeinsam weiterentwickelt. So entstehen neue Methoden oder Ansätze, die wieder in die Praxis zurückfließen.

Was hat sich in den letzten Jahren verändert – welche Themen sind heute wichtiger als früher?

Michael Teffel als Workshopleiter beim DPJW Austauschlabor

Aktuell merken wir, dass sich viele damit beschäftigen, wie Austausch langfristig tragfähig bleibt – wie man stabile Partnerschaften aufbaut und Schulen aktiv für den internationalen Austausch gewinnt.

Gleichzeitig spielen gesellschaftliche Themen eine größere Rolle als früher: der Umgang mit Vielfalt, mit demokratischen Werten oder mit Unsicherheiten durch aktuelle Entwicklungen.

Das Austauschlabor ist dabei ein Raum, in dem wir diese Entwicklungen aufgreifen und gemeinsam anschauen.

Wie entsteht das Programm – und was erwartet die Teilnehmenden konkret?

Wir geben einen groben Rahmen vor und fragen Interessen ab. Die Teilnehmenden bringen dann das ein, was sie wirklich beschäftigt und für sie relevant ist. Das ist die Grundlage für die weitere Arbeit – und deshalb wird später ein direkter Transfer in die Praxis möglich. Gleichzeitig bleibt das Format bewusst offen: Auch wir als Veranstalter sind gespannt, welche Themen und Ansätze am Ende entstehen. 

In Danzig arbeiten wir außerdem verstärkt an methodischen Zugängen, etwa durch interaktive oder spielerische Ansätze, und an Themen wie Vielfalt, nachhaltige Entwicklung oder dem Umgang mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen.

Was macht die Erfahrung vor Ort besonders?

Entscheidend ist der direkte, persönliche Austausch und die gemeinsame Arbeit an konkreten Fragen – das ist online nicht möglich.

Die Teilnehmenden arbeiten gemeinsam an ihren Themen und gehen mit dem positiven Gefühl nach Hause, dass ihre Fragen wirklich bearbeitet wurden. Sie können diese Erfahrungen dann direkt in ihre Arbeit mit Jugendlichen übertragen.

Auch der Veranstaltungsort trägt dazu bei: Das Hevelianum – ein historisches Gelände in Danzig, das heute als Bildungs- und Wissenschaftszentrum auch von Schulen genutzt werden kann – ist kein klassisches Kongresshotel, sondern ein offener Raum, der neugierig macht, Austausch und gemeinsames Arbeiten fördert. 

An wen richtet sich das Austauschlabor – und wie sorgt ihr für neue Impulse?

Das Austauschlabor richtet sich bewusst an Personen, die bereits im Austausch aktiv sind und eigene Erfahrungen mitbringen. Es ist keine reine Vernetzungsveranstaltung – dafür gibt es andere Formate. Hier geht es darum, mit konkreten Fragen und Vorschlägen zu arbeiten.

Deshalb ist es wichtig, dass alle etwas einbringen können. Gleichzeitig achten wir darauf, neue Impulse einzubeziehen: Es nehmen nicht immer die gleichen Personen teil, sondern wir greifen aktuelle Perspektiven aus der Praxis auf und geben ihnen Raum. 

Die Nachfrage ist überraschend groß. Was sagt das über das Feld aus, und wann gibt es die nächste Gelegenheit?

Lehrkräfte diskutieren beim DPJW-Austauschlabor in einer Arbeitsgruppe

Ja, wirklich. Mich hat das selbst überrascht. Das Bedürfnis nach Austausch ist enorm. Das hat sich sehr konkret daran gezeigt, wie schnell die Plätze vergeben waren: auf der polnischen Seite im Stundenbereich – auf der deutschen Seite nur wenig später. Daran wird sehr deutlich, wie groß das Interesse an persönlichen Begegnungen zwischen Deutschland und Polen ist – gerade auch im schulischen Kontext.

Ich glaube, genau darin liegt die besondere Stärke solcher Formate: Die Impulse gehen direkt zurück in die Arbeit mit Jugendlichen. Die Erfahrungen bei solchen Anlässen werden weitergetragen. Da merkt man, dass das Miteinander und unsere Zusammenarbeit in Europa heute viel selbstverständlicher geworden sind als noch vor einigen Jahren.

Und für diejenigen, die nicht teilnehmen können, gibt es ein nächstes Mal: Das Austauschlabor findet abwechselnd in Deutschland und in Polen statt. Das nächste ist für das Frühjahr in Berlin geplant.

Vielen Dank.

Das Gespräch führte Bernd Böttcher.

Veröffentlicht am: 09.04.2026
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