Internationale Jugendarbeit stärkt junge Menschen in Armut

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Ein Fachtag und das aktuelle 'beyond'-Heft zeigen Wege zu mehr Teilhabe und Bildungsgerechtigkeit
Diskussion mit den Teilnehmenden Bruno Battista, Manuela Demel und Dominika Gökhová auf Podiumsdiskussion zu Jugendarmut und Internationaler Jugendarbeit, Moderation UIrike Werner, IJAB

Internationale Jugendarbeit kann für junge Menschen in schwierigen Lebenslagen ein entscheidender Wendepunkt sein. Das wurde bei einem Fachtag „Jugendarmut – Potenziale und Herausforderungen der Europäischen und Internationalen Jugendarbeit“ deutlich, zu dem IJAB – IJAB – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V. und JUGEND für Europa nach Bonn einluden.

Im Fokus stand die Frage, wie Kinder und Jugendliche, die von Armut betroffen sind, besser Zugang zu internationalen Austauschformaten erhalten können – und welche Wirkung diese Erfahrungen auf ihre persönliche Entwicklung haben.

Internationale Erfahrungen eröffnen neue Perspektiven

Beiträge aus Wissenschaft und Praxis machten deutlich: Armut schränkt nicht nur finanzielle Möglichkeiten ein, sondern auch Bildungs- und Teilhabechancen. Internationale Jugendarbeit kann hier gezielt ansetzen.

Erfahrungen aus Austauschprojekten zeigen:

  • Jugendliche gewinnen Selbstvertrauen und neue Perspektiven
  • sie erleben Zugehörigkeit und Wertschätzung
  • sie entwickeln Sprachkenntnisse und soziale Kompetenzen
  • sie engagieren sich anschließend stärker in ihrer Community

Internationale Begegnungen leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit und zur persönlichen Entwicklung junger Menschen.

Gerade schulischer Austausch bietet besondere Chancen für mehr Bildungsgerechtigkeit: Schulen erreichen alle jungen Menschen und können internationale Erfahrungen gezielt auch für diejenigen öffnen, die sonst kaum Zugang dazu hätten. Entscheidend ist, dass Schulen und Bildungsverwaltung darauf achten, bestehende Ungleichheiten aktiv auszugleichen und internationale Bildung als Teil schulischer Teilhabe systematisch zu verankern.

Unsichtbare Hürden überwinden

Ein zentrales Thema – sowohl im Fachtag als auch in der letzten Ausgabe von beyond – sind die oft unsichtbaren Barrieren für armutsbetroffene Jugendliche.

Denn entscheidend ist nicht nur die Finanzierung. Häufig verhindern andere Faktoren die Teilnahme:

  • Scham oder die Angst, „nicht dazuzugehören“
  • fehlende Ausstattung wie Kleidung oder Gepäck
  • organisatorische Hürden, etwa bei Anträgen oder Vorfinanzierung
  • familiäre Verpflichtungen oder fehlende Unterstützung

Diese Hürden bleiben oft unerkannt – haben aber großen Einfluss darauf, ob junge Menschen internationale Angebote überhaupt wahrnehmen.

Austausch als geschützter Raum für Entwicklung

Internationale Begegnungen schaffen für viele Jugendliche einen „Safe Space“. Hier können sie sich unabhängig von Herkunft oder finanziellen Möglichkeiten entfalten.

Fachkräfte berichten, dass Jugendliche während der Programme:

  • Vertrauen aufbauen und sich öffnen
  • neue Rollen ausprobieren
  • eigene Stärken entdecken

Diese Erfahrungen wirken oft langfristig – bis hin zu neuen Bildungs- und Berufswegen.

Was Teilhabe möglich macht

Der Fachtag machte deutlich: Damit Internationale Jugendarbeit inklusiver wird, braucht es gezielte Rahmenbedingungen.

Wichtige Ansatzpunkte sind:

  • individuelle Begleitung und Vertrauensaufbau
  • niedrigschwellige und flexible Angebote
  • finanzielle Unterstützung – auch für „kleine“ Bedarfe
  • klare, einfache Kommunikation
  • Beteiligung der Jugendlichen an Planung und Umsetzung

Entscheidend ist dabei die Haltung: Fachkräfte müssen strukturelle Ungleichheiten erkennen und aktiv daran arbeiten, Zugänge zu öffnen.

Weiterführende Impulse im beyond-Heft

Die Ausgabe 02/2025 von beyond stand unter dem Titel  „Armut erkennen, Chancen nutzen“ und vertieft diese Perspektiven. Hier werden diese Themen noch einmal vertieft und gezeigt, wie vielfältig die Herausforderungen – aber auch die Lösungsansätze – in der Internationalen Jugendarbeit sind:

  • Armut beeinflusst Teilhabe als strukturelle Realität.
  • Welche konkreten Hürden bestehen im Alltag junger Menschen?
  • Fachkräfte können durch Beziehungen, Begleitung und passende Formate Zugänge auch in diesen Situationen schaffen.
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