Berichte

Ein traumhaftes Projekt

Das deutsch-türkische Kunstprojekt "Museum der Träume" wurde letztes Jahr mit dem MIXED UP Preis International ausgezeichnet
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Das deutsch-türkische Kunstprojekt „Museum der Träume“ überzeugte letztes Jahr die Jury des Wettbewerbs Mixed Up in der Kategorie International. Für das Projekt haben die Filmemacherin Angelika Levi, das Albert-Schweitzer-Gymnasium in Hürth und die Celal Toraman Anadolu Lisesi in Burhaniye zusammengearbeitet. Dabei ist eine gemeinsame Ausstellung aus bildender Kunst und Musik entstanden.

Ein Rückblick auf das Preisträgerprojekt – und eine Erinnerung daran, dass man sich auch in diesem Jahr bewerben kann - noch bis 15. Mai!  

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Die Beschäftigung mit den eigenen Träumen, jener der Austauschpartner*innen, der Mitschüler*innen und Passant*innen war nicht nur emotional herausfordernd, sondern auch zukunftsweisend. So zogen die Jugendlichen nach dem deutsch-türkischen Kunstprojekt ihre Fazits:

„Ich habe während der Ausstellung einen sehr interessanten Menschen kennengelernt und viel von ihm lernen können. Hier in Berlin habe ich erfahren, was mein Lebensziel sein könnte.“

„Ich habe gelernt, dass man immer seine Träume verfolgen sollte und versuchen sollte, sie in die Realität umzusetzen. Und man sollte nie aufhören zu träumen.“

Manche Träume wurden auch direkt in Pläne verwandelt:

„Ich habe mich entschlossen, zum Studium nach Deutschland zu kommen und hier zu leben.“

Ein Thema verbindet

Das Projekt entstand im Rahmen der langjährigen Schulpartnerschaft zwischen dem Albert-Schweitzer-Gymnasium in Hürth und dem Celal Toraman Anadolu Lisesi in Burhaniye, einer Kreisstadt an der türkischen Ägäisküste. „Jedes Jahr entwickeln wir eine neue Projektidee, um die Schüler/innen über die persönliche Begegnung miteinander hinaus in ihrer interkulturellen Kompetenz zu stärken und sie zur Teamarbeit in internationalen Zusammenhängen zu ermutigen“, erklärt Lehrer Ulrich Burow.

Für das Schuljahr 2016/17 stand das Thema „Träume“ im Mittelpunkt: „An der Schwelle zum Erwachsenwerden beschäftigen sich Jugendliche mit den Fragen der persönlichen Entwicklung, mit Ideen einer besseren Welt oder einfach mit Visionen der Zukunft. Diese Vielfalt von möglichen Träumen sollte den Rahmen bilden, um die Begegnung fruchtbar zu machen. Indem wir einen kreativen, affektiven Zugang mithilfe von Songs und selbst gestalteten Kunstwerken geschaffen haben, wurde der Austausch auch über Sprachbarrieren hinweg einfach“, erzählt der Lehrer.

Zusammenarbeit trotz Sprachbarrieren

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Doch das war noch nicht alles, hinzu kam eine eher soziologische Ebene: Die Schüler*innen führten Interviews mit Passant*innen – natürlich auch zum Thema Träume. Dies machte eine Erweiterung des Rahmens möglich, indem die Träume verschiedener Generationen in den Blick genommen werden konnten.

„Im Projekt habe ich erfahren, wie Lebensträume sich im Laufe eines Lebens verändern können und welche Vielfalt persönlicher Träume es gibt“, resümiert ein Schüler.

Die Ergebnisse ihrer Projektarbeit und des intensiven Austauschs über Träume wollten die Jugendlichen und ihre Lehrer*innen nicht nur für sich behalten. Sie sollten über die Grenzen des Klassenraums hinaus strahlen. So entstand die Idee, aus allen Bestandteilen eine Ausstellung zu kreieren. „Die Konzeption dieser Ausstellung erforderte die aktive Zusammenarbeit aller Teilnehmer/innen, trotz Sprachbarrieren“, so Ulrich Burow.

Gegenbesuch in eine Stadt voller Träume verlegt

Die erste Projektphase 2016 fand am Albert-Schweitzer-Gymnasium in Hürth statt. Der Gegenbesuch in Burhaniye musste aus politischen Gründen abgesagt werden. „Berlin als Ersatzort der zweiten Begegnung in Hürth erwies sich dabei als Glücksfall, ist doch diese Stadt durch seine Geschichte, aber auch durch die Vielfalt ihrer Bewohner eine Projektionsfläche für alle möglichen Träume“, schwärmt Ulrich Burow.

Seine Schüler*innen sahen das ähnlich, so meinte eine zum Beispiel: „Ich habe den Eindruck gewonnen, dass Berlin eine Stadt voller Träume ist, und ich habe eine Idee davon bekommen, wie ich meine eigenen Ziele erreichen kann. Ich habe viele neue Erfahrungen gemacht. Zunächst habe ich viel über die türkische Kultur gelernt. Zweitens habe ich mehr Selbstvertrauen entwickelt, als ich die Interviews durchgeführt habe. Auch mit dem Schnittprogramm habe ich gute Erfahrungen gemacht. Das Projekt hat Spaß gemacht und war cool. Die Interviews waren so persönlich: Fremde haben uns Geheimnisse und private Geschichten anvertraut. Den türkischen Schülern bin ich hier ganz anders begegnet als in Hürth. Leute, mit denen ich sonst nie geredet hätte, sind zu meinen Freunden geworden.“

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Dass die deutschen Schülerinnen und Schüler nicht an der Ägäis zu Gast sein durften, die türkischen Jugendlichen nicht als Gastgeber*innen walten konnten, stimmte natürlich traurig. Doch von der Woche in Berlin konnten alle auf ihre Weise profitieren: Die Freundschaften wurden gestärkt und so vielleicht die Grundlage für den einen oder anderen privaten Besuch in Burhaniye geschaffen.

Das Thema Politik und internationale Beziehungen war präsent: „Ich habe im Gespräch mit meinen Freunden eine Menge über Politik in der Türkei erfahren.“ Dass die Stadt für alle neu und spannend war, aber trotzdem halt Deutschland, brachte für die deutschen Jugendlichen eine besondere Herausforderung mit sich: „Meine Kontakte habe ich intensiviert, aber manchmal hat es genervt, für die Gastschüler die Mutter zu spielen“, fasste es eine Schülerin aus Hürth zusammen. Oder etwas positiver ausgedrückt: „Ich denke, wir alle sind verantwortungsvoller geworden, z. B. indem wir uns in Gruppen auf eigene Faust durch Berlin bewegt haben und indem wir Verantwortung für unsere türkischen Austauschschüler übernommen haben.“

Kulturelle Bildung als Ausgangspunkt

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Am 29. November 2017 wurde das Projekt in Hannover mit dem MIXED UP Preis International ausgezeichnet. Der lebensweltnahe Ansatz und das konstruktive Aufgreifen aktueller politischer Entwicklungen hat die Jury zu ihrer Entscheidung bewogen. Kulturelle Bildung sei hier kein Beiwerk der internationalen Begegnung, sie bilde den Ausgangspunkt der Auseinandersetzung. „Das Thema Träume gemeinsam und im Dialog mit Dritten zu durchleuchten, stellt für die beteiligten Jugendlichen eine zukunftsrelevante Lernerfahrung dar“, so die Jurymitglieder.

Die Schulpartnerschaft wird seit Jahren vom Pädagogischen Austauschdienst (PAD) gefördert: „Dass es uns gelungen ist, trotz der politischen Schwierigkeiten den Austausch fortzusetzen, wurde vom PAD sehr positiv bewertet, sodass er uns auf den Wettbewerb aufmerksam machte“, erzählt Ulrich Burow.

Die Schulpartnerschaft soll auch weiterhin trotz der schwierigen politischen Rahmenbedingungen fortgesetzt werden. „Angedacht sind Begegnungen an einem dritten Ort, wenn es weiterhin nicht möglich ist, deutsche Schülergruppen in die Türkei reisen zu lassen“, so Ulrich Burow. Das Preisgeld sei eine gute Anschubfinanzierung für die nächste Begegnung.

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