Good Practice

Frida trifft Paula

Ein Schüleraustausch mit Kunstprojekt in Mexiko und Deutschland
Ausstellung mit Schülerbildern – inspiriert von Frida Kahlo und Paula Modersohn-Becker

Die Künstlerinnen Frida Kahlo und Paula Modersohn-Becker standen im Mittelpunkt der beiden zweiwöchigen Schülerbegegnungen am Ratsgymnasiums Rotenburg (Niedersachsen) und der Deutschen Schule Alexander von Humboldt in Mexiko-Stadt im Juni 2016 und im Januar 2017. Die Schülerinnen und Schüler malten gemeinsam und erfuhren Neues über Kunst und Gesellschaft in beiden Ländern. Sie entwickelten Selbstvertrauen und Weltoffenheit, während sie die Herzlichkeit ihrer neuen Freunde erlebten und ihre sprachlichen Kompetenzen erweiterten.

Der Pädagogische Austauschdienst fördert die Projektzusammenarbeit aus Mitteln der Intiative "Schulen: Partner der Zukunft".

Inhalt des Projektes

Eine Ausstellungseröffnung im Foyer der mexikanischen Partnerschule stellte den Höhepunkt der zwölfmonatigen Projektarbeit dar. Porträts in leuchtenden Farben, die von den Motiven Modersohn-Beckers und der Farbigkeit Mexikos inspiriert waren, kontrastierten mit Stilleben, die ihr Vorbild in den Bildern Frida Kahlos nicht verleugnen konnten. Die Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse des Ratsgymnasiums Rotenburg und ihre Partner am Colegio Alemán Alexander Humboldt in Mexiko-Stadt hatten in Kohlezeichnungen vorbereitet, was sie in einem gemeinsamen Workshop im Kunstraum in Mexiko-City mit Acrylfarben auf Leinwände malten und schließlich selbständig zu einer Wandinstallation zusammenstellten.

Die Malerinnen Frida Kahlo und Paula Modersohn-Becker sind die beiden Schlüsselfiguren dieses Schüleraustauschs. Sie ermöglichen einen emotionalen und handlungsorientierten Zugang zur mexikanischen und deutschen Gesellschaft und für das interkulturelle Kennenlernen. Während der zweiwöchigen Begegnungen leben die Schülerinnen und Schüler in Gastfamilien, nehmen am Unterricht teil und arbeiten an ihrem Kunstprojekt. Exkursionen vertiefen die Kenntnisse über die beiden Künstlerinnen und deren Bedeutung in ihrer Zeit. So besuchte die Austauschgruppe in Deutschland das Künstlerdorf Worpswede, während sie in Mexiko das Wohnhaus und Atelier von Frida Kahlo in Coyoacán besichtigten. Weitere Aktivitäten wie zum Beispiel ein Druckworkshop in den "Rotenburger Werken" oder eine Besichtigung historischer Stätten in Mexiko ergänzten das Programm.

Warum Projektarbeit?

In der Schulpartnerschaft der deutschen mit der mexikanischen Schule steht seit Beginn die gemeinsame Projektarbeit im Vordergrund. Bei jedem Projektzyklus wählen die Lehrkräfte ein neues Thema aus, das in regelmäßigen Vorbereitungsrunden und während der Begegnungen im Zentrum der gemeinsamen Aktivitäten und der Verständigung steht. Wurden in den ersten Durchgängen eher intellektuellere Themen bearbeitet wie "Kulturelle Identität" so wurde mit "Paula trifft Frida" ein eher emotionaler Zugang für die Austauschbegegnungen gefunden.

Wie die Berichte aus Rotenburg zeigen, leistet Projektarbeit einen wesentlichen Beitrag dazu, Austauscherfahrungen zu vertiefen. So lernen die Jugendlichen in der Zusammenarbeit verschiedene, auch interkulturell bedingte Wege der Problemlösung kennen. Außerdem werden Erfahrungen im Umgang mit unterschiedlichen Sichtweisen vertieft. Die Schülerinnen und Schüler identifizieren sich mit dem Thema der Projektarbeit, es wird zu einer gemeinsamen Sache und hilft so, kulturelle Schranken zu überwinden.

Eine ungewöhnliche Schulpartnerschaft mit Mexiko

Die Schulpartnerschaft mit der Deutschen Schule in Mexiko-Stadt entstand 2013. Der neue Schulleiter des Colegio Alemán Alexander Humboldt suchte damals eine Partnerschule in Deutschland. Da er aus Niedersachsen kommt, sprach er dort gezielt Schulen an. Das Ratsgymnasium Rotenburg, an dem auch Spanisch unterrichtet wird, ließ sich auf das Abenteuer ein. Im Wechsel mit dem St. Viti-Gymnasium im niedersächsischen Zeven führen sie alle zwei Jahre einen Austausch durch.

Am Anfang mussten die Eltern überzeugt werden, die vor allem Befürchtungen wegen der Sicherheit ihrer Kinder hatten. Tatsächlich können sich die Schülerinnen und Schüler in Mexiko-Stadt nicht frei bewegen. Sie leben in sogenannten "Gated Communities" hinter hohen Mauern und werden mit Bussen zur Schule gefahren. Die ersten Gruppe von 20 Schülerinnen und Schülern kam trotz aller vorherigen Bedenken begeistert zurück und hatte Freunde und Familienanschluss gefunden. Das Eis war gebrochen und seitdem ist der Austausch mit Mexiko bei Schülern und Eltern des Ratsgymnasiums Rotenburg beliebt und akzeptiert. Frauke Brieger erlebt, wie vor allem ihre Schülerinnen, die auf dem Land aufwachsen, weltoffener und selbstbewusster werden.