Good Practice

Leselust in Montenegro

Eine Freiwillige im Programm "kulturweit" baut an einem Gymnasium in Ulcinj eine Schülerbücherei auf
Schülerinnen leihen Bücher in ihrem Klassenzimmer aus

Es begann mit 45 Kisten gespendeter Bücher in deutscher Sprache und wurde zu einem Erfolg bei Deutsch lernenden Schülerinnen und Schülern in Ulcinj: Mit ihrer Lesebegeisterung steckte Jana Ballweber auch Jugendliche an, die im Unterricht der Buchlektüre eher skeptisch gegenüber standen. Jetzt lesen sie nicht nur alle verfügbaren Folgen der Reihe "Die Drei ???", sondern bewältigen auch anspruchsvollere Lektüren – wenn nötig mit Hilfe eines Übersetzungsprogramms im Internet.

Als kulturweit-Freiwillige unterstützte Jana Ballweber 12 Monate lang die Deutschlehrkräfte am Gymnasium Bratstvo-Jedinstvo in Ulcinj, Montenegro. In dieser Zeit richtete sie eine Kabinettsbibliothek zur Leseförderung für die Deutsch lernenden Schülerinnen und Schüler ein.

Am Anfang stand eine Bücherspende

Zu Beginn ihres Freiwilligendienstes sprach Jana Ballweber mit ihren Mentoren, den Deutschlehrern Kurt Schlegel und Armin Schurr, über mögliche Arbeitsbereiche. Dabei entstand die Idee, eine Schülerbibliothek einzurichten, um das Lesen der Deutschschüler zu fördern. Die Grundlage bildete eine Spende aktueller deutschsprachiger Bücher, die Hanspeter Haucke, ein Freund der Mentoren, in Deutschland privat gesammelt hatte. Bei einem Schüleraustausch mit der Partnerschule in Freudenstadt im Schwarzwald konnte die Spende in den Bus gepackt und mit nach Montenegro genommen werden.

Bürokratiefreie Ausleihe und aktueller Lesestoff

Die Idee zu ihrem Projekt entwickelte Jana Ballweber im Kontakt mit ihren Schülerinnen und Schülern. Wie viele junge Menschen ihrer Generation standen sie Büchern eher ablehnend gegenüber und lasen ungern Literatur für den Unterricht. Im Gespräch stellte sie fest, dass die Jugendlichen weder gerne in die Stadtbibliothek in Ulcinj gingen, noch in ihre Schulbibliothek. Das Angebot entsprach nicht ihren Neigungen und die Ausleihe empfanden sie als zu umständlich.

So entstand die Idee, ein Regal im Deutschzimmer aufzustellen und die Ausleihe über eine Excel-Datei zu regeln, in die sich jede und jeder selbst eintragen konnte. Jana Ballweber sortierte die gespendeten Bücher, trug sie mit Kurzbeschreibungen in die Liste ein und ermöglichte die Ausleihe direkt im Klassenzimmer. Die Ausleihzeit wurde nicht begrenzt und nur in den Ferien dürfen mehrere Bücher entliehen werden.

Über 500 Bücher konnte Jana Ballweber im Rahmen ihres Freiwilligendienstes katalogisieren und auf verschiedene Büchereien verteilen. So entstand nicht nur die Klassenbücherei im Gymnasium, sondern auch die Schulbücherei und die Stadtbücherei konnten von der Spende profitieren. Die Kinderbücher erhielt eine Grundschule vor Ort, die ebenfalls Deutsch als Fremdsprache unterrichtet.