Good Practice

Musik, die uns verbindet

Das MIXED UP-Preisträgerprojekt in der Kategorie International
Fanfarengarde Frankfurt/Oder bei einer Kinder-Revue

Mit gemeinsamem Musizieren verbinden sie Schüler*innen, Eltern und Lehrer*innen über Grenzen hinweg: Die Fanfarengarde Frankfurt an der Oder e. V., das Kulturhaus Smok in Słubice, die Szkola Podstawowa Nr. 1 in Słubice und die Astrid-Lindgren-Grundschule in Frankurt (Oder) gewannen damit bei MIXED UP den Preis in der Kategorie International. Das Preisgeld stiftet die Initiative „Austausch macht Schule".

„Nur durch einen Fluss getrennt liegen die Städte Frankfurt an der Oder in Deutschland und Słubice in Polen in unmittelbarer Nachbarschaft. Kein Wunder, dass sich zwischen den grenznahen Schulen und Kultureinrichtungen eine enge Partnerschaft etabliert hat“, steht in der Beschreibung beim Wettbewerb MIXED UP. Doch was sich aus diesen nachbarschaftlichen Partnerschaften entwickelt hat, ist durchaus bemerkenswert - und einen Preis wert, wie die Jury von MIXED UP in der Kategorie International befand:

„Die Kooperation ‚Musik, die uns verbindet‘ liefert ein gelungenes Beispiel für die nachhaltige Verzahnung von kultureller Arbeit vor Ort und internationaler Begegnungsarbeit. Hier werden im grenznahen Raum bedeutende kulturelle Teilhabegelegenheiten mit Musik geschaffen, die neben den beteiligten Kindern auch Eltern und Ehrenamtlichen eine zuverlässige Plattform bieten.“

Fanfarengarde

Seit mehr als 15 Jahren besteht die Kooperation: Nachdem ein Musikfestival im Jahr 2003 den Startschuss gegeben hat, entstand ein Orchester aus 60 Kindern der beiden Nachbarstädte. Wöchentlich proben sie inzwischen in drei polnischen Schulen, im Kulturhaus Smok in Słubice und bei der Fanfarengarde in Frankfurt (Oder). Alle Kinder, Jugendliche und sogar ihre Eltern können teilnehmen, und die Auftritte finden sowohl in Polen als auch in Deutschland statt. „In den von Kinderarmut geprägten Nachbarstädten wird somit möglichst vielen Kindern die kulturelle Teilhabe ermöglicht“, so die Jury weiter.  

Kontaktpflege wichtig

Hans-Jörg Laurisch, Leiter der Geschäftsstelle und musikalischer Leiter der Fanfarengarde Frankfurt a. d. Oder e. V., betont, dass Kontaktpflege und ständige Kommunikation für die Kooperation wichtig seien: „Sowohl in den deutschen als auch den polnischen Partnerschulen stehen wir mit den Lehrer*innen und den Direktor*innen im engen Kontakt und haben in den Jahren der Zusammenarbeit ein sehr gutes und enges Verhältnis aufgebaut.“

Selbstverständlich werden deshalb die Schulen zu Konzerten und Veranstaltungen eingeladen, zudem trifft man sich bei Konferenzen, Tagungen und Veranstaltungen in Frankfurt und Słubice. In jeder Schule gibt es sowohl eine*n Ansprechpartner*in als auch Kontakt zu verschiedenen Lehrer*innen durch die musikalische Ausbildung. „Die Schulen bekommen regelmäßige Mitteilungen zum Stand der Ausbildung, zur Anwesenheit der Kinder bei den Proben und ein regelmäßiges Feedback zur Entwicklung der Kinder“, erklärt er.

Musik und Völkerverständigung

Fanfarengarde

Die Fanfarengarde engagiert sich seit Jahren für Völkerverständigung und gute nachbarschaftliche Beziehungen zu vielen Orchestern, Kulturgruppen und Personen insbesondere im Nachbarland Polen. Ihre internationale Arbeit ist deshalb auch im Leitbild des Vereins verankert:

„Die internationale Zusammenarbeit basiert auf Neugier, Toleranz, gegenseitiger Achtung und Wertschätzung. Internationale Begegnungsmaßnahmen werden gefördert und tragen zum Kennenlernen verschiedener Kulturen und Wertesysteme bei. Insbesondere die deutsch-polnische Zusammenarbeit ist Bestandteil umfangreicher Projektarbeit und bereits zu einer dauerhaften Betätigung des Vereins entwickelt worden."

Eine enge Kooperation mit den Schulen sei auch deshalb interessant, da über die Nachwuchsarbeit in den „Europa-Fanfaren“ sowohl deutsche als auch polnische Kinder eine langfristige Ausbildung und Betätigung finden, erklärt Hans-Jörg Laurisch:

„Für die musikalische Entwicklung und Qualitätssteigerung der Fanfarengarde ist dies wichtig. Die Nachwuchsgewinnung geschieht über die Arbeit in Kursen in den Schulen. Seit einigen Jahren praktizieren wir diese Methode auch an polnischen Schulen sehr erfolgreich. Somit wachsen Kinder in deutsch-polnischer Kooperation, musikalischer Betätigung, im gemeinsamen Erleben und der gemeinsamen Freizeitbetätigung auf und lernen bereits vom Kindesalter an wichtige soziale Beziehungen und Werte kennen.“

Fanfarengarde

Wirkungskreis wächst

Eine der Partnerschule der Fanfarengarde ist die Astrid-Lindgren-Grundschule in Frankfurt (Oder). Corina Nauke, Sonderpädagogin und Lehrerin für Deutsch, Musik und Lese-Rechtschreib-Schwäche, ist an der Schule für die Zusammenarbeit mit der Fanfarengarde verantwortlich. Alle Schülerinnen und Schüler nehmen an den jährlich stattfindenden Musikprojekttagen teil und jedes Kind sei im Ergebnis in der Lage, mit anderen Kindern zu musizieren, fasst sie zusammen.

„Partner zu sein heißt auch, dass wir gemeinsame Veranstaltungen planen und durchführen, zum Beispiel die Weihnachtsgala oder die KinderRevue, und dass Kinder unserer Schule Veranstaltungen der Fanfarengarde aktiv mitgestalten – z. B. tanzen die LineDancer unserer Schule beim Hof- und Sommerfest im Haus der Musik“, erklärt Corina Nauke.

Die KinderRevue hebt auch Hans-Jörg Laurisch hervor: „Dort gestalten die Kinder das Programm selber, zudem laden wir über die „Europa-Fanfaren“ hinaus auch Kulturgruppen der Partnerschulen ein. Dadurch wird der Wirkungskreis noch größer.“

Zeitintensiv, aber lohnend

Fanfarengarde_KinderRevue

Die Vorbereitungen und Planungen, insbesondere von Seiten der Schulleitung, allen voran der Rektorin Marina Bab, und die Zusammenarbeit mit dem Kollegium, seien zeitintensiv, so Lehrerin Corina Nauke. Und dennoch lohne sich diese nunmehr seit neun Jahren bestehende Kooperation zweifelsfrei für alle Schüler*innen und Kolleg*innen.

„Jedes Kind bekommt die Anerkennung und viel Selbstbewusstsein, wenn es erlebt, wozu es musikalisch in der Lage ist. Die Freude am gemeinsamen Musizieren, die Optimierung sozialer Kompetenzen und die erlebbaren Inhalte bzgl. Toleranz, Respekt, Disziplin, Freude an gemeinsamen Aktivitäten und die erneute Verinnerlichung, was Zuhören bedeutet, kann nicht hoch genug geschätzt werden“, betont die Sonderpädagogin.

Das Preisgeld soll für Instrumente, Zubehör, Bekleidung, Werbung und in die Verbesserung der Probenbedingungen in der gemeinsamen Probenstätte, dem Haus der Musik, verwendet werden. Und eine Woche nach der Preisverleihung in Kiel feiern sie nochmal zuhause, mit einer Festveranstaltung im Kulturhaus Smok in Słubice, erzählt Hans-Jörg Laurisch: „Damit erreichen wir eine größere Öffentlichkeit und zeigen den Kindern den Erfolg ihrer und unserer gemeinsamen Arbeit.“

Ein Beitrag von Christine Bertschi.