Good Practice

Schulischer Austausch für eine lebendige Städtepartnerschaft

Austausch von Lehramtsstudierenden zwischen Hagen und Smolensk
Gruppenfoto an der Smolensker Mauer

Ein städtepartnerschaftliches Austauschprojekt zwischen Hagen und Smolensk vermittelt Lehramtsstudierenden aus Russland und Deutschland die Möglichkeiten des internationalen schulischen Austauschs.

Die zukünftigen Lehrerinnen und Lehrer lernen bei einwöchigen Aufenthalten im jeweils anderen Land durch Hospitationen, gemeinsames Arbeiten und miteinander Leben die beruflichen Situationen und persönlichen Lebensumstände ihrer Kolleginnen und Kollegen kennen. Auf russischer Seite richtet sich das Projekt an junge Menschen, die an der Staatlichen Universität Smolensk studieren sowie Lehrerinnen und Lehrer in der beruflichen Eingangsphase. In Deutschland zählen Lehramtsanwärterinnen und -anwärter aller Seminare des Zentrums für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) Hagen zur Zielgruppe.

Organisiert wird das Austauschprojekt vom Freundeskreis Hagen-Smolensk e.V. und dem ZfsL Hagen. In diesem Jahr wurde es unterstützt durch eine Förderung der Initiative "Austausch macht Schule".

Landeskundliches Rahmenprogramm

Im Oktober 2017 reisten 9 Referendarinnen und 4 Referendare des ZfsL-Hagen mit den Seminarleitern Jürgen Henter und Bernd Mai nach Smolensk. Nachdem die Reisegruppe einen halben Tag in Moskau verbracht hatte, ging es mit dem Nachtzug nach Smolensk. Dort wurde die Gruppe von den Gastgebern in Empfang genommen. Das intensive Programm begann mit einer Stadtführung und es folgten fast täglich Hospitationen an sehr unterschiedlichen Schulen und Studieneinrichtungen.

Neben den Schulbesuchen wurde die Gemäldegalerie besichtigt, die Uspenski-Kathedrale und das Freilichtmuseum in Teremok. Dort konnte auch der Nachbau einer Schule besichtigt werden, die die Mäzenin Maria Teneshewa vor ca. einhundert Jahren für Kinder in den dörflichen Regionen eingerichtet hat. Im Kammertheater erlebte die Gruppe Gogols „Chinel“. Im übrigen waren zwei Gruppenmitglieder bei Schauspielern des Theaters untergebracht.

Vor der Rückreise nach Deutschland besuchten die Gruppenmitglieder die Gedenkstätte in Katyn. Nach einer stimmungsvollen Abschiedsfeier, reisten die deutschen Gäste nach Hause zurück.

Persönliche Kontakte als Grundlage für Verständnis

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Im Rahmen der Austauschfahrt sollen die Referendarinnen und Referendare das Schulsystem in Russland und die konkreten didaktisch-methodischen Umsetzungen kennenlernen. Mit ihren russischen Kolleginnen und Kollegen tauschen sie sich dabei zu aktuellen pädagogische Fragestellungen aus.

Da sie grundsätzlich bei den angehenden russischen Lehrerinnen und Lehrern untergebracht werden, erfahren sie den anderen Kulturkreis in konkreten Alltagsituationen und erhalten lebenswirkliche Einblicke durch persönliche Kontakte und eigene Anschauung.

Prinzip des Austauschprogramms ist es weiterhin, dass die Referendarinnen und Referendare ihre Gastgeber aus Smolensk beim Gegenbesuch der Russischen Gruppe im Frühjahr 2018 in Hagen als ihre Gäste aufnehmen.

Fachlicher Austausch an russischen Schulen

Während ihres Aufenthaltes in Smolensk nahmen die Referendarinnen und Referendare an vier Schul- und Unterrichtshospitationen im allgemeinbildenden Schulsystem teil. Besonders eindrucksvoll war die Hospitation in der Dorfschule in „Losnja“:

Nach einer Erdkundestunde in der 9. Klasse in russischer Sprache – lehrerzentriert, aber mit sehr reger Beteiligung der Schüler – folgte eine Englischstunde. Die Lehrerin entschied sich für das Thema „Music in our souls“ und arbeitete mit dem Song „Diamands“ von Rihanna. Am Anfang sangen alle den Song (auch die deutschen Gäste). Es war eine sehr überraschende Situation für die Referendarinnen und Referendare, denn damit hatte niemand gerechnet, dass man im „Nirgendwo“ in Russland in einer Dorfschule sitzen würde, um Rihannas Song zu singen. Diese Unterrichtsstunde, war eine Erfahrung, die sicher haften bleibt, denn die jungen Deutschen wurden zum Abschluss gebeten, deutsche Lieder zu singen – gut, dass sie vorbereitet waren.

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Der Besuch der Dorfschule endete sportlich, u. a. mit Seilspringen, Liegestützen und Basketball. Die Dorfschule war für die Gruppe in jeder Hinsicht ein besonderes Erlebnis und auch eine großartige pädagogische Erfahrung.

Durch die Teilnahme an einer Lehrveranstaltung der Staatlichen Universität erhielten die Referendarinnen und Referendare einen Einblick auch in den russischen universitären Lehrbetrieb – im Anschluss daran gab es einen regen Austausch über die Unterschiede der Veranstaltungen an deutschen und russischen Universitäten.

Langjährige Partnerschaft

Das Austauschprojekt wurde 2003 durch das Studienseminar Hagen (Günter Grundmann) und die Humanistische Universität (Dr. Olga Ilina) vertraglich initiiert. Mit den in diesem Jahr hinzu gewonnen Kooperationspartnern der universitären Ausbildung und der Weiterbildung in Smolensk, sowie den Kulturpartnern erschließen sich nun ungeahnte neue Perspektiven der pädagogisch-kulturellen Entwicklung dieses Austausches, die im Interesse der Lehramtsanwärterinnen und Lehramtsanwärter genutzt werden sollen.

Zahlreiche Referendarinnen und Referendare, die in den vergangenen Jahren an diesem Austausch teilgenommen hatten, setzen sich heute bei ihrer Arbeit für Schüleraustausch mit Schulen in Russland ein, einige sind Mitglieder im Freundeskreis Hagen-Smolensk geworden.