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Kommune goes International

Auch Schulen können sich in Projekte der Internationalen Jugendarbeit einbringen
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Das Projekt Kommune goes International (KGI) will die Internationale Jugendarbeit auf kommunaler Ebene stärken und sie dort verankern. Wie sich Schulen in diesen Prozess einbringen können und warum es auch Angebote von außerhalb der Schule braucht, erklärt Christina Gerlach von IJAB.

21 Kommunen haben sich 2011 gemeinsam auf den Weg gemacht, um über den Zeitraum von drei Jahren zusammen mit lokalen Partnern die Internationale Jugendarbeit wieder stärker auf kommunaler Ebene zu verankern und sie allen Jugendlichen zugänglich zu machen. „Besonders die Zielgruppen, die bislang noch kaum oder gar nicht von internationaler Jugendarbeit profitieren konnten, sollen verstärkt angesprochen werden“, erklärt Christina Gerlach, Leiterin des Geschäftsbereichs Internationale jugendpolitische Zusammenarbeit bei IJAB, der Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V.

So sollen auch benachteiligte Jugendliche und Jugendliche mit Migrationshintergrund die Möglichkeit erhalten, von den positiven Wirkungen, die Internationale Jugendarbeit beispielsweise auf die Persönlichkeitsentwicklung hat, zu profitieren.

Offenes Netzwerk

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Seit 2015 ist Kommune goes International (KGI) ein offenes Netzwerk mit jährlichen Treffen und Qualifizierungsangeboten. „Regelmäßig werden Arbeitshilfen herausgegeben, die Themen der Internationalen Jugendarbeit behandeln, von denen wir aus dem KGI-Netzwerk wissen, dass sie in der lokalen Praxis eine Rolle spielen“, so Christina Gerlach. Zuletzt erschienen ist: „Internationale Jugendarbeit kooperiert mit Unternehmen“.

Interessierte Kommunen können jederzeit in den Prozess einsteigen. „Unsere Aufgabe besteht weiterhin darin, die Kommunen bei der Erarbeitung eines lokalen Entwicklungsplans zu unterstützen, allerdings sind hier die Geschwindigkeiten und lokalen Voraussetzungen sehr unterschiedlich, wir reagieren also immer auf die individuellen Bedürfnisse und Zielsetzungen in der Kommunen“, so die Geschäftsbereichsleiterin.

Neben der Erarbeitung eines lokalen Entwicklungsplans sei das zweite zentrale Anliegen der Netzwerkaufbau vor Ort: dafür werden freie und öffentliche Träger von (internationaler) Jugendarbeit an einen Tisch gebracht. Die Kommunen finden also Hilfe und Unterstützung bei KGI, entscheiden und steuern aber selbst, wie sie ihre Internationale Jugendarbeit ausrichten und welche Schwerpunkte sie setzen wollen.

Wenn sich Schulen einklinken möchten

„Insgesamt hat sich gezeigt, dass im Rahmen dieser lokalen Vernetzung neue Kooperationsformen und Projekte entstehen können, die auch die Zusammenarbeit zwischen Jugendarbeit und Schule betreffen“, so Christina Gerlach. KGI läuft inzwischen in einer ganzen Reihe von Kommunen, dort gibt es feste Ansprechpartner*innen für den Prozess und Interessierte können sich in die vorhandenen Netzwerke einbringen.

„Da jeder kommunale Prozess ein individueller ist, lohnt sich zunächst die Kontaktaufnahme mit dem/der lokalen Netzwerkkoordinator*in. Anschließend muss gemeinsam überlegt werden, wo es Schnittstellen gibt und wie diese gemeinsam ausgestaltet werden können“, so Christina Gerlach. Wenn es darum gehe, internationale Aktivitäten in der Kommune bekannter zu machen, könnte zum Beispiel eine gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit zu vorhandenen Angeboten ein erster Schritt sein, der auch das internationale Profil einer Kommune und der dort tätigen Akteure sichtbar machen kann.

Alternativen zum Schulaustausch

Auch wenn die allermeisten Jugendlichen eine Schule besuchen und dort abgeholt werden können, seien Alternativen wichtig, erklärt Christina Gerlach:

„Internationale Jugendarbeit umfasst pädagogische Angebote der Kinder- und Jugendhilfe, die es jungen Menschen ermöglichen, Lernerfahrungen in internationalen Kontexten zu sammeln. Dabei ist ein wesentlicher Aspekt, dass Jugendliche ihre Erfahrungen freiwillig machen, diese also nicht Bestandteil der formalen Bildung sind. Internationale Jugendarbeit birgt auch deshalb besondere Lernpotentiale, weil Jugendliche die Aktivitäten selbst mitgestalten können, ihre Interessen und Stärken einbringen und dabei lernen, sich in neuen Situationen zurechtzufinden und Verantwortung zu übernehmen.

Die Formate sind dabei ganz unterschiedlich – es gibt sowohl Kurz- als auch Langzeitformate sowie Gruppen- und Individualprogramme. Damit können Formate gefunden werden, die die jeweiligen Wünsche und Voraussetzungen der Jugendlichen berücksichtigen und sie dort abholen, wo sie stehen. Nicht alle Jugendlichen werden über die Schule erreicht – diejenigen, die sich z. B. am Übergang zwischen Schule und Beruf befinden, werden oft über Angebote der Jugendsozialarbeit besser erreicht.“

Dennoch bleibe Schule ein wichtiger Ort, um Jugendliche zu erreichen: „Es wäre deshalb schön, wenn sich die Zusammenarbeit zwischen Schule und Internationaler Jugendarbeit noch weiter vertiefen würde, und auf lokaler Ebene weitere Vernetzung und Kooperation entstünde“, betont Christina Gerlach.

In den KGI-Kommunen gebe es bereits einige Beispiele, wo Jugendarbeit und Schule vertieft zusammenarbeiten, so die Geschäftsbereichsleiterin: „Die Jugendarbeit der Stadt Kelkheim zum Beispiel veranstaltet schon seit Beginn ihrer Beteiligung am KGI-Netzwerk eine jährliche Informationsveranstaltung für Schüler*innen der achten und neunten Klassen in Kooperation mit der Eichendorffschule. Dabei geht es darum, die Jugendlichen auf die vielfältigen Programme von Auslandsaufenthalten hinzuweisen und über Fördermöglichkeiten zu informieren.“

In anderen Kommunen seien etwa die Ganztagskoordination und die Schulsozialarbeit fester Bestandteil des kommunalen Netzwerks und nehmen an allen übergreifenden Treffen mit den Trägern der Jugendarbeit teil. „Dies hat den Vorteil, dass dabei immer die Perspektive und die Planungen sowohl der schulischen als auch der außerschulischen Bildung mitgedacht und abgestimmt werden“, so Christina Gerlach.

Schulsozialarbeit als Anknüpfungspunkt

Marcus Mildner, Schulsozialarbeiter in Wiesbaden und Delegierter in der KGI-Steuerungsgruppe für die Abteilung Schulsozialarbeit, erklärt im KGI-Handbuch, dass für die Schulsozialarbeit selbst internationale Begegnungen meist Neuland seien. Denn auch wenn die meisten Schulsozialarbeiter*innen bei den Jugendlichen und ihren Eltern einen guten Ruf genießen und es auf dieser Grundlage leicht falle, Schülerinnen und Schüler für Jugendbegegnungen zu gewinnen, muss man feststellen: Den Schulaustausch von Jugendlichen als ein Jugendhilfeangebot konzeptionell umzusetzen, ist gar nicht so einfach.

Dazu komme ein gewisser Rechtfertigungsdruck: „Die Schülerinnen und Schüler, auf die es uns ankommt, haben schwache Schulleistungen und sind sozial ausgegrenzt. Sie haben viele Defizite in ihren Kompetenzen. Wenn sie nun bei einer Begegnung dabei sind, werden sie nach Ansicht nicht gerade weniger Menschen zu Unrecht belohnt“, erläutert Marcus Mildner.

Interkulturelle Kompetenzen für alle

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Christina Gerach betont, dass die Angebote der Internationalen Jugendarbeit nicht nur allen Jugendlichen offen stehen, sondern auch die sozialen und interkulturellen Kompetenzen fördern, zur Identitätsbildung beitragen, beim Umgang mit Vielfalt helfen und sich auch oft positiv auf die berufliche Perspektive junger Menschen auswirken:

„Nicht alle Jugendlichen verfügen über Erfahrungen aus Auslandsreisen mit den Eltern. Für diese Zielgruppen bieten die Angebote der Internationalen Jugendarbeit noch einmal einen besonderen Mehrwert. Jugendliche mit Migrationshintergrund bieten die grenzüberschreitenden Austauschformate zum Beispiel die Gelegenheit, die eigene Identität anders wahrzunehmen und ihre besonderen interkulturellen Kompetenzen einzubringen.

Wir wissen aus den Rückmeldungen von Trägern und Teilnehmenden, dass die Austauscherfahrung in diesen Fällen häufig als besonders wertvoll für die persönliche Entwicklung empfunden wird.“

Kommunen greifen auf Fördermöglichkeiten zurück

„Für die Förderung der Begegnungsformate in den Kommunen wird auf verschiedene Fördermöglichkeiten zurückgegriffen, darunter auch die Angebote der Jugendwerke und Koordinierungsstellen“, so Christina Gerlach. Denn diese haben bereits Erfahrungen mit Schulen und Trägern der Jugendarbeit als Antragstellern, bei einer Förderung von Begegnungsformaten im Rahmen des Kinder- und Jugendplans des Bundes (KJP) sei dies in der Regel nicht vorgesehen.

„Gerade in der Zusammenarbeit von Schule und außerschulischen Trägern können jedoch interessante Angebote entstehen!“ Auch wenn die verschiedenen Fördersysteme in der Regel die Antragstellung durch entweder die Schule oder den außerschulischen Träger erfordern, stehe dies einer Zusammenarbeit bei der Vorbereitung und Durchführung von Austauschmaßnahmen in der Praxis jedoch nicht im Wege. „Initiativen wie „Austausch macht Schule“ sind auch deshalb wichtig, um gute Praxis in diesem Bereich bekannter zu machen und so mehr Kooperation und Austausch zu ermöglichen“, stellt sie fest. 

 

Ein Beitrag von Christine Bertschi.

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