Radiosendung: Internationaler Schüleraustausch in herausfordernden Zeiten
Ein Schüleraustausch gilt als Türöffner zum Erlernen einer Sprache, für interkulturelles Lernen und für die persönliche Entwicklung. Doch wie steht es um internationale Begegnungen in einer Zeit politischer Spannungen, verschärfter Einreisebedingungen und wachsender Unsicherheit?
In der Sendung „Quarks – Wissen im Gespräch“ diskutierten Hörer:innen, Lehrkräfte und Expert:innen am 9. Februar 2026 über Erfahrungen, Vorbehalte und die gesellschaftliche Bedeutung von Austauschprogrammen.
Wir dokumentieren hier das Gespräch aus der Sendung, die auch in der ARD-Mediathek abrufbar ist.
Warum Schüleraustausch prägt – persönliche Erfahrungen
Moderator: Ich bin Johannes Döbbelt, hallo.
Bei mir war es immer so eine Mischung aus: sich erst nicht trauen – und es dann ganz toll finden. Ich war während meiner Schulzeit zweimal auf einem Schüleraustausch, beide Male in Frankreich. Ich war in der 8. oder 9. Klasse, einmal auch in Paris, und das war ein echtes Highlight – auch weil man bei so einem Austausch wahnsinnig viel lernt über die Menschen und über die Kultur.
Manchmal werden dabei Vorurteile entkräftet, manchmal auch Klischees bestätigt. Zum Beispiel habe ich damals gemerkt, dass die Franzosen wirklich am liebsten Französisch sprechen – selbst im Englisch- oder Deutschunterricht lief damals vieles auf Französisch. Gleichzeitig gab es tolles Sightseeing in Paris, die erste Crème brûlée meines Lebens und ganz viel Sprachtraining nebenbei.
Schüleraustausche sind meistens eine tolle Sache. Sie können den Horizont erweitern, für interkulturellen Austausch sorgen und einfach eine gute, aufregende Zeit für junge Menschen sein.
USA unter Druck? Politische Lage und Nachfrage
Andererseits kann man sich gerade heute fragen: Wohin will ich selbst überhaupt – beziehungsweise: Wohin lasse ich meine Kinder reisen? Würden Sie zum Beispiel Ihre Kinder als Schüler aktuell nach Minneapolis oder irgendwo anders in die USA fahren lassen – für sechs oder zwölf Monate?
Manche Vermittlungsagenturen berichten bereits, dass die Nachfrage nach Austauschen in die USA deutlich zurückgegangen ist. [Einspieler:] „Normalerweise haben wir mindestens 100 Schüler für die USA oder sogar mehr. Aufgrund der politischen Situation hat sich das geändert. Wir haben aktuell rund 50 Prozent weniger Bewerbungen für die USA“, sagt Traudel Bohlen vom Munich Academic Program aus München.
Vor diesem Hintergrund diskutiert die Sendung „Quarks – Wissen im Gespräch“, welche Rolle internationaler Schüleraustausch heute spielt: Welche Erfahrungen machen Jugendliche bei kurzen und längeren Aufenthalten im Ausland? Wie prägen solche Begegnungen den Blick auf andere Länder und Kulturen?
Zugleich stellt sich die Frage, wie mit politischen Spannungen, Sicherheitsbedenken oder veränderten Rahmenbedingungen in einzelnen Ländern umzugehen ist – etwa mit Blick auf die USA oder andere Austauschziele.
Moderator: Und zugeschaltet ist mir heute Bernd Böttcher, Projektleiter der Initiative „Austausch macht Schule“. Das ist ein Verband von Organisationen, die Schulen dabei unterstützen, internationale Schüleraustausche möglich zu machen. Hallo Herr Böttcher, ich grüße Sie.
Bernd Böttcher: Ja, hallo. Vielen Dank für die Einladung.
Moderator: Haben Sie selbst einen Austausch gemacht – schon in Ihrer Schulzeit?
Bernd Böttcher: Ich muss leider sagen: nein. Ich bin erst nach der Schule durch einen Freiwilligendienst ins Ausland gekommen und habe gemerkt, dass mir vorher unheimlich viel entgangen ist. Ich habe dann in einer Jugendbegegnungsstätte in Polen Jugendliche aus Deutschland und Polen dabei begleitet, erste internationale Erfahrungen zu machen. Das war für mich ein Durchbruch. Mein Leben hat sich dadurch verändert, und ich hätte das sehr gern schon früher erlebt, wenn es an unserer Schule so etwas gegeben hätte.
Fremdheitserfahrung, Lernen und persönliche Entwicklung
Moderator: Warum ist denn Schüleraustausch wichtig aus Ihrer Sicht für Schülerinnen und Schüler? Welche Erfahrungen können Jugendliche dabei machen?
Bernd Böttcher: Das Entscheidende ist, dass man aus dem gewohnten Trott herauskommt – aus einem System, das stark von Zensuren und Leistungsbewertung geprägt ist. Man kommt in eine ganz andere Umgebung, und plötzlich ist vieles anders.
Beim Gruppenaustausch ist man auch mit Freunden unterwegs. Das heißt, man ist nicht allein, wenn man diese doch sehr fremde Erfahrung macht. Eine solch Fremdheitserfahrung setzt, glaube ich, unheimlich viele Prozesse in Bewegung. Man muss sich beweisen. Kommunikation wird plötzlich echt – nicht für den Unterricht, sondern weil man sich wirklich verständigen muss. Und man merkt: Das funktioniert auch ohne perfekte Grammatik oder sogar in einer Sprache, die man gar nicht gelernt hat.
Moderator: Es kann aber auch passieren, dass es jemandem gar nicht gefällt – etwa wegen Heimweh oder Problemen mit der Gastfamilie.
Bernd Böttcher: Natürlich, das kann passieren. Für viele ist es ja das erste Mal ohne Eltern im Ausland. Da ist nicht immer alles eitel Sonnenschein. Die Herausforderungen nimmt man auch unterschiedlich wahr. Aber es gibt ein Sicherheitsnetz: Freundinnen und Freunde, Lehrkräfte, Begleitpersonen. Gerade daran kann man wachsen. Und – weil Sie eingangs sehr auf den längerfristigen Austausch von sechs oder zwölf Monaten abgezielt haben – vielleicht ist auch ein solcher Langzeitaustausch nicht für jeden etwas.
Und diese Möglichkeit, sich in einer Situation selbst zu erfahren, sich auszuprobieren und dann auch einzuschätzen: Ist das was für mich? Ist das nichts? Woran bin ich vielleicht gescheitert? Genau das kann ein internationaler Austausch mit sich bringen.
Praxisbeispiel USA: Schulpartnerschaft aus Wuppertal
Moderator: Wir sprechen jetzt mit Birgit Gößmann, Lehrerin am Gymnasium Bayreuther Straße in Wuppertal. Frau Gößmann, Sie planen gerade einen Austausch mit einer Schule in den USA. Erzählen Sie uns ein bisschen davon – worum geht es?
Birgit Gößmann: Ja, hallo. Der Austausch ist über persönliche Kontakte entstanden, vor etwa anderthalb Jahren. Ich habe Kontakt zu einer Deutschlehrerin in Birmingham, Alabama, also im tiefen Süden der USA. Es handelt sich um eine High School mit den Klassenstufen 9 bis 12, etwa 400 Schülerinnen und Schülern, an der Deutsch als Fremdsprache angeboten wird.
Mit einer Gruppe aus meinem Englischunterricht haben wir zunächst digitale Kontakte aufgebaut – als Pen Pals über E-Mails – und später auch über Besuche. Die Deutschlehrerin war zum Beispiel im letzten Jahr bei uns zu Gast an der Schule, hat sich den Unterricht angeschaut und Gespräche mit den Schüler:innen geführt. Und obwohl das Bild der USA derzeit durchaus Schrammen zeigt, gibt es weiterhin großes Interesse von Seiten unserer Schülerschaft.
Sehr engagierte Schüler:innen möchten an einem Pilotprojekt teilnehmen und im Herbst die Reise antreten.
Moderator: Gab es trotzdem Diskussionen – innerhalb der Schülerschaft oder mit den Eltern –, ob das in dieser Zeit noch eine gute Idee ist, in die USA zu fahren?
Birgit Gößmann: Ja, natürlich. Aber überzeugt sind vor allem die Schüler:innen selbst, die den Kontakt schon lange pflegen. Der Austausch ist aus dem Unterricht heraus entstanden, und es sind bereits digitale Freundschaften gewachsen. Wichtig ist, dass wir es hier mit jungen Menschen zu tun haben, die sich begegnen und kennenlernen wollen, Gemeinsamkeiten entdecken und Stereotype abbauen möchten.
Die große politische Ebene – also wer gerade regiert – ist dabei nicht unbedingt ausschlaggebend. Entscheidend ist, dass es im Kleinen funktioniert: auf lokaler Ebene, zwischen den Schulen.
Moderator: Das heißt, politische Entwicklungen werden wahrgenommen, stehen aber nicht im Mittelpunkt?
Birgit Gößmann: Genau. Alle Beteiligten – Lehrkräfte, Schüler:innen, Eltern – sind sich der Situation bewusst. Die Schulleitung steht hinter dem Projekt, ebenso die Elternschaft. Aufklärung und Einordnung sind wichtig, aber im Vordergrund steht der direkte Austausch junger Menschen.
Moderator: Herr Böttcher, können Sie den Prozess nachvollziehen, den Frau Gößmann beschrieben hat?
Austausch als Gegenpol zu Krisen und Polarisierung
Bernd Böttcher: Natürlich. Vielen Dank, Frau Gößmann, für diesen Einblick. Sie haben deutlich gemacht, dass ein Gruppenaustausch keine einseitige oder einmalige Sache ist. Zwei Schulen pflegen eine Partnerschaft – das ist das Kennzeichen von Schulpartnerschaften. Auch auf der ausländischen Seite gibt es eine bewusste Entscheidung, Gäste aufzunehmen.
Wenn es hier Bedenken gibt, etwa zur Sicherheit, sollte man auch die Partner im Ausland fragen: Wie schätzt ihr die Situation ein?
Wir als Initiative „Austausch macht Schule“ sind ein Verband vieler Organisationen, die Schulen und Lehrkräfte unterstützen. In den letzten Jahren hatten wir immer wieder Krisen und Konflikte – den Brexit, europakritische Regierungen, politische Spannungen.
In diesen bilateralen Konstellationen haben wir immer wieder gemerkt, wie wichtig es ist, Partnerschaften aufrechtzuerhalten, Austausche fortzusetzen und zu begleiten. So können junge Menschen komplexe Zusammenhänge persönlicher kennenlernen – und Bilder, die sie aus Medien oder Nachrichten haben, erweitern. Zu wissen: Ich kenne Menschen in diesem Land, die anders denken, als die große Politik – das ist ein zentraler Effekt und eine wichtiges Grundlage für selbständiges Denken.
Moderator: Es gibt aber auch Schulen, die sich anders entscheiden. Ein Gymnasium aus Mühlheim in Baden-Württemberg hat kürzlich beschlossen, nicht mit der Big Band in die USA zu reisen – wegen Überlegungen zu verschärften Einreiseregeln, die etwa auch Social-Media-Aktivitäten oder zusätzlicher Datenerhebungen vorsehen.
Bernd Böttcher: Ja, das ist eine sehr aktuelle Entwicklung. Wir wissen noch nicht, wie diese Regelungen konkret angewandt werden, ob es sie überhaupt geben wird. Auch im vergangenen Jahr gab es Unsicherheiten bei Visa-Regelungen, zeitweise wurden keine Termine mehr vergeben und es herrschte große Verunsicherung.
Aber ich habe mich bei den Kolleg:innen erkundigt, die die Visa-Vergabe für gemeinnützige Austauschorganisationen eng begleiteten. Es wurden keine Visa verweigert. Alle Austauschschülerinnen und -schüler erhielten Visa bewilligt, Nachfragen gab es – wenn überhaupt – im Promillebereich.
Moderator: Eine Zeit lang ganz weit weg sein von zu Hause, Abenteuer erleben, neue Freunde kennenlernen und die Fremdsprache endlich einmal so richtig lernen: Viele Schülerinnen und Schüler erhoffen sich viel von einem kurzen oder auch längeren Schüleraustausch – und viele setzen das nach wie vor in die Tat um. Auch wenn sich gerade abzeichnet, dass bestimmte Länder, wie die USA zum Beispiel, nicht mehr ganz so beliebt sind wie früher. Das berichten zumindest einzelne Vermittlungsagenturen.
Herr Böttcher, vielleicht können Sie noch einmal erklären: Was sind denn prinzipiell beliebte Länder für einen Schüleraustausch – egal ob kurz oder lang?
Bernd Böttcher: Man muss tatsächlich differenzieren zwischen kurzfristigen Aufenthalten in der Gruppe – also meist Schulpartnerschaften – und längeren individuellen Aufenthalten. Bei schulischen Austauschen mit Partnerklassen oder -schulen ist Europa besonders beliebt, weil die Wege kürzer sind als bei interkontinentalen Partnerschaften.
Ein zentrales Förderinstrument ist Erasmus+, mit dem innerhalb der EU und mit weiteren Partnerländern Schulaustausche gefördert werden können. Zu den beliebtesten Ländern gehören Spanien, Italien, Frankreich, aber auch Polen und die Niederlande.
Und bei den individuellen Schüleraustauschen liegen ganz klar die englischsprachigen Ländern vorn, also Kanada und die USA, Neuseeland, Irland und Australien.
Historische Perspektive: Austausch nach Brüchen
Moderator: Wir haben einen Anruf bekommen von Henriette Wieckmann aus Düsseldorf. Guten Tag, Frau Wieckmann. Bei Ihnen liegt der Schüleraustausch schon etwas länger zurück?
Henriette Wieckmann: Ja, das stimmt. Ich war selbst Austauschschülerin und später hatten wir auch einen Austauschschüler bei uns. Ich war 1963/64 in den USA, in Williamstown, Massachusetts, mit dem American Field Service (AFS).
Moderator: Das war damals sicher etwas ganz Besonderes.
Henriette Wieckmann: Ja, absolut. Ich bin in einer schwäbischen Kleinstadt aufgewachsen, landschaftlich schön, aber es wurde mir etwas eng. Mit 14 habe ich ein Plakat für diesen Austausch gesehen und meine Eltern überzeugt, mich bewerben zu dürfen.
Ich hatte sehr viel Glück mit meiner Gastfamilie, auch die Schule hat gut funktioniert. Es gab lange Kontakt zu meinen amerikanischen Eltern und meiner Gastschwester. Ich habe sehr positive Erfahrungen gemacht.
Moderator: Wie hat Sie dieser Aufenthalt langfristig geprägt?
Henriette Wieckmann: Ich fand die USA sehr spannend, wollte dort aber nicht dauerhaft leben. Wichtig war für mich vor allem die Sprache und die Erkenntnis, wie wichtig internationale Kontakte sind. Mein Berufswunsch ging später sogar in Richtung diplomatischer Dienst. Ich kann einen Austausch eigentlich nur empfehlen – auch wenn ich heute wahrscheinlich nicht mehr in die USA gehen würde, sondern in ein anderes Land.
Moderator: Liegt das an der politischen Situation?
Henriette Wieckmann: Ja, genau. Diese Atmosphäre gefällt mir nicht. Wir haben noch Freunde in den USA, auch Trump-Anhänger, und das macht den Kontakt manchmal schwierig. Aber die Sprache – die bleibt. Die ist sofort da.
Moderator: Sie waren 1963 zum Schüleraustausch in den USA.
Henriette Wieckmann: Genau, zur Zeit der Ermordung Kennedys. Später wurden wir Austauschschüler sogar von Robert Kennedy in Washington empfangen. Das war eine sehr prägende Zeit.
Moderator: Vielen Dank für Ihren Anruf. Herr Böttcher, was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie das hören? Seit 1963 hat sich ja viel verändert.
Bernd Böttcher: Natürlich hat sich vieles verändert, aber Programme wie AFS oder Youth for Understanding (YFU) sind nach dem Zweiten Weltkrieg genau mit dem Ziel gegründet worden, Brüche zwischen Völkern zu überwinden. 1963 wurde auch das Deutsch-Französische Jugendwerk gegründet, das bis heute über zehn Millionen junge Menschen zusammengebracht hat.
Der Kern ist gleich geblieben: Nach Kriegen, nach politischen Umbrüchen, nach dem Fall der Mauer ging es immer darum, Begegnung zu ermöglichen. Wir sind überzeugt, dass jeder junge Mensch einmal internationale Erfahrungen machen sollte – um zu sehen, dass es Jugendliche mit ähnlichen Interessen, Problemen und auch anderen Perspektiven gibt.
Möglichkeiten zur Finanzierung und Chancengerechtigkeit
Moderator: Austausch ist aber auch eine Kostenfrage.
Bernd Böttcher: Ja. Aber es gibt auch viele Fördermöglichkeiten – Programme wie Erasmus+ sind enorm wichtig. Doch auch wenn hier Milliarden im EU-Haushalt bereitstehen, erreichen wir damit nur etwa ein Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland.
Förderungen sind meist Zuschüsse, keine Vollfinanzierung. Deshalb braucht es zusätzliche Unterstützung vor Ort und sozial gestaffelte Beiträge. Unser Ziel ist, dass niemand aus finanziellen Gründen ausgeschlossen wird – aber das ist herausfordernd, gerade in Zeiten knapper Budgets.
Moderator: Als Nächstes haben wir Ina Jakobs aus Essen in der Leitung. Hallo, Frau Jakobs. Was möchten Sie erzählen?
Ina Jakobs: Hallo. Für mich war es so: Ich war 15, das war 1974, da haben wir den ersten Schüleraustausch nach Paris gemacht. Danach bin ich eigentlich jedes Jahr mindestens zwei- oder dreimal in den Ferien – über die katholische Kirche, damals in der Nachkriegszeit – unterwegs gewesen. Ich habe dadurch eine große Bindung zu Frankreich entwickelt. Später bin ich sogar mit dem Motorrad durch Frankreich und Korsika gereist. Der Samen wurde damals durch den ersten Schüleraustausch gelegt.
Bei Clermont-Ferrand waren wir, in einem kleinen Dorf. Am Anfang wurden wir nicht gegrüßt, weil man hörte, wir seien Deutsche. Und nach vier Wochen, als wir abgereist sind, haben die Leute geweint.
Moderator: Geweint, weil sie traurig waren, dass Sie gehen?
Ina Jakobs: Ja, genau. Diese Abwehr am Anfang – und dann die Erkenntnis: Das sind einfach nette Menschen. Das war sehr prägend.
Moderator: Das verändert vermutlich auch den Blick auf Vorurteile zwischen Nationen.
Ina Jakobs: Genau. In meiner Praxis hatte ich immer einen Zettel hängen: „Nationalität? – Mensch.“ Ich wollte nie dieses Ausländerdenken haben.
Moderator: Vielen Dank, Frau Jakobs, für Ihre Geschichte.
Was Austausch für die Gesellschaft bedeutet
Moderator: Herr Böttcher, wir haben viel über interkulturellen Austausch gesprochen. Würden Sie sagen, dass Austausch nicht nur dem Einzelnen, sondern auch der gesamten Gesellschaft etwas bringt – gerade in geopolitisch schwierigen Zeiten?
Bernd Böttcher: Ja, auf jeden Fall. Natürlich bildet Reisen immer, nicht nur, wenn es in die USA geht. Je mehr junge Menschen in Europa mobil sind, desto mehr erfahren sie, wie andere leben. Sie erleben, dass Probleme vergleichbar sein können – und doch anders aufgenommen werden.
Wer solche Erfahrungen macht, lernt, mit interkulturellen Herausforderungen umzugehen, sich verständlich zu machen, Missverständnisse und Unterschiede auszuhalten.
Wenn viele Menschen das erleben, haben wir als Gesellschaft mehr Offenheit gegenüber Differenzen, anderen Perspektiven und anderem Verhalten. Das stärkt langfristig das Miteinander.
Moderator: Abschließend noch eine Meldung von einer WDR-5-Hörerin: Für sie war der Austausch ihrer beiden Söhne in den 90er-Jahren ebenfalls prägend – auch als Mutter. Sie schickte ein Kind in die USA und bekam im Gegenzug einen Jugendlichen zurück. Das Wort „Austausch“ kann man dann ganz wörtlich nehmen.
Moderator: Vielen Dank an alle Hörerinnen und Hörer für die Beteiligung bei „Quarks – Wissen im Gespräch“. Und herzlichen Dank an Bernd Böttcher von der Initiative „Austausch macht Schule“ für das Gespräch hier in WDR 5.
Hinweis: Im Transkript wurden einzelne Passagen leicht gekürzt.