Good Practice

GlücksSache

Vom Ausstellungsprojekt zur Austauschbegegnung
Schüler/-innen zeichneten, welche Glücksbringer es in Deutschland und Kroatien gibt

Glück kennt keine Grenzen. Mit Texten, Plakaten, Videofilmen, Fotografien, einer Ausstellung und einem Blog im Internet beleuchteten Jugendliche an zwei berufsbildenden Schulen in Varaždin (Kroatien) ihre Vorstellungen zum Thema Glück. In den Schülerinnen und Schülern des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Stuttgart fanden sie Gleichgesinnte, um sich im April 2017 eine Woche lang zum Austausch über Glückserfahrungen in Deutschland zu treffen.

Die Idee zum Deutschlernen mit multimedialer Glücksforschung kam von Anna Reinöhl, die als junge Freiwillige ein Jahr lang die kroatischen Schülerinnen und Schülern im Unterricht und in ihrer Freizeit begleitete.

"GlücksSache" wurde ermöglicht durch kulturweit, den internationalen Freiwilligendienst des Auswärtigen Amtes in Kooperation mit der Deutschen UNESCO-Kommission. Den Schüleraustausch mit Projektarbeit zwischen Stuttgart und Varazdin (Kroatien) unterstützte der PAD im Rahmen des Schulpartnerschaftsprogramms "Schulen: Partner der Zukunft".

Deutschlernen mit Glücksfaktor

Als Freiwillige unterstützt Anna Reinöhl die Lehrkräfte an der Elektrostrojarska Skola Varaždin und einer benachbarten Wirtschaftsschule ein Jahr lang beim Deutschunterricht. Die 19-jährige Abiturientin hat selbst gerade die Schule hinter sich gelassen und deshalb bewusst ein Thema gewählt, das für alle von großer Bedeutung ist und nicht sowieso im Unterricht behandelt wird. Mit "GlücksSache", wie sie ihr Projekt nennt, öffnete sie den Jugendlichen die Möglichkeit, sich mit ihren persönlichen Vorstellungen von Glück auseinanderzusetzen und darüber mit anderen in einen Austausch zu treten.

Nach den ersten Wochen stellte sie bereits fest, dass die Schülerinnen und Schüler über Themen, die sie betreffen, viel leichter ins Gespräch kommen. In 12 Klassen konnte sie im Deutschunterricht ihr Projekt vorstellen, die Idee der Ausstellung entwickeln und verschiedene Schwerpunkte zur Auswahl anbieten. Mit großer Begeisterung widmeten sich die Jugendlichen Themen wie "Macht mich Musik glücklich?", "Mein Glücksmoment" oder "Wie entstehen Glücksgefühle im Körper".

Während die Jüngeren in drei Stunden Deutschunterricht ihre Präsentationen für eine geplante Ausstellung vorbereiteten, nahmen sich die älteren Schüler teilweise mehrere Monate Zeit, um zum Themenkreis Glück Videofilme zu erstellen, Theaterstücke einzustudieren oder Fotos aufzunehmen. Die Schule zeigte sich offen für das multimediale freie Arbeiten der Jugendlichen, die mit großer Motivation an die Arbeit gingen. Unterstützt von ihrer kroatischen Deutschlehrerin lernten sie nicht nur in Kleingruppen zu arbeiten, sondern stärkten auch ihre Kompetenzen wie Sprechen, Schreiben und Diskutieren in deutscher Sprache.

Glück kann man austellen

Alles, was die Schülerinnen und Schüler zum Thema Glück entwickeln, wird von einem Online-Team im Deutschunterricht auf einem Blog veröffentlicht. So können sich die Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen Klassen miteinander austauschen und erhalten einen Überblick über den Stand ihrer schulischen Glücksforschung.

Das Glück geht auf Reisen

Anna Reinöhl wünschte sich, dass die kroatischen Schülerinnen und Schüler erfahren, dass sie Sprachen nicht allein für die Schule lernen, sondern selbst davon profitieren. Viele der Jugendlichen haben zwar seit der 1. Klasse Deutsch gelernt, waren jedoch noch nie im deutschsprachigen Ausland. So fragte Anna Reinöhl ihre frühere Deutschlehrerin am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Stuttgart, ob sie Interesse habe, das Projekt und den Austausch zu unterstützen. Intensiv bereiteten beide Seiten die Begegnung vor. Neue Ausstellungsstücke entstanden und ein Antrag beim PAD auf Unterstützung einer Projektreise zum Thema Glück hatte Erfolg.

Im April war es soweit und eine Woche lang trafen sich die kroatischen und deutschen Jugendlichen zu einem intensiven Programm. Es reichte vom Kennenlernen, einem Vortrag des Glücksforschers Karl-Heinz Ruckriegel über Workshops beim Staatstheater Stuttgart bis zum Gespräch mit Dr. Susanne Eisenmann im Kultusministerium Baden-Württemberg über die Förderung des Glücklichseins in der Schule. Fasziniert vom Austausch und dem Zusammenleben in den Gastfamilien, planen die 15- bis 17-jährigen Jugendlichen bereits den Gegenbesuch in Kroatien.

Veröffentlicht am: 17.10.2017