Über Grenzen hinweg: Internationaler Austausch von klein auf

„Sprachbrücken Bayern–Tschechien“ ermöglicht Kindern im Vorschul- und Grundschulalter erste Begegnungen mit dem Nachbarland. Beispiele aus dem ersten Programmjahr zeigen, wie niedrigschwellig internationaler Austausch beginnen kann.
Kinder reichen sich bei einer deutsch-tschechischen Begegnung die Hände.

Ein Ausflug in den Wald, gemeinsames Trommeln oder ein Vormittag im Museum: Internationaler Austausch muss nicht erst mit einer mehrtägigen Reise beginnen. Manchmal genügt schon eine kurze Fahrt über die Grenze, damit Kinder eine andere Sprache hören, Gleichaltrige aus dem Nachbarland kennenlernen und erleben, wie selbstverständlich Verständigung beim Spielen gelingen kann.

Seit Herbst 2025 unterstützt das Förderprogramm „Sprachbrücken Bayern–Tschechien“ solche ersten Begegnungen. Es richtet sich an Kindertagesstätten, Kindergärten, Familienzentren, Elterninitiativen, Grundschulen bis einschließlich der vierten Klasse und Vereine aus Bayern. Durchgeführt wird das Programm von Tandem – Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch. Gefördert werden Begegnungen mit tschechischen Partnereinrichtungen, spielerische Sprachmodule sowie der fachliche Austausch pädagogischer Fachkräfte. 

Die ersten Projekte zeigen, wie vielfältig die Möglichkeiten für internationalen Austausch mit jüngeren Kindern sind.

Gemeinsam unterwegs im bayerisch-tschechischen Grenzgebiet

Das Caritas-Kinderhaus St. Josef in Freyung pflegt bereits seit vielen Jahren eine Partnerschaft mit einem Kindergarten im tschechischen Bohumilice. Im Mai 2026 besuchten die angehenden Schulkinder ihre tschechischen Freundinnen und Freunde.

Nach der Begrüßung mit einem tschechischen Lied ging es gemeinsam zu einer Schnitzeljagd in den Wald. Die Kinder suchten Blumen, sangen, liefen um die Wette und malten mit Kreide. Am Ende wartete ein versteckter Schatz auf dem Fußballplatz. Beim anschließenden Frühstück und beim freien Spielen fanden die Kinder schnell zueinander – auch ohne viele gemeinsame Wörter.

Kinder aus Deutschland und Tschechien erkunden gemeinsam die Natur.

Dass sich solche Begegnungen mit der Zeit ganz selbstverständlich in den Kita-Alltag einfügen können, bringt der Abschlussbericht des Kinderhauses auf einen einfachen Punkt: „Wie immer verging viel zu schnell die Zeit!“

Wenige Wochen später trafen sich beide Gruppen erneut im Waldgeschichtlichen Museum St. Oswald. Ein zweisprachiger Begrüßungskreis, gemischte deutsch-tschechische Gruppen und viele Mitmachangebote machten auch diesen Tagesausflug zu einer gemeinsamen Erfahrung. 

Selbst das Wetter konnte die Begegnung nicht verderben: Als Regen und Gewitter einsetzten, wurde das Programm kurzerhand verkürzt.

Ein Tag im Nationalpark Soos

Wie eine solche deutsch-tschechische Begegnung aussehen kann, zeigt auch ein Film über das Kinderhaus „Unter'm Regenbogen“ aus Thiersheim und die Mateřská škola der Diakonie Cheb. 31 Kinder und fünf Erzieherinnen verbrachten einen gemeinsamen Tag im tschechischen Nationalpark Soos bei Franzensbad.

Zusammen wurde gefrühstückt, gesungen und gespielt. Die Kinder besuchten eine Tierauffangstation, erkundeten die Moorlandschaft und bestaunten Dinosaurier. Es war bereits das vierte Treffen der beiden Kindergärten innerhalb eines Jahres. Aus einzelnen Begegnungen war Schritt für Schritt eine lebendige Partnerschaft entstanden.

Verständigung über Klänge und Bewegung

Die Gemeinde-Kita Speinshart besuchte mit 18 Kindern und ihren Eltern den Partnerkindergarten im tschechischen Teplá. Im Mittelpunkt stand ein gemeinsamer Trommelworkshop im Kloster Teplá.

Kinder und Erwachsene probierten verschiedene Instrumente aus, erzeugten Klänge, die an Regen und Gewitter erinnerten, und folgten spielerischen Aufgaben des Musikpädagogen. Eine Sprachmittlerin übersetzte seine Erklärungen. Vieles erschloss sich jedoch unmittelbar über Rhythmus, Bewegung, Beobachtung und gemeinsames Ausprobieren.

Wie gut das funktionierte, zeigt auch der Abschlussbericht: „Diese Übungen machten allen Teilnehmern sehr viel Spaß und alle folgten gespannt seinen Erklärungen und Erzählungen.“

Nach dem Workshop aßen die Gruppen zusammen und die Kinder erkundeten den tschechischen Kindergarten. Den Abschluss bildete das gemeinsame Spiel im Garten.

Internationaler Austausch mit Kindern: Ein erster Schritt reicht

Die Beispiele machen deutlich: Für einen internationalen Austausch mit jüngeren Kindern braucht es kein umfangreiches Reiseprogramm. Ein gemeinsamer Ausflug, ein Naturerlebnis, ein Sporttag oder ein Musikprojekt können ein guter Anfang sein.

Ihre Wirkung entfalten solche Begegnungen durch die pädagogische Gestaltung: Erfahrene Fachkräfte bereiten die Kinder vor, schaffen passende Formen der Verständigung und begleiten das gemeinsame Erleben. So wird aus einem Ausflug ins Nachbarland eine altersgerechte internationale Lernerfahrung.

Sprachanimation erleichtert den ersten Kontakt

Deutsche und tschechische Kinder spielen gemeinsam in einem Kindergarten.

Eine wichtige Rolle übernimmt dabei oft auch die Sprachanimation: Mit Spielen, Bewegung, Musik und einfachen Wörtern weckt sie Neugier auf die Nachbarsprache und erleichtert den ersten Kontakt.

Das Förderprogramm „Sprachbrücken Bayern–Tschechien“ sieht deshalb eine sprachliche Komponente während der Begegnung oder bereits in der Vorbereitung vor. Tandem kann dafür auf erfahrene und qualifizierte Sprachanimateurinnen und Sprachanimateure zurückgreifen.

Zusätzliche Möglichkeiten bietet im bayerisch-tschechischen Grenzraum das Programm „Ahoj–Hallo!“. Tandem und die vier beteiligten Euroregionen bringen damit spielerische Sprachanimation in Kindergärten, Kindertagesstätten und Grundschulen. Die eingesetzten Sprachanimateurinnen und Sprachanimateure kennen beide Sprachen und Länder und sind speziell für die Arbeit mit jüngeren Kindern geschult.

Förderung für erste internationale Begegnungen

Das Förderprogramm „Sprachbrücken Bayern–Tschechien“ unterstützt Begegnungsprojekte mit bis zu 100 Prozent der Kosten. Anträge können laufend gestellt werden. Auch Einrichtungen ohne bisherige Erfahrung können sich beraten und bei der Suche nach einer tschechischen Partnereinrichtung unterstützen lassen.

Ähnliche Möglichkeiten gibt es auch für Begegnungen mit den anderen direkten Nachbarn Deutschlands: Das Deutsch-Französische Jugendwerk unterstützt deutsch-französische Begegnungen bereits für Kinder ab drei Jahren. Das Deutsch-Polnische Jugendwerk fördert unter anderem Austauschprojekte mit Grundschulen.

So kann internationaler Austausch früh beginnen: überschaubar in der Organisation, pädagogisch fundiert, nah am Alltag der Kinder und manchmal nur eine Busfahrt entfernt.

 

Das Förderprogramm „Sprachbrücken Bayern–Tschechien“ wird von Tandem – Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch durchgeführt und im Rahmen des „Anschubprogramms Tschechisch“ aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales finanziert.

 

Veröffentlicht am: 25.08.2026
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