DINA entwickelt sich prächtig

Nachgefragt bei
Benjamin Holm
DINA.International - digitale Begegnungsplattform der internationalen Jugendarbeit

Vor einem Jahr startete DINA.international, die digitale Begegnungsplattform für den internationalen Austausch. Schon damals haben wir mit Mitbegründer Benjamin Holm, Abteilungsleiter Innovation und Qualitätssicherung bei der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch, gesprochen – heute erzählt er uns von den Entwicklungen im ersten Jahr und davon, wie es mit DINA weitergehen soll.

Benjamin Holm (Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch)

Bald wird DINA ein Jahr alt – vielleicht kennen sie aber noch nicht alle. Was macht die Plattform aus und warum sollten sich Lehrkräfte für sie entscheiden?

Benjamin Holm: DINA.international geht auf eine Gemeinschaftsinitiative der Fach- und Förderstellen der Internationalen Jugendarbeit zurück. Die Plattform ist also auf die Bedürfnisse des Schüler- und Jugendaustauschs zugeschnitten. Sie stellt digitale Räume kostenfrei, werbefrei und unter Beachtung des Datenschutzes zur Verfügung. Diese Punkte wurden uns insbesondere von Schulen und Kultusministerien als zentral genannt.

Mit DINA.international stellen wir einen leicht bedienbaren Funktionsbaukasten zur Verfügung, der mehr als „nur“ Videokonferenz kann, bei dem es also um ECHTE Kollaboration und aktive Vernetzung geht. Die digitalen Aktivitäten rund um einen Schüleraustausch können mit DINA.international in einen Kontext gesetzt werden: Alle nutzen eine gemeinsame Plattform und können dort auch Angebote von anderen Akteuren finden. Zudem bleiben wichtige Informationen auch erhalten, denn im Unterschied zu einer Zoom-Konferenz wird bei uns der Chat gespeichert und ist auch noch nach einer Videokonferenz zugänglich.  

Auf der Plattform können für Projekte oder Austausche zudem eigene kleine Websites (Microsites) angelegt werden. Es können Präsentationen und Texte, aber auch kurze Portraits der Referent*innen oder ein Programm hinterlegt werden. Teilnehmendenlisten können direkt mit den Profilen der teilnehmenden Personen verknüpft werden – so gelingt es leichter, Kontakte zu knüpfen.

Wie ist die Plattform bisher angekommen bei der Zielgruppe?

Wir freuen uns sehr, dass wir mittlerweile 5.000 registrierte Nutzer*innen und über 300 Projekte verzeichnen dürfen. Und wir kriegen das Feedback, dass dem Datenschutz und Open Source Software immer mehr Bedeutung zuteil wird und unser Angebot deshalb geschätzt wird. Momentan sind die Austauschformate zwischen Deutschland und Tschechien auf DINA besonders aktiv, da der Bayrische Jugendring dem Datenschutz eine besondere Relevanz zugeschrieben hat.  

DINA.International - die digitale Begegnungsplattform der Internationalen Jugendarbeit

Was hat sich an DINA seit dem Start verändert?

Die Kernpunkte des Interviews von letztem Jahr gelten auch heute noch. Man muss allerdings sagen, dass viel in die Stabilisierung und Verbesserung kleinerer Prozesse der Plattform geflossen ist. Das ist auch nur logisch, da man bei neuer Software nach dem Release auf unterschiedlichste Anwendungsfälle aufmerksam gemacht wird.

Am meisten wurde investiert in die Stabilität von BigBlueButton - wer am Anfang Probleme mit BBB hatte, sollte unbedingt nochmal vorbeischauen! Und auch in Updates, neue Features und die virtuelle Dolmetsch-Kabine wurde viel investiert.

Apropos Dolmetschen: Der Austausch über Sprachgrenzen hinweg ist auch im digitalen Raum eine Herausforderung. Wie unterstützt DINA hierbei?

Als Plattform für den internationalen Austausch ist natürlich die Multilingualität ein großes Thema. Schon von Anfang an war DINA.international in acht Sprachen verfügbar – alle Partnersprachen der beteiligten Fach- und Förderstellen, d.h. neben Deutsch auch Französisch, Polnisch, Hebräisch, Arabisch, Russisch, Englisch und Tschechisch. Nun ist durch das neu gegründete Deutsch-Griechische Jugendwerk noch Griechisch hinzugekommen.

Für Onlinetreffen oder Videokonferenzen gibt es eine virtuelle Dolmetscher-Kabine, dadurch kann man eine dolmetschende Person einbinden. Für alle Sprachen, die bei einer Konferenz oder einem Treffen vertreten sind, können Sprachkanäle für die jeweiligen Simultanübersetzungen eingerichtet werden. Die Teilnehmenden können dann die entsprechende Sprache auswählen.

Diese Funktion möchte ich hervorheben, denn sie ist bisher einzigartig in einem kosten- und werbefreien Tool. Und gerade für internationale Begegnungen kann sie sehr wichtig sein. Wir haben viel Energie und Nerven in das Testen und Entwickeln reingesteckt – nun sind die technischen Probleme weiterstgehend gelöst.

Neu sind auch die multilingualen Felder beim Erstellen von Objekten auf DINA. Sie zeigen eingetragene Übersetzungen je nach eingestellter Sprache automatisch an, ohne dass man beispielsweise in einem Post einen deutschen UND russischen Text lesen muss.

Was kommt als nächstes?

In diesem Jahr wollen wir weiterhin Schulungen anbieten, um neue Lehrkräfte und Austausch-Organisator*innen mit den Möglichkeiten von DINA vertraut zu machen. (nächste Termine: 28. und 30. März von 18.30-20.30, die Termine bauen aufeinander auf, mehr Infos und Anmeldung hier)

Wir stellen in Kürze eine interessante Erweiterung vor: den Trainerpool. Im Profil von DINA kann sich schon jetzt jede*r – freiwillig natürlich – bereit erklären, als Trainer*in, Übersetzer*in oder Mentor*in bzw. Begleiter*in zur Verfügung zu stehen. Nach diesen Angeboten wird man auch suchen können. Durch Angaben zu Expertise, Region, Sprachkenntnissen, Tätigkeit finden damit Leute zusammen, die einander unterstützen und beraten können.

Bald werden auch das Streaming und die Aufzeichnung von Meetings möglich sein. Zudem soll BigBlueButton einen Bildavatar bekommen, die Dolmetsch-Kabinen werden schneller und technisch stabiler. Außerdem überlegen wir aktuell, ob eine App die Plattform ergänzen soll – diese würde ermöglichen, Funktionen der Plattform auf dem Handy in einer übersichtlichen Form zu nutzen.

Nun ist zudem bereits ein Re-Design der Plattform angesagt – was verändert sich damit?

Neben einem neuen Design geht es dabei vor allem um eine einfachere Bedienung. Wir erhoffen uns eine wesentlich intuitivere Bedienung, ohne an Funktionalität einbüßen zu müssen.

Durch das Re-Design wollen wir auch ein besseres Vernetzen durch unsere ChatApp RocketChat erreichen. Zudem soll die Plattform dabei helfen, Teilnehmende für Projekte zu gewinnen und zu betreuen. Eine übersichtliche, schlanke Projektkoordination in sicherer und werbefreier Umgebung ist dabei unser Ziel.

Gerade für Akteur*innen, die wiederholt mit DINA arbeiten, ist auch folgende Neuerung eine Erleichterung: die Kopierbarkeit von Tagungen, Gruppen, Projekten. So kann mit wenig Aufwand zum Beispiel ein bewährter Austausch aktualisiert und mit neuen Schüler*innen durchgeführt werden.

Wie wird DINA einmal aussehen, wenn es mit der Entwicklung so weitergeht?

DINA  wird mit neuem Design übersichtlicher und hübscher. Noch mehr BBB Funktionen sollen dazukommen, wir bekommen demnächst die Version 2.4. Damit kann man zum Beispiel ein eigenes Hintergrundbild einrichten oder auch den Hintergrund blurren, also verschwimmen lassen. Zudem wird es einen Warteraum für Gäste geben.

Wir wollen auch Angebote schaffen, um seine Gruppen, Events etc. bewerben zu können, und auch sich selbst zum Beispiel als Übersetzer*in, Trainer*in etc. anzubieten. Ob das über eine Erweiterung des Trainerpools oder „intelligentes Bewerben“ laufen wird, ist noch unklar.

Nicht zuletzt planen wir die Einbindung weiterer Apps, die datenschutzmäßig sicher sind. Und auch das Stichwort „digital learning“ wird uns in nächster Zeit begleiten. Nicht zuletzt planen wir auch die Öffnung für und die Einbindung von externen Apps und Websites.

Wir hoffen und warten alle darauf, dass Präsenzbegegnungen bald wieder möglich sein werden. Wo sehen Sie die Einsatzbereiche von DINA nach der Pandemie?

Auch bei Präsenzbegegnungen können digitale Elemente eine wichtige Ergänzung darstellen. Und gerade die momentane Globalisierungskrise wird die Bedeutung digitaler Austausch weiterhin verstärken.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Christine Bertschi.

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