Berichte

Mit dem PolenMobil fit für den Austausch

Das PolenMobil kann auch gezielt auf den Schulaustausch vorbereiten
PolenMobil_Sprachanimation

Zwei PolenMobile fahren das ganze Jahr durch Deutschland und besuchen Schulen (wir stellten das Projekt kürzlich hier vor). Doch wie gestaltet sich so ein Besuch und wie kann er auf einen Austausch vorbereiten?

Ein Donnerstag im Februar, um 9:35 Uhr in Braunschweig. Das PolenMobil besucht heute die Gesamtschule Franzsches Feld. Am Steuer sitzt Susanne Albani – sie ist nicht nur Projektkoordinatorin, sondern bringt auch vor Ort Schulklassen das Nachbarland Polen näher. Bis zum Mittagessen kurz vor 13 Uhr hat sie heute mit den 16-18-jährigen Schüler*innen Zeit. Die Jugendlichen sind motiviert, schließlich besuchen sie die Polnisch AG und bereiten sich auf ihren Schulaustausch in Danzig/Gdańsk vor. Der Besuch des PolenMobils stellt zudem das letzte Treffen vor der Fahrt dar – die Spannung steigt!

Susanne Albani ist diesmal alleine unterwegs – sonst meist zu zweit, eine*r für die Landeskunde, eine*r für die Sprachanimation. In manchen Schulen bleibt das PolenMobil für 90 Minuten, in Braunschweig ganze vier Unterrichtsstunden. Beide Längen haben ihre Vorteile, erklärt die Projektkoordinatorin: „Das 90-minütige Modul bietet sich sehr gut für einen ersten Eindruck an, da es problemlos in den Unterricht integriert werden kann. Der 180-minütige Workshop ermöglicht eine intensivere Auseinandersetzung und ist daher insbesondere für die Vorbereitung eines Schüleraustauschs besser geeignet.“

Gegenseitiges Kennenlernen

Die ersten fünf Minuten sind der Begrüßung gewidmet. Mit einer großen begehbaren Plane, die Polen und Deutschland zeigt, stellt Albani das Projekt auf Deutsch vor. Und dann sich selbst auf Polnisch. Der erste Aha-Effekt für die Jugendlichen: Als Deutsche kann man Polnisch lernen! Und: Sie haben manches verstanden, obwohl sie nicht Polnisch lernen: Frankfurt nad Odrą, studiować, Polska…

Um die Klasse etwas kennenzulernen, geht es mit Fragen weiter: Bist du schon einmal in Polen gewesen und wenn ja, wie oft? Kennst du eine berühmte Person aus Polen? Kennst du ein Wort auf Polnisch? Die Schülerinnen und Schüler stellen sich, je nach Antwort, in verschiedene Ecken. Nicht selten – und so auch in dieser Gruppe – trifft das PolenMobil auf einen Schüler mit polnischer Abstammung. Doch die meisten von den Braunschweigern waren noch nie in Polen.

In grenznahen Regionen berichten die Kinder und Jugendlichen meist mehr aus dem eigenem Erleben: von alltäglichen Besorgungen wie Einkaufen, Tanken oder Restaurantbesuchen. Manchmal können die Schüler*innen auch von persönlichen Kontakten durch ihre Sportvereine, der Freiwilligen Feuerwehr, Freunden und Bekannten berichten. „Oft speisen sich ihre Vorstellungen von Polen nur aus Erfahrungen in den unmittelbaren Grenzstädten und sind damit mitunter natürlich auch einseitig“, erklärt Susanne Albani. Im Südwesten Deutschlands hingegen haben manche Kinder eine polnische Putzfrau oder eine Pflegekraft zu Hause. Und überall kennen die Jugendlichen ein paar Fußballer aus Polen, und natürlich auch Daggi Bee und Mark Forster – aber dass die etwas mit Polen zu tun haben könnten, hätte niemand geahnt!

PolenMobil_Fragen der SuS

In einer Fragerunde dürfen die Jugendlichen anonym aufschreiben, was sie interessiert. Die Antworten werden dann an passender Stelle mit ins Programm eingebaut. „Wenn Stereotypen angebracht werden, gehen wir natürlich darauf ein. Aber wir thematisieren sie nicht unbedingt aktiv, es würde zu viel Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen, diese alle zu durchleuchten. Wir wollen auch andere Themen aufgreifen“, erklärt Susanne Albani.

Danach geht’s los mit Smalltalk auf Polnisch: Via Sprachanimation findet eine Vorstellungsrunde statt: ohne große Erklärung einfach drauf los reden. „Ich fange an, laufe im Kreis herum, schüttle Hände und stelle mich vor: Cześć, mam na imię Susanne. Jak masz na imię?“. Gestik und mehrmaliges Wiederholen entlockt dem ersten seinen Vornamen und erste Versuche, den Satz nachzuahmen. Dann nochmal für alle: vorsprechen, nachsprechen, von der Tafel lesen und kleine Begrüßungsszenen durchspielen.

Landeskunde multimedial

PolenMobil_Landkarte

Nun kommt die begehbare Landkarte noch einmal zum Einsatz: sie bietet einen geographischen Überblick und Städteansichten. „Ich zeige den Schülerinnen und Schülern anhand der großen Landkarte, welche Gemeinsamkeiten Polen und Deutschland haben: Im Norden die Ostsee, im Süden Berge, beide Hauptstädte im Nord-Osten“, erklärt Susanne Albani. Dann klären sie die Nachbarländer Polens und ihre Hauptstädte: Wer eins weiß, stellt sich auf die Karte. Zusätzlich gibt es Hintergrundinformationen: „Ich zeige auf, wie sich die Beziehungen zwischen Polen und seinen Nachbarländern in der Vergangenheit gestalteten und bis in die Gegenwart entwickelt haben.“

Um die Beziehungen zu seinen europäischen Nachbarn zu verdeutlichen, bietet sich ein Blick auf die Verschiebung der Grenzen Polens an. Dazu zeigt Albani einen Kurzfilm und fragt hinterher, wann Polen sehr groß war und  wann es nicht mehr existiert hat. Insbesondere die Grenzverschiebungen zwischen Deutschland und Polen interessieren und führen zur Frage, wo heute Polen und Deutsche leben, und wie das früher war, etwa vor dem Zweiten Weltkrieg.

Zur Illustration des heutigen Polens schauen alle zusammen einige Fotos über Power Point an, von Regionen wie der Hohen Tatra, der Ostsee, den Masuren, dem Nationalpark und letztem Urwald Europas Białowieża, Krakau, Warschau – und auch Danzig, wo die Jugendlichen aus Braunschweig demnächst hinfahren. Die Bilder bleiben nicht unkommentiert, Susanne Albani erzählt jeweils ein paar Geschichten und Anekdoten zu den Orten.

PolenMobil_Spiel

Es folgt ein interkulturelles Memory: Jede*r bekommt ein Kärtchen und muss die Person mit dem passenden Gegenstück finden: Etwa gehören „Danke“ und „Dziękuję“ zusammen, das Brandenburger Tor und der Kulturpalast, oder Goethe und Mickiewicz.

Bei der Frage, wie Polen uns Deutsche sehen, entspinnt sich eine Diskussion über die aktuelle politische Lage. Ob es etwa Probleme bereite, auf der Straße Deutsch zu sprechen. Zusammen mit Susanne Albani sammeln die Jugendlichen Fakten über die Regierungspartei und ihre Politik, sie gibt ein paar Hintergrundinformationen zur Gesellschaft, ihrer Spaltung und unterschiedlichen Ansichten – auch in Bezug auf die Beziehung zu Deutschland, derzeitige Kämpfe und Demonstrationen innerhalb der polnischen Gesellschaft. „Ich ermutige, sich auf die Begegnungen einzulassen, offen zu sein, nicht alle Polen über einen Kamm zu scheren. Wenn sich auch nicht verneinen lässt, dass die Situation zwischen Deutschland und Polen derzeit angespannter ist als noch vor ein paar Jahren, ist es wichtig, zwischen der Politik und den direkten persönlichen Begegnungen zu differenzieren.“ Ein Pluspunkt sei, dass die Braunschweiger Polnisch AG bald in Polen auf Jugendliche treffen und durch die Begegnung selbst einige Antworten auf ihre Fragen bekommen werde.

Angepasst an Interessen und Jahreszeiten

Nach einer Pause geht es weiter mit Sprachanimation: nun lernen die Jugendlichen mithilfe eines Bewegungsspiels, wie man nach dem Befinden fragt. „Das Spiel bringt immer eine gute Abwechslung und jede Menge Spaß und die polnischen Wörter lernen sich dabei wie von alleine – wie das bei Sprachanimation auch sein sollte“, erklärt Susanne Albani.

Der folgende landeskundliche Teil ist der Jahreszeit angepasst: Fastenzeit und Ostern stehen deshalb auf dem Programm. Zu den besonderen polnischen Ostertraditionen zeigt Albani eine Power-Point-Präsentation mit Quizelementen: Was gehört alles in den Osterkorb? Ein Film zum Ostermontag und dem gegenseitigen Begießen mit Wasser zeigt eine weitere Tradition, die den deutschen Schülerinnen und Schülern fremd war. „Mit diesem Programmteil habe ich das Interesse der Gruppe nach Traditionen aufgegriffen, einige Fragen vom Anfang konnten hier beantwortet werden.“

PolenMobil_Quiz

Ein Quiz erlaubt es Susanne Albani, eine ganze Menge über Polen zu erzählen: über berühmte Personen, die Geschichte, den Alltag und das Essen. Vier Gruppen treten gegeneinander an, Susanne Albani stellt eine Frage, gibt den Schüler*innen eine kurze Bedenkzeit, dann kommt das Kommando „raz, dwa, trzy!“, und sie müssen eine Antwortkarte (A,B, C oder D) hochhalten. Als Bonus folgt auf das Quiz noch ein Liederraten – so vermittelt sie Aktuelles aus der Jugendkultur und der polnischen Musikszene. Jede Gruppe bekommt eine Karte mit einem Foto der Band oder des Sängers, der Sängerin sowie dem polnischen Liedtitel. „Wir spielen das Lied, die Gruppe muss die Karte hochhalten, sobald sie ihren Song erkannt hat“, erklärt die Sprachanimatorin. Dass das Spaß macht, braucht man wohl nicht extra zu erwähnen.

Und auch 180 Minuten sind bald rum, so geht es zur Abschlussrunde. Susanne Albani holt ein Kurzfeedback ein: interessant, nie langweilig und sehr anregend war der Vormittag. Zudem  hätte der Workshop ruhig länger dauern und zu einem früheren Zeitpunkt stattfinden können, damit die Motivation für die Fahrt schon eher angelegt worden wäre. Die Verabschiedung findet natürlich auf Polnisch statt, und es gibt sogar Geschenke: polnische Karamellbonbons namens „krówki“.

Nach dem Schulaustausch in Gdańsk meldet sich die Braunschweiger Polnisch AG noch einmal bei Susanne Albani. Die Lehrerin Astrid Schrobsdorff schreibt: „Während der Fahrt hat sich herausgestellt, wie gut Dein Besuch auf die Fahrt vorbereitet hat: besonders die Sprachspiele blieben im Gedächtnis und die SchülerInnen hatten keine Probleme, auf die polnischen Partner zuzugehen und sie auf Polnisch zu begrüßen und sich vorzustellen. Sofort war der anfängliche Bann gebrochen und erste Kontakte wurden geknüpft. Schon während der langen Zugfahrt wurde eifrig geübt: Jak masz na imię? Mam na imię... Im Laufe der Woche kamen noch einige Worte  hinzu. Den Anfang hast Du gelegt!“ Auch die Landeskunde wurde vor Ort wichtig, die Schülerinnen und Schüler waren für manche Themen bereits sensibilisiert und konnten neue Informationen einordnen. Und der Schulaustausch bleibt nicht einseitig: Im Juni werden die Braunschweiger Jugendlichen 15 polnische Mädchen aus der Partnerschule bei sich zu Gast haben.

Die PolenMobile sind für dieses Schuljahr so gut wie ausgebucht, über Anfragen für das neue Schuljahr freut sich das Team.

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