Freiwillige Berufliche Praktika: Auslandspraktika zwischen Deutschland und Tschechien
Auch ohne perfekte Sprachkenntnisse ein Praktikum im Ausland absolvieren? Mit dem Programm „Freiwillige Berufliche Praktika“ von Tandem – Koordinierungszentrum Deutsch-Tschechischer Jugendaustausch können Auszubildende ein Auslandspraktikum im Nachbarland absolvieren und dabei internationale Berufserfahrungen sammeln und von zwei Wochen bis zu mehreren Monaten ins Leben der Nachbarn eintauchen.
Ziel ist es, jungen Menschen reale Einblicke in Arbeitsprozesse im Ausland zu ermöglichen und ihre beruflichen wie persönlichen Kompetenzen zu stärken.
„Mein Gefühl aus dem Praktikum ist, dass wir etwas Neues gelernt haben, weil wir an unserer Schule keine solchen Möglichkeiten haben wie hier in der Firma“, sagt etwa ein angehender Maschinenbauer nach seinem Einsatz in Tschechien. Solche Erfahrungen stehen beispielhaft für das Ziel des Programms: berufliche Kompetenzen erweitern und neue Perspektiven eröffnen.
Berufliche Praktika in verschiedenen Branchen: Vom Handwerk bis zu sozialen Berufen
Das Programm richtet sich an Berufsschulen, Ausbildungsbetriebe und überbetriebliche Ausbildungseinrichtungen, die Praktika für Auszubildende aus Deutschland und Tschechien im jeweiligen Nachbarland ermöglichen möchten. Dabei handelt es sich in der Regel um Gruppenpraktika.
„An unserem Programm nehmen nicht ganze Klassen teil, sondern ausgewählte Interessent:innen“, erklärt Jana Kremling, pädagogische Mitarbeiterin bei Tandem und verantwortlich für das Programm „Freiwillige Berufliche Praktika“. Die Gruppengröße hänge auch von den Möglichkeiten der aufnehmenden Einrichtung ab: „Pro Einsatzstelle arbeiten meist ein oder zwei Praktikant:innen. Außerdem müssen Unterbringung und Betreuung gewährleistet sein.“
Über 7.000 Auszubildende haben bereits ein Praktikum in Deutschland oder Tschechien absolviert – und dabei nicht nur berufliche Kompetenzen erweitert, sondern auch Selbstständigkeit, interkulturelle Fähigkeiten und neue Perspektiven gewonnen.
Ein Blick auf die vertretenen Berufsrichtungen zeigt die Bandbreite des Programms: Besonders häufig vertreten sind kaufmännische Berufe, Gastronomie, Bauwesen und soziale Berufe – daneben nehmen regelmäßig auch Auszubildende aus Handwerk, IT, Lebensmittelproduktion oder dem sozialpädagogischen Bereich teil.
So absolvierten beispielsweise drei angehende Erzieher:innen ein mehrwöchiges Praktikum in Tschechien – zwei in einem deutsch-tschechischen Kindergarten in Pilsen, ein weiterer an der Deutschen Schule Prag. Sie beschreiben ihre Erfahrungen etwa so:
„Ich habe fachlich enorm profitiert – besonders im Bereich interkulturelle und mehrsprachige Bildung – und ganz unterschiedliche pädagogische Konzepte kennengelernt. Gleichzeitig habe ich Prag auch kulturell intensiv erlebt und gelernt, mich in einem völlig neuen Arbeitsumfeld sicher zu bewegen.“
Auch eine Praktikantin, die in einem deutsch-tschechischen Kindergarten in Pilsen tätig war, betont die besondere persönliche Entwicklung:
„Durch mein Praktikum habe ich zunächst meine Sprachkenntnisse erweitert. Ich wurde aber auch viel selbstständiger, mein Selbstvertrauen ist enorm gewachsen und ich habe mich zunehmend getraut, viele Dinge selbst zu übernehmen. Das war eine wirklich große Lernerfahrung für mich.“
Sprachbarrieren abbauen – Sicherheit gewinnen
Tschechisch-Sprachkenntnisse sind keine Voraussetzung für die Teilnahme. „Natürlich spielt Sprache eine große Rolle“, sagt Jana Kremling. „Aber wir nehmen den Jugendlichen in der Vorbereitung die Angst.“ Zu Beginn jedes Praktikums finden bis zu zwei Vorbereitungstage mit Sprachanimation und interkultureller Orientierung statt.
Dabei werden grundlegende Sprachkenntnisse vermittelt, Fachwortschatz eingeführt und organisatorische Fragen geklärt. Anders als im klassischen Unterricht lernen die Teilnehmenden hier spielerisch wichtigen Wortschatz für ihren Arbeitsalltag. Die Teilnehmenden lernen ihren Praktikumsort kennen und gewinnen Sicherheit für den Start in der neuen Umgebung.
„Viele machen sich im Vorfeld große Sorgen, wie die Verständigung klappen wird“, so Jana Kremling. „Nach dem Praktikum sind die meisten stolz, dass sie gemerkt haben: Es funktioniert – manchmal mit Englisch, manchmal mit ein paar Worten Deutsch oder Tschechisch, und manchmal einfach mit Händen und Füßen.“
Das bestätigt auch eine tschechische Praktikantin aus dem Friseurhandwerk, die erstmals in Deutschland war:
„Ich hatte Sorge wegen der Sprache. Aber auch ohne Deutschkenntnisse konnte ich mich auf Englisch verständigen. Im Salon wurde mir alles erklärt, ich wurde eingebunden und hatte immer genug zu tun.“
Unterstützung durch Tandem: Organisation, Partnersuche und Förderung
Tandem unterstützt interessierte Schulen und Betriebe bei ...
der Suche nach einer passenden Partnereinrichtung im Nachbarland
der Beratung zur geeigneten Förderform
der organisatorischen Vorbereitung
der Durchführung der Vorbereitungstage
Besonders attraktiv: Auch Einrichtungen ohne eigene Erasmus+-Akkreditierung können über das von Tandem koordinierte Konsortium gefördert werden. Alternativ stehen Mittel des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds zur Verfügung.
„Lehrkräfte und Ausbilder:innen haben oft Sorge vor dem organisatorischen Aufwand“, erklärt Jana Kremling. „Sie fragen sich, ob sie genug Interessierte finden oder ob sich der Aufwand lohnt.“ Gerade in kleineren Unternehmen und Betrieben stelle sich zusätzlich die Frage, wie der Ausfall einer Arbeitskraft kompensiert werden könne. Doch die langfristigen Vorteile überwiegen:
„Die Auszubildenden werden selbstständiger, offener und vergleichen ihre Ausbildung mit der im Nachbarland. Internationale Mobilität stärkt auch das Profil der Einrichtung.“
Alle Teilnehmenden erhalten nach dem Praktikum einen Europass Mobilität als offiziellen Nachweis ihrer Auslandserfahrung. Die beteiligten Einrichtungen erhalten zudem eine Urkunde als sichtbares Zeichen ihres Engagements für internationale Mobilität.
Wenn aus dem Praktikum mehr wird
Die hohe Zufriedenheit der Teilnehmenden zeigt sich immer wieder: Viele berichten von einem deutlichen Kompetenzzuwachs – fachlich wie persönlich. Einige entscheiden sich sogar dafür, erneut ins Nachbarland zu gehen oder ihre berufliche Zukunft international auszurichten.
„Es ist nicht immer einfach, Jugendliche für ein freiwilliges Praktikum zu gewinnen“, sagt Jana Kremling. „Viele waren noch nie alleine im Ausland. Aber wenn sie teilnehmen, berichten über 90 Prozent, dass es eine sehr gute Erfahrung für sie war.“
Auch Einrichtungen profitieren
Vom Auslandspraktikum profitieren nicht nur die Auszubildenden, sondern auch die beteiligten Schulen und Betriebe. Internationale Kooperationen erweitern Netzwerke, erhöhen die Attraktivität als Ausbildungsort und stärken die europäische Ausrichtung der Einrichtung.
„Wir haben etwas zu bieten – und warum sollte man im Ausland nicht erfahren, wie es bei uns funktioniert?“, bringt es ein beteiligter Ausbilder auf den Punkt.
Das Programm „Freiwillige Berufliche Praktika“ zeigt, wie berufliche Bildung über Grenzen hinweg gestaltet werden kann – praxisnah, partnerschaftlich und mit nachhaltiger Wirkung.