Berichte

Bildung in Deutschland 2020

Anforderungen an internationalen Schüleraustausch im Licht des aktuellen Bildungsberichtes
Digitale Bildung in der Schule

Der Nationale Bildungsbericht beschreibt alle zwei Jahre das deutsche Bildungssystem auf Basis statistischer Analysen. Sein Fokus reicht von der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung bis zur Weiterbildung im Erwachsenenalter. Der Bericht für 2020 legt im Schwerpunktkapitel den Fokus auf das Thema „Bildung in einer digitalisierten Welt“. Die Befunde sind in Teilen auch für den internationalen Schüleraustausch relevant.

Für den Bereich der allgemeinbildenden Schulen diagnostizieren die Autor*innen drei Trends:

  • Der seit vielen Jahren anhaltende Entwicklung hin zu höheren Bildungsabschlüssen stagniert und die Zahl der Schüler*innen an Gymnasien geht zurück. Die Anzahl der Schüler*innen an Sekundarschulen mit zwei oder drei Bildungsabschlüssen hingegen steigt.
  • Das deutsche Schulsystem wird inklusiver. Seit 2008 hat sich der Anteil von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf, die eine allgemeinbildende Schule besuchen, verdoppelt (2018: 42%).
  • Die Digitalisierung der Bildung ist auf dem Vormarsch, allerdings werden ihre Potenziale für den Unterricht noch nicht ausgeschöpft.

Diese sind auch für die Weiterentwicklung des internationalen Schüleraustauschs von nicht unerheblicher Bedeutung:

Schüleraustausch an allen Schulformen

Das Ziel der Initiative »Austausch macht Schule« ist es, dass jede Schülerin und jeder Schüler, unabhängig vom individuellen Bildungsweg, einmal während der Schulzeit an einem internationalen Schüleraustausch teilnehmen kann. Diese, maßgeblich auf dem Wert der Bildungsgerechtigkeit fußende Vorstellung, lässt sich nur dann verwirklichen, wenn internationaler Schüleraustausch flächendeckend und an allen Schulformen als Bildungsangebot verankert wird.

Leider sind wir in Deutschland von diesem Ideal noch weit entfernt, denn bislang sind es lediglich 17% der Schüler*innen, die als Teil einer Gruppe bzw. 5%, die individuell an einem internationalen Schüleraustausch teilgenommen haben. Unter ihnen sind jene, die einen hohen Bildungsabschluss anstreben, deutlich überrepräsentiert. Anders gesagt: Es sind traditionell die Gymnasien, an denen der größte Anteil der Austausche stattfindet.

Wie passen die anfangs zitierten Befunde des Berichtes zu dieser bildungspolitischen Herausforderung? Dem Bedeutungsgewinn der Sekundarschulen mit mehreren Bildungsabschlüssen (je nach Bundesland „Gesamtschule“, „Gemeinschaftsschule“, „Stadtteilschule" ...) sollte durch neue, der Schulform angepasste Austauschformate Rechnung getragen werden. Dazu sollten entsprechende Förder- und Entwicklungsprogramme durch die Landesregierungen aufgelegt oder unterstützt werden.

Mit Blick auf den längerfristigen individuellen Austausch (Auslandjahr) muss das Auslands-BAföG nun endlich auch Nicht-Gymnasiasten zugänglich gemacht werden.

Inklusiver Schüleraustausch

Eine besondere Aufgabe für den Schüleraustausch stellt sich aufgrund der fortschreitenden Inklusion im Bereich allgemeinbildender Schulen. Hier steht die fachliche Diskussion noch ganz am Anfang, denn es existiert bislang kaum geteiltes Wissen darüber, wie internationaler Schüleraustausch von bzw. mit Menschen mit Behinderung gelingen kann. Um den, in der UN-Behindertenrechtskonvention festgelegten Anspruch auf gleichberechtigten Zugang zu Bildung zu erfüllen, sollten daher Kultusverwaltungen Schulen methodisch und finanziell dabei unterstützen, inklusive Ansätze für internationalen Schüleraustausch zu entwickeln und umzusetzen.

In diesem Zusammenhang lohnt sich ein Blick über den Tellerrand zur internationalen Jugendarbeit: Im Rahmen des Projektes VISION:INKLUSION wurden beispielsweise Leit- und Handlungsziele zur Entwicklung einer eigenen Inklusionsstrategie erarbeitet, die auch als Anregung für Schulen genutzt werden können.

Schüleraustausch als Anwendungsfeld digitaler Bildung

Nicht zuletzt durch die Corona-Krise hat die Digitalisierung auch im Bereich des internationalen Schüleraustausches an Bedeutung gewonnen. Mit #WirBleibenImAustausch zeigt »Austausch macht Schule«, wie internationale Bildungsprojekte auf Distanz und mit Hilfe des Internets umgesetzt werden können.

Voraussetzung ist allerdings, dass an den Schulen, neben technischer Ausstattung und Know-How, auch Lehrkräfte vorhanden tätig sind, die über die nötigen pädagogischen bzw. didaktischen Fähigkeiten verfügen, die erforderlichen digitalen Kompetenzen zu vermitteln. Bei Letzterem sehen die Autor*innen des Berichtes in den allgemeinbildenden Schulen noch generell Entwicklungsbedarf, denn sehr häufig würden digitale Medien lediglich als Ersatz für traditionelle Medien genutzt, etwa wenn die Tafel durch das Smartboard ersetzt wird.

Online-gestützte Bildungskooperationen mit einer Schule im Ausland sind dem gegenüber eine deutlich bessere Möglichkeit, Schüler*innen digitale Kompetenzen anwendungsbezogen zu vermitteln. Sie sollten in diesem Sinne noch viel häufiger als bisher genutzt werden.