Deutsch-französischen Schüleraustausch aufbauen – Schritt für Schritt zur Schulpartnerschaft

Wie das DFJW beim Aufbau von Schulpartnerschaften helfen kann
Während einer Schülerbegegnung sind Lektoren von FranceMobil im Einsatz

Internationale Begegnungen gehören zu den prägendsten Lernerfahrungen, die junge Menschen in der Schule erleben können: Wenn Jugendliche Gleichaltrigen aus einem anderen Land begegnen oder gemeinsam Projekte entwickeln, erleben sie den Alltag in einer anderen Kultur und durchlaufen Lernprozesse, die weit über den Fachunterricht hinausgehen.

Deshalb finden viele Lehrkräfte und Schulen die Idee einer Schulpartnerschaft grundsätzlich attraktiv. Aber oft bleibt es bei der Überlegung – zu groß erscheint der organisatorische Aufwand, zu unübersichtlich die Planung, zu hoch die Verantwortung. 

Hier setzt das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) mit seinen Unterstützungsangeboten an, die Schulen beim Einstieg begleiten. Wir werfen im Folgenden einen Blick auf die einzelnen Instrumente und stellen die Möglichkeiten Schritt für Schritt vor. 

Schulpartnerschaften eröffnen neue Lernräume

Deutsch-französische Schulbegegnungen eröffnen Lerngelegenheiten, die sich im regulären Unterricht nur schwer herstellen lassen. Schülerinnen und Schüler erleben sich im Alltag mit einer neuen Sprache, müssen sich verständigen, Missverständnisse klären und gemeinsam Lösungen finden. Dabei stoßen sie auf andere Lebensrealitäten und entwickeln interkulturelle Kompetenzen.

Diese Erfahrungen verlaufen nicht immer konflikt- oder fehlerfrei – gerade darin liegt aber das Lernpotenzial: Jugendliche erleben, dass sie Herausforderungen bewältigen können, und erfahren Selbstwirksamkeit. Gleichzeitig lernen sie sich zu orientieren – sowohl innerhalb der eigenen Gruppe als auch im Kontakt mit der Gruppe der Partnerschule.

Typische Lernerfahrungen bei einem deutsch-französischen Austausch sind beispielsweise:

  • Begegnung mit Gleichaltrigen aus Frankreich bzw. Deutschland
  • Perspektivwechsel und interkulturelles Lernen
  • neue Motivation für das Lernen der Partnersprache
  • Erfahrungen mit Europa im Alltag junger Menschen
  • Jugendliche erleben sich in einem neuen Umfeld und entdecken dabei oft bisher wenig sichtbare Fähigkeiten
  • sie lernen, sich in unbekannten Situationen zu orientieren und neue Perspektiven auf sich selbst und ihr Umfeld zu entwickeln
    Sprache wird als reales Kommunikationsmittel erlebt
  • durch die Fremdheitserfahrung wächst Empathie für andere

Schulpartnerschaften sind dabei für alle Schulformen geeignet - nicht nur für Gymnasien. Auch Real- oder Mittelschulen, Gesamtschulen, berufliche Schulen – und in manchen Fällen sogar Grundschulen – pflegen Schulpartnerschaften und Begegnungen. 

Letztlich lernen immer auch die Schulen und ihre Lehrkräfte voneinander. Der Ansatz kann durchaus ein pragmatischer sein, denn Schulpartnerschaften müssen nicht von Anfang an perfekt ausgearbeitet sein. Viel wichtiger ist es, erste Begegnungen zu ermöglichen, Austausch als gemeinsamen Entwicklungsprozess zu verstehen und zusammen Erfahrungen zu sammeln. 

Einen deutsch-französischen Austausch aufbauen – Schritt für Schritt

Schüleraustausch und Schulpartnerschaften entstehen selten auf einmal. Meist entwickeln sie sich Schritt für Schritt: Aus der Anfangsidee, der Suche nach einer Partnerschule oder dem Kontakt zwischen Lehrkräften entstehen sie bei der gemeinsamen Vorbereitung bis zu den ersten gegenseitigen Besuchen.

Erfahrungen aus den Begegnungen werden anschließend gemeinsam reflektiert und bilden die Grundlage für eine verlässliche Zusammenarbeit, oft über viele Jahre hinweg. Für diese Schritte stellt das Deutsch-Französische Jugendwerk konkrete Unterstützungsangebote bereit und begleitet Schulen beim Aufbau von Austauschprojekten und deren nachhaltiger Entwicklung.

1. Idee entwickeln und das Kollegium gewinnen

Meist beginnt es mit dem Engagement einzelner Lehrkräfte. Dabei stellt sich die Frage: Ist ein Austausch auch an unserer Schule möglich? Damit aus dieser Idee ein Projekt wird, braucht es Unterstützung im Kollegium und Rückhalt durch die Schulleitung.

Informationsmaterialien oder Beispiele aus anderen Schulen können helfen, die Idee eines Austauschs vorzustellen und erste Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu gewinnen.

Um Lehrkräfte bei diesem Einstieg zu unterstützen, hat das DFJW kurze Videotutorials entwickelt. Sie erklären anschaulich, wie deutsch-französische Schulbegegnungen funktionieren und welche Möglichkeiten es für Schulen gibt.

Ein Video zeigt beispielsweise, warum Austauschprojekte für Schulen und Jugendliche besonders wertvoll sein können:

 

2. Eine Partnerschule in Frankreich finden

Der nächste Schritt besteht darin, eine passende Partnerschule zu finden. Häufig entstehen solche Kontakte über bestehende Netzwerke, über Partnerregionen oder über spezielle Plattformen für Schulpartnerschaften. Auch bietet das DFJW Unterstützung mit Beratungsmöglichkeiten für Lehrkräfte, die eine Schulpartnerschaft aufbauen wollen.

Für die Partnersuche ist das etwa die Partnerbörse der Plattform DOMINO. Lehrkräfte können hier gezielt nach Partnerschulen in Frankreich suchen oder eigene Gesuche einstellen. Durch verschiedene Filter lässt sich die Suche nach Schulform, Region oder Projektschwerpunkten eingrenzen.

Die Plattform funktioniert wie eine deutsch-französische Partnerbörse für Schulen und erleichtert insbesondere den Einstieg in neue Schulpartnerschaften.

DOMINO Plattform zur Suche nach Partnerschulen in Deutschland und Frankreich

 

3. Den deutsch-französischen Austausch vorbereiten

Ist eine Partnerschule gefunden, beginnt die eigentliche Vorbereitung der Begegnung. Dazu gehören organisatorische Fragen ebenso wie die inhaltliche Gestaltung des Austauschs.

Wichtig ist: Ein Schüleraustausch ist mehr als ein touristischer Aufenthalt. Häufig entwickeln die beteiligten Lehrkräfte deshalb ein gemeinsames Thema oder eine gemeinsame Arbeitsidee, an der beide Schülergruppen während der Begegnung arbeiten. Das kann zum Beispiel eine gemeinsame Präsentation, ein Projekt zu einem lokalen Thema oder eine Auseinandersetzung mit Fragen des Alltags und der Lebenswelt in beiden Ländern sein. Anregungen finden Sie auch bei Schulpartnerschaften, wie sie „Austausch macht Schule“ im Bereich Beispiele guter Praxis vorstellt.

Solche Projekte können auch fächerübergreifend angelegt sein. Digitale Formate können helfen, die Zusammenarbeit vorzubereiten oder nach der Begegnung fortzusetzen – etwa durch virtuelle Treffen oder erste gemeinsame Online-Projekte.

Gerade in dieser Planungsphase kann das Beratungsprogramm CHECK! hilfreich sein. Lehrkräfte erhalten dabei bis zu fünf Stunden individuelle Beratung durch Expertinnen und Experten für deutsch-französische Bildungsarbeit. Die Beratung kann pädagogische Fragen ebenso umfassen wie organisatorische Aspekte eines Austauschs. 

Eine Beratung mit CHECK! erscheint besonders dann hilfreich, wenn erste Ideen schon vorhanden ist, aber noch offen ist, wie daraus ein tragfähiges Austauschprojekt werden kann, weil Fragen zur Finanzierung und zur Organisation bestehen. Die folgende Tafel beantwortet viele Fragen (bitte klicken!)

CHECK Programm zur Beratung von Schulen beim deutsch-französischen Austausch

Eine Beratung können Sie hier beantragen.

 

Elternarbeit und die Einbindung von Gastfamilien

Ein deutsch-französischer Gruppenaustausch lebt nicht nur von der Zusammenarbeit der Schulen, sondern auch vom Vertrauen und dem Engagement der Familien. Deshalb ist es sinnvoll, Eltern frühzeitig einzubeziehen und mit ihnen offen über den Ablauf des Aufenthalts der Schüler:innen am Ort des Partners, Erwartungen oder Vorbehalte sowie positive wie negative Erfahrungen zu sprechen.

Auf dem Youtube-Kanal des DFJW steht dafür ein Video zur Verfügung, das sich gut für einen Elternabend eignet. Darin berichten Gasteltern, Lehrkräfte, Schulleitungen sowie Schülerinnen und Schüler aus ihrer Perspektive über den Austausch und darüber, wie Begegnungen im Familienalltag gelingen können.

 

Digitale Vor- und Nachbereitung: Tele-Tandem

Digitale Formate können die Zusammenarbeit zusätzlich unterstützen. Mit der Plattform Tele-Tandem bietet das Deutsch-Französische Jugendwerk eine erprobte Möglichkeit, dass Schülerinnen und Schüler bereits vor der Begegnung miteinander arbeiten, sich austauschen und gemeinsam an Projekten im Tandem arbeiten. Auch nach dem Austausch kann die Zusammenarbeit auf diese Weise fortgesetzt werden. So entsteht ein gemeinsames Projekt, das über die eigentliche Begegnung hinaus wirkt und den Austausch nachhaltig vertieft.

Tele-Tandem Plattform für digitale Zusammenarbeit im deutsch-französischen Austausch

 

4. Die Begegnung durchführen – Austausch am Ort des Partners

Die meisten Schulpartnerschaften verlaufen nach dem Modell „Austausch am Ort des Partners“: 

Schülerinnen und Schüler reisen jeweils in das Partnerland und leben während ihres Aufenthalts in Gastfamilien. Die Jugendlichen werden dabei für einige Tage oder Wochen Teil des Familienlebens im Partnerland und erleben Schule, Freizeit und Alltag aus einer neuen Perspektive.

Dieses Format hat mehrere Vorteile:

  • vergleichsweise geringe Kosten und eine überschaubare Organisation
  • intensive Begegnungen zwischen Jugendlichen
  • unmittelbare Alltagserfahrungen im Partnerland
  • hohe Lernwirkung durch das Leben in Gastfamilien
  • Einbindung vieler weiterer Menschen in den Austausch – etwa Geschwister, Freundeskreise oder Nachbarschaft der Gastfamilien

Gerade für Schulen, die bislang noch wenig Erfahrung mit Austauschprojekten haben, ist dieses Format ein guter Einstieg.

 

5. Erfahrungen auswerten und weiterentwickeln

Nach der Begegnung lohnt es sich, die Erfahrungen gemeinsam auszuwerten: Was hat gut funktioniert? Was hat überrascht? Was haben die Jugendlichen sprachlich, sozial und interkulturell gelernt? Welche Erfahrungen haben sie gemacht? Was könnte beim nächsten Mal anders laufen?

Solche Reflexionen helfen nicht nur den Schülerinnen und Schülern, ihre Erfahrungen zu verarbeiten. Sie unterstützen auch Lehrkräfte dabei, zukünftige Begegnungen weiterzuentwickeln.

  i-EVAL Evaluieren leichtgemacht: Die Online-Plattform i-EVAL - in vielen Sprachen verfügbar
i-EVAL – die Online-Plattform zur Evaluation internationaler Jugendbegegnungen. Hier gibt es mehr Infos zum Auswertungstool.

Für diese Auswertung steht mit iEVAL ein digitales Instrument zur Verfügung. Es wurde vom DFJW gemeinsam mit Partnerorganisationen entwickelt und ist in mehreren Sprachen verfügbar.

Für Schulpartnerschaften besonders hilfreich: Es gibt einen speziell entwickelten Musterfragebogen für Austausche am Ort des Partners und mit Gastfamilienaufenthalten, der individuell angepasst werden kann. Schülerinnen und Schüler, Familien und Lehrkräfte füllen die Fragebögen jeweils in ihrer eigenen Sprache aus. Die Ergebnisse werden automatisch zusammengeführt und können in Deutsch, Französisch oder weiteren Sprachen ausgewertet werden. Rückmeldungen aus beiden Ländern lassen sich damit unkompliziert zusammenführen und für die Weiterentwicklung der Partnerschaft nutzen.

 

Schulpartnerschaften stärken – auch dort, wo sie seltener geworden sind

Deutsch-französische Schulpartnerschaften haben in vielen Regionen Deutschlands eine lange Tradition. Besonders in einigen westdeutschen Bundesländern bestehen Kooperationen zwischen Schulen seit mehreren Jahrzehnten.

In anderen Regionen sind solche Partnerschaften weniger verbreitet oder in den vergangenen Jahren seltener geworden. Gleichzeitig entstehen dort neue Kooperationen – häufig auch mit anderen europäischen Ländern.

Gerade hier können niedrigschwellige Unterstützungsangebote eine wichtige Rolle spielen. Informationsangebote, Beratung und praktische Materialien helfen Schulen, neue Partnerschaften aufzubauen oder bestehende Kontakte wieder zu beleben.

Weiterdenken: Auch individuelle Austausche sind möglich

Neben dem Gruppenaustausch bietet das Deutsch-Französische Jugendwerk mit den Programmen Voltaire und Brigitte Sauzay auch Möglichkeiten für einen individuellen Schüleraustausch.

Jugendliche verbringen dabei drei Monate (Programm Brigitte Sauzay) oder ein halbes Jahr (Programm Voltaire) an einer Schule im Partnerland und leben während dieser Zeit in einer Gastfamilie. Solche Programme können eine sinnvolle Ergänzung zu Schulpartnerschaften sein und eröffnen Schülerinnen und Schülern zusätzliche Erfahrungen im deutsch-französischen Austausch.

Cover der Broschüre "Schulaustausch auf einen Blick 2025-2026" des DFJW

Alle Angebote für den deutsch-französischen Schulaustausch findet man in dieser Broschüre übersichtlich zusammengestellt: 
Schulaustausch auf einen Blick

 

Internationale Begegnungen gemeinsam stärken

Internationale Schülerbegegnungen entstehen durch das Engagement vieler Beteiligter: Lehrkräfte, Schulen, Familien, Förderinstitutionen und zivilgesellschaftliche Initiativen.

Organisationen wie das Deutsch-Französische Jugendwerk unterstützen Schulen konkret dabei, Austauschprojekte umzusetzen und neue Partnerschaften aufzubauen. Die Initiative „Austausch macht Schule“ setzt sich gleichzeitig dafür ein, dass Politik und Verwaltung internationale Begegnungen langfristig im Bildungssystem verankert, und macht deren Bedeutung für Bildung und gesellschaftlichen Zusammenhalt besser sichtbar.

Auf unserer Website finden sich zahlreiche Beispiele, wie Schulen internationale Begegnungen in ihren Schulalltag integrieren

Auch die Toolbox Internationalisierung von Schule bietet dafür praktische Anregungen.

Veröffentlicht am: 07.04.2026
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