Deutsch-französischen Schüleraustausch aufbauen – Schritt für Schritt zur Schulpartnerschaft

Wie das DFJW beim Aufbau von Schulpartnerschaften helfen kann

Internationale Begegnungen gehören zu den prägendsten Lernerfahrungen im Schulkontext. Wenn Jugendliche Gleichaltrigen aus einem anderen Land begegnen, gemeinsam Projekte entwickeln und den Alltag in einer anderen Kultur erleben, entstehen Lernprozesse, die weit über den Fachunterricht hinausgehen.

Viele Lehrkräfte und Schulen finden die Idee einer Schulpartnerschaft grundsätzlich attraktiv. Gleichzeitig bleibt es oft bei der Überlegung. Zu groß erscheint der organisatorische Aufwand, zu unübersichtlich die Planung, zu hoch die Verantwortung.

Gerade hier setzen Unterstützungsangebote an, die Schulen beim Einstieg begleiten. Das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW) unterstützt seit Jahrzehnten Schulpartnerschaften zwischen Deutschland und Frankreich und stellt Lehrkräften und Schulen heute eine Reihe von Instrumenten zur Verfügung, die den Einstieg erleichtern und Hemmschwellen abbauen.

Der Ansatz ist bewusst pragmatisch: Schulpartnerschaften müssen nicht von Anfang an perfekt ausgearbeitet sein. Viel wichtiger ist es, erste Begegnungen zu ermöglichen und Austausch als gemeinsamen Entwicklungsprozess zu verstehen.

Schulpartnerschaften eröffnen neue Lernräume

Deutsch-französische Schulbegegnungen eröffnen Lerngelegenheiten, die sich im regulären Unterricht nur schwer herstellen lassen. Schülerinnen und Schüler erleben sich im Alltag einer neuen Sprachumgebung, müssen sich verständigen, Missverständnisse klären und gemeinsam Lösungen finden. Dabei begegnen sie anderen Lebensrealitäten und entwickeln interkulturelle Kompetenzen.

Solche Erfahrungen verlaufen nicht immer konflikt- oder fehlerfrei. Gerade darin liegt jedoch ihr Lernpotenzial: Jugendliche erleben, dass sie Herausforderungen bewältigen können, und erfahren Selbstwirksamkeit. Gleichzeitig lernen sie, sich in einer neuen sozialen Situation zu orientieren – sowohl innerhalb der eigenen Gruppe als auch im Kontakt mit der Gruppe der Partnerschule.

Typische Lernerfahrungen bei einem deutsch-französischen Austausch sind beispielsweise:

  • Begegnung mit Gleichaltrigen aus Frankreich bzw. Deutschland
  • Perspektivwechsel und interkulturelles Lernen
  • neue Motivation für das Lernen der Partnersprache
  • Erfahrungen mit Europa im Alltag junger Menschen
  • Jugendliche erleben sich selbst in einem neuen Umfeld und entdecken dabei oft Fähigkeiten oder Eigenschaften, die im gewohnten schulischen Kontext weniger sichtbar sind
  • sie lernen, sich in einer unbekannten Situation zu orientieren und sich neu zu behaupten
  • Sprache wird nicht nur als Unterrichtsfach, sondern als reales Kommunikationsmittel erlebt
  • durch die Fremdheitserfahrung entsteht eine neue Perspektive auf das eigene Umfeld
  • zugleich wächst das Verständnis dafür, wie sich Gäste im eigenen Land fühlen können – eine wichtige Grundlage für Empathie

Schulpartnerschaften sind dabei keineswegs nur für Gymnasien geeignet. Auch Real- oder Mittelschulen, Gesamtschulen, berufliche Schulen – und in manchen Fällen sogar Grundschulen – können Austauschprojekte im Rahmen einer Schulpartnerschaft entwickeln.

Entscheidend ist weniger ein perfektes Konzept als vielmehr die Bereitschaft, Begegnungen zu ermöglichen und gemeinsam mit einer Partnerschule Erfahrungen zu sammeln.

Einen deutsch-französischen Austausch aufbauen – Schritt für Schritt

Ein Schüleraustausch entsteht selten auf einmal. Meist entwickelt sich eine Schulpartnerschaft Schritt für Schritt: aus einer Anfangsidee, der Suche nach einer Partnerschule oder einem Kontakt zwischen Lehrkräften entstehend, über die gemeinsame Vorbereitung bis zu den ersten, wirklich stattfindenden gegenseitigen Besuchen.

Die Erfahrungen aus diesen Begegnungen werden anschließend gemeinsam reflektiert und ausgewertet. Auf dieser Grundlage entwickeln viele Schulen ihre Partnerschaft weiter – oft über mehrere Jahre hinweg. Aus einzelnen Begegnungen kann so eine verlässliche Zusammenarbeit entstehen, die für Generationen von Schülerinnen und Schülern neue Lernerfahrungen ermöglicht.

Für viele dieser Schritte stellt das Deutsch-Französische Jugendwerk konkrete Unterstützungsangebote bereit und begleitet Schulen dabei, Austauschprojekte aufzubauen und nachhaltig zu entwickeln.

1. Idee entwickeln und Kollegium gewinnen

Viele Austauschprojekte beginnen mit dem Engagement einzelner Lehrkräfte. Oft stellt sich zunächst die Frage: Könnte ein Austausch auch an unserer Schule möglich sein?

Damit aus dieser Idee ein Projekt wird, braucht es Unterstützung im Kollegium und Rückhalt durch die Schulleitung. Informationsmaterialien oder Beispiele aus anderen Schulen können helfen, die Idee eines Austauschs vorzustellen und erste Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu gewinnen.

Um Lehrkräfte bei diesem Einstieg zu unterstützen, hat das DFJW kurze Videotutorials entwickelt. Sie erklären anschaulich, wie deutsch-französische Schulbegegnungen funktionieren und welche Möglichkeiten es für Schulen gibt.

Ein Video zeigt beispielsweise, warum Austauschprojekte für Schulen und Jugendliche besonders wertvoll sein können:

 

2. Eine Partnerschule in Frankreich finden

Der nächste Schritt besteht darin, eine passende Partnerschule zu finden. Häufig entstehen solche Kontakte über bestehende Netzwerke, über Partnerregionen oder über spezielle Plattformen für Schulpartnerschaften.

Auch hier kann Unterstützung hilfreich sein. Das DFJW bietet Beratungsmöglichkeiten für Lehrkräfte, die eine Schulpartnerschaft aufbauen möchten.

Ein wichtiges Instrument ist das Beratungsprogramm CHECK!. Dabei können sich Lehrkräfte oder Lehrkräfteteams individuell beraten lassen – etwa zur Partnersuche, zur Organisation eines Austauschs oder zu ersten Planungsschritten.

Partnerbörse DOMINO

Für die Partnersuche stellt das DFJW mit der Plattform DOMINO ein zentrales Instrument zur Verfügung. Lehrkräfte können dort gezielt nach Partnerschulen in Frankreich suchen oder eigene Gesuche einstellen. Durch verschiedene Filter lässt sich die Suche nach Schulform, Region oder Projektschwerpunkten eingrenzen.

Die Plattform funktioniert wie eine deutsch-französische Partnerbörse für Schulen und erleichtert insbesondere den Einstieg in neue Schulpartnerschaften.

DOMINO Plattform zur Suche nach Partnerschulen in Deutschland und Frankreich

 

3. Den deutsch-französischen Austausch vorbereiten

Ist eine Partnerschule gefunden, beginnt die eigentliche Vorbereitung der Begegnung. Dazu gehören organisatorische Fragen ebenso wie die inhaltliche Gestaltung des Austauschs.

Wichtig ist, dass ein Schüleraustausch mehr ist als ein touristischer Aufenthalt. Häufig entwickeln die beteiligten Lehrkräfte deshalb ein gemeinsames Thema oder eine gemeinsame Arbeitsidee, an der beide Schülergruppen während der Begegnung arbeiten.

Das kann zum Beispiel eine gemeinsame Präsentation, ein Projekt zu einem lokalen Thema oder eine Auseinandersetzung mit Fragen des Alltags und der Lebenswelt in beiden Ländern sein.

Solche Projekte können auch fächerübergreifend angelegt sein. Digitale Formate können zusätzlich helfen, die Zusammenarbeit vorzubereiten oder nach der Begegnung fortzusetzen – etwa durch gemeinsame Online-Projekte oder virtuelle Treffen.

Gerade in dieser Planungsphase kann das Beratungsprogramm CHECK! hilfreich sein. Lehrkräfte erhalten dabei bis zu fünf Stunden individuelle Beratung durch Expertinnen und Experten für deutsch-französische Bildungsarbeit. Die Beratung kann pädagogische Fragen ebenso umfassen wie organisatorische Aspekte eines Austauschs. 

Eine Beratung mit CHECK! erscheint besonders dann hilfreich, wenn erste Ideen schon vorhanden ist, aber noch offen ist, wie daraus ein tragfähiges Austauschprojekt werden kann, weil Fragen zur Finanzierung und zur Organisation bestehen.

CHECK Programm zur Beratung von Schulen beim deutsch-französischen Austausch

 

Elternarbeit und die Einbindung von Gastfamilien

Ein deutsch-französischer Gruppenaustausch lebt nicht nur von der Zusammenarbeit der Schulen, sondern auch vom Vertrauen und dem Engagement der Familien. Deshalb ist es sinnvoll, Eltern frühzeitig einzubeziehen und mit ihnen offen über den Ablauf des Aufenthalts der Schüler:innen am Ort des Partners, Erwartungen oder Vorbehalte sowie positive wie negative Erfahrungen zu sprechen.

Auf dem Youtube-Kanal des DFJW steht dafür ein Video zur Verfügung, das sich gut für einen Elternabend eignet. Darin berichten Gasteltern, Lehrkräfte, Schulleitungen sowie Schülerinnen und Schüler aus ihrer Perspektive über den Austausch und darüber, wie Begegnungen im Familienalltag gelingen können.

 

Digitale Vor- und Nachbereitung: Tele-Tandem

Digitale Formate können die Zusammenarbeit zusätzlich unterstützen. Mit der Plattform Tele-Tandem bietet das Deutsch-Französische Jugendwerk eine erprobte Möglichkeit, dass Schülerinnen und Schüler bereits vor der Begegnung miteinander arbeiten, sich austauschen und gemeinsam an Projekten im Tandem arbeiten. Auch nach dem Austausch kann die Zusammenarbeit auf diese Weise fortgesetzt werden. So entsteht ein gemeinsames Projekt, das über die eigentliche Begegnung hinaus wirkt und den Austausch nachhaltig vertieft.

Tele-Tandem Plattform für digitale Zusammenarbeit im deutsch-französischen Austausch

 

4. Die Begegnung durchführen – Austausch am Ort des Partners

Die meisten Schulpartnerschaften verlaufen nach dem Modell „Austausch am Ort des Partners“: 

Schülerinnen und Schüler reisen jeweils in das Partnerland und leben während ihres Aufenthalts in Gastfamilien. Die Jugendlichen werden dabei für einige Tage oder Wochen Teil des Familienlebens im Partnerland und erleben Schule, Freizeit und Alltag aus einer neuen Perspektive.

Dieses Format hat mehrere Vorteile:

  • vergleichsweise geringe Kosten und eine überschaubare Organisation
  • intensive Begegnungen zwischen Jugendlichen
  • unmittelbare Alltagserfahrungen im Partnerland
  • hohe Lernwirkung durch das Leben in Gastfamilien
  • Einbindung vieler weiterer Menschen in den Austausch – etwa Geschwister, Freundeskreise oder Nachbarschaft der Gastfamilien

Gerade für Schulen, die bislang noch wenig Erfahrung mit Austauschprojekten haben, ist dieses Format ein guter Einstieg.

 

5. Erfahrungen auswerten und weiterentwickeln

Nach der Begegnung lohnt es sich, die Erfahrungen gemeinsam auszuwerten: Was hat gut funktioniert? Was hat überrascht? Was haben die Jugendlichen sprachlich, sozial und interkulturell gelernt? Welche Erfahrungen haben sie gemacht? Was könnte beim nächsten Mal anders laufen?

Solche Reflexionen helfen nicht nur den Schülerinnen und Schülern, ihre Erfahrungen zu verarbeiten. Sie unterstützen auch Lehrkräfte dabei, zukünftige Begegnungen weiterzuentwickeln.

  i-EVAL Evaluieren leichtgemacht: Die Online-Plattform i-EVAL - in vielen Sprachen verfügbar
i-EVAL – die Online-Plattform zur Evaluation internationaler Jugendbegegnungen. Hier gibt es mehr Infos zum Auswertungstool.

Für diese Auswertung steht mit iEVAL ein digitales Instrument zur Verfügung, mit dem Austauschprojekte einfach und strukturiert ausgewertet werden können. Es wurde vom DFJW gemeinsam mit Partnerorganisationen entwickelt und ist in mehreren Sprachen verfügbar.

Für deutsch-französische Schulpartnerschaften besonders hilfreich: Es gibt einen speziell entwickelten Musterfragebogen für Austauschprojekte am Ort des Partners mit Gastfamilienaufenthalten der individuell angepasst werden kann. Schülerinnen und Schüler, Familien und Lehrkräfte können die Fragebögen jeweils in ihrer eigenen Sprache ausfüllen. Die Ergebnisse werden automatisch zusammengeführt und können in Deutsch, Französisch oder weiteren Sprachen ausgewertet werden. Rückmeldungen aus beiden Ländern lassen sich damit unkompliziert zusammenführen und für die Weiterentwicklung der Partnerschaft nutzen.

 

Schulpartnerschaften stärken – auch dort, wo sie seltener geworden sind

Deutsch-französische Schulpartnerschaften haben in vielen Regionen Deutschlands eine lange Tradition. Besonders in einigen westdeutschen Bundesländern bestehen Kooperationen zwischen Schulen seit mehreren Jahrzehnten.

In anderen Regionen sind solche Partnerschaften weniger verbreitet oder in den vergangenen Jahren seltener geworden. Gleichzeitig entstehen dort neue Kooperationen – häufig auch mit anderen europäischen Ländern.

Gerade hier können niedrigschwellige Unterstützungsangebote eine wichtige Rolle spielen. Informationsangebote, Beratung und praktische Materialien helfen Schulen, neue Partnerschaften aufzubauen oder bestehende Kontakte wieder zu beleben.

Weiterdenken: Auch individuelle Austausche sind möglich

Neben dem Gruppenaustausch bietet das Deutsch-Französische Jugendwerk mit den Programmen Voltaire und Brigitte Sauzay auch Möglichkeiten für einen individuellen Schüleraustausch.

Jugendliche verbringen dabei drei Monate (Programm Brigitte Sauzay) oder ein halbes Jahr (Programm Voltaire) an einer Schule im Partnerland und leben während dieser Zeit in einer Gastfamilie. Solche Programme können eine sinnvolle Ergänzung zu Schulpartnerschaften sein und eröffnen Schülerinnen und Schülern zusätzliche Erfahrungen im deutsch-französischen Austausch.

Internationale Begegnungen gemeinsam stärken

Internationale Schülerbegegnungen entstehen durch das Engagement vieler Beteiligter: Lehrkräfte, Schulen, Familien, Förderinstitutionen und zivilgesellschaftliche Initiativen.

Organisationen wie das Deutsch-Französische Jugendwerk unterstützen Schulen konkret dabei, Austauschprojekte umzusetzen und neue Partnerschaften aufzubauen.

Initiativen wie Austausch macht Schule setzen sich gleichzeitig dafür ein, internationale Begegnungen langfristig im Bildungssystem zu verankern und ihre Bedeutung für Bildung und gesellschaftlichen Zusammenhalt sichtbar zu machen.

Auf der Website von Austausch macht Schule finden sich zahlreiche Beispiele dafür, wie Schulen internationale Begegnungen in ihren Schulalltag integrieren. Auch die Toolbox Internationalisierung von Schule bietet dafür praktische Anregungen.

Veröffentlicht am: 17.03.2026
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